GESUNDHEIT: Migros lässt die Muskeln spielen

Der Fitnessmarkt in der Zentralschweiz boomt. Der Marktführer Migros Luzern expandiert deshalb kräftig. Doch auch neue private Anbieter wollen die Gunst der Stunde nutzen.

Hans-Peter Hoeren
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Mit dem Film «Pumping Iron» von 1977 machte Arnold Schwarzenegger Bodybuilding weltbekannt. Seither ist man weit gekommen. Blick in den Kurs «Pump» im One Training Center in Luzern. (Bild Pius Amrein)

Mit dem Film «Pumping Iron» von 1977 machte Arnold Schwarzenegger Bodybuilding weltbekannt. Seither ist man weit gekommen. Blick in den Kurs «Pump» im One Training Center in Luzern. (Bild Pius Amrein)

Jeder zehnte Schweizer hat ein Abonnement in einem Fitnessstudio. Tendenz steigend. In der Stadt Luzern sind es gemäss Schätzungen sogar 12 Prozent. «Der Fitnessmarkt in der Schweiz wächst überdurchschnittlich stark», sagt Claude Ammann, Sprecher des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter-Verbandes (SFGV). Das Kundenpotenzial habe sich im vergangenen Jahr stark vergrössert. Rund 750 Fitnessstudios gibt es aktuell in der Schweiz, bei der Mehrzahl handelt es sich um kleinere KMU. Der Jahresumsatz der Branche liegt gemäss Schätzungen des SFGV bei knapp unter 1 Milliarde Franken.

3 Parks, bald 8 One Training Center

In der Zentralschweiz ist die Migros Luzern mit gesamthaft rund 28 500 Abonnenten (davon 13 000 bei One) und einem Jahresumsatz von 32,2 Millionen Franken im Jahr 2012 Marktführer. 3 Fitnessparks und 6 Fitnesscenter ihrer Tochtergesellschaft One betreibt die Migros Luzern in der Region. Aktuell werden die One Training Center in Schwyz und Luzern umgebaut und vergrössert, im Herbst eröffnet in Rotkreuz und Anfang 2014 in Rothenburg ein neues One Training Center. Weitere Standorte könnten folgen, spruchreif sei aber noch nichts, heisst es bei der Migros Luzern.

«Generell ist für kleinere und mittlere Fitnessstudios in der Zentralschweiz die Sättigungsgrenze noch nicht erreicht, es gibt noch einige weisse Flecken», sagt Roman Ziegler, Leiter Klubschule, Freizeit und Kulturelles, bei der Migros Luzern. Wo genau er diese weissen Flecken ortet, will er nicht verraten. Trotz ähnlicher Leistungen unterscheiden sich Migros-Fitnessparks und One Training Center. Letztere legen grossen Wert auf Kinder, Familien und Events. Punkto Wellness setze One im Vergleich zu den Fitnessparks hingegen eher auf Basisangebote, vor allem auf Saunen.

Run auf den Fitnesspark Allmend

Der Fitnessmarkt in der Zentralschweiz wächst. Gemäss Ziegler haben sowohl die One Training Center als auch die Fitnessparks im vergangenen Jahr ihren Mitgliederbestand gegenüber dem Vorjahr um rund 10 Prozent erhöhen können. In dem im August 2012 eröffneten Fitnesspark Allmend konnte die Mitgliederzahl im Vergleich zum früheren Tribschenpark von 2700 auf 3800 Mitglieder gesteigert werden. «Die Migros Luzern hat im Fitnessbereich sicher eine starke Position und will diese ausbauen, es herrscht aber kein Verdrängungswettbewerb», sagt Ziegler. Mitkonkurrenten, die ihren Job gut machten, würden ebenso wie die Migros von der wachsenden Nachfrage profitieren. Gemäss Claude Ammann vom SFGV profitiere die Branche vor allem von neuen Kundengruppen wie den über 50-Jährigen und den Übergewichtigen. Es gebe aber auch immer mehr Nutzer, die im Studio die Schwachstellen von einseitigem Arbeiten, wie beispielsweise Rückenprobleme, beheben wollten.

«Das Kundenpotenzial hat sich in den vergangenen Jahren extrem vergrössert, weg von der Muckibude hin zum Fitness- und Gesundheitscenter und weg vom Sport hin zu Bewegung und Muskelaktivierung», sagt Ammann. Über 30 Prozent der Studios kooperierten bereits mit einem Physiotherapeuten oder böten selber Physiotherapie an. Der Altersdurchschnitt der Fitnessstudio-Nutzer liegt gemäss einer repräsentativen Umfrage des SFGV bei 40,6 Jahren (siehe Grafik).

Exersuisse legt in Luzern und Zug zu

Profitiert von diesem Boom hat auch der zweitgrösste Player im Schweizer Markt, die Exersuisse-Gruppe. Diese hat 2011 die ehemaligen Kieser-Studios übernommen. Hinter der Gruppe steht die Jost Thoma Holding AG, die die Kieser-Studios als Lizenznehmerin bereits über 30 Jahre lang geführt und auf- und ausgebaut hat. Man habe mit dem Namenswechsel zu Exersuisse zusätzliche Kundengruppen ansprechen und so die Nachfrage nach gesundem Krafttraining in der Schweiz steigern können, sagt Susanne Thoma, Ärztin und Inhaberin von Exersuisse. «Dies beobachten wir in all unseren Betrieben», sagt sie. Das heisst, Exersuisse wächst auch an den Zentralschweizer Standorten in Zug und in Luzern.

Umkämpfter Markt in Emmen

Doch nicht nur die Migros expandiert, auch selbstständige Betreiber etablieren sich im Markt. Besonders im Raum Emmen und Rothenburg wächst die Konkurrenz. Noch vor dem geplanten One Training Center in Rothenburg soll im November bereits das Spartakus Fitness Center in der Rüeggisingerstrasse in Emmen eröffnen – in unmittelbarer Nachbarschaft zu den etablierten Anbietern Dynamic Fitness und Fitwork.

«Der Markt für Fitnessstudios in der Zentralschweiz hat noch einige Luft nach oben, aber man muss sich anders positionieren als die etablierten Studios», sagt Mitinhaber Richard Portmann (46). Das eher kleine Studio mit rund 500 Quadratmetern Fläche soll sich vor allem über den Preis und die Öffnungszeiten von den Mitbewerbern unterscheiden. Ein Jahresabo kostet 690 Franken, das Studio hat rund um die Uhr geöffnet. «Immer mehr Leute wollen bereits zwischen 5.30 und 6.30 Uhr in ein Studio, um vor der Arbeit trainieren zu können», sagt Portmann. Kurse und einen Wellnessbereich gibt es nicht, sondern ausschliesslich Trainingsmöglichkeiten. Die etablierten Anbieter in Emmen nehmen den neuen Mitbewerber sportlich. «Konkurrenz belebt den Markt», sagt Daniela Passafaro-Benz. Sie betreibt seit 1987 mit ihrem Mann Tino das Studio Dynamic Fitness in Emmen.

Neuer Player in Stans

Auch in Stans ist Anfang Jahr mit der Chraftwärch AG ein weiterer Anbieter hinzugekommen – neben den beiden etablierten One Training Center (früher Panthera Training) und dem rein auf Frauen spezialisierten Panthera Lady’s Gym. «Es gibt genug Leute, die individuellere Studios bevorzugen. Wir gewinnen deshalb auch Leute von Fitnessketten hinzu», sagt Beda Berner, einer von zwei Partnern von Chraftwärch. Lange Öffnungszeiten, unter der Woche von 6 bis 22 Uhr, ein Sportnahrung-Shop mit professioneller Beratung und eine verstärkte Zusammenarbeit mit Sportphysiotherapeuten und Sportärzten sowie Konzentration auf Fitnesstraining ohne Wellness – mit diesem Profil will sich Chraftwärch von anderen Anbietern in Stans abheben. «In Nidwalden machen zirka 2500 Personen Fitness», sagt Berner. Mit den vorhandenen drei Fitnesscentern und den zur Verfügung stehenden Trainingsflächen werde es eine optimale Verteilung der Nutzer geben.