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GESUNDHEIT: Zum Apotheker statt zum Arzt

Gemeinsam mit Apotheken bietet die CSS seit kurzem eine Beratung im Schmerzbereich an. Die Ärzteschaft hat daran überhaupt keine Freude.
Roman Schenkel
Ein Blick in eine Apotheke in der Stadt Baden. (Bild: Gaetan Bally / Keystone)

Ein Blick in eine Apotheke in der Stadt Baden. (Bild: Gaetan Bally / Keystone)

Roman Schenkel

Der Luzerner Augenarzt Hans-Robert Naef hat seinen Augen nicht getraut, als er kürzlich ein Schreiben seiner Krankenkasse CSS in den Händen hielt. Darin preist die Luzerner Krankenversicherung ein Betreuungsprogramm bei Schmerzen an, das sie gemeinsam mit den TopPharm-Apotheken anbietet. In separaten Betreuungsräumen können sich Kunden der Apothekengruppe in 30-minütigen Beratungsgesprächen über ihren «Gesundheitsstatus und ihr Beschwerdebild» beraten lassen. Unter anderem werden Schmerzmedikamente überprüft, ein Behandlungsplan erstellt und die Kunden bei der korrekten Medikamenteneinnahme unterstützt.

Für Hans-Robert Naef macht das Angebot keinen Sinn: «Wie kommt die CSS auf die Idee, ‹bei wiederkehrenden Schmerzen› einen primären Kontakt beim Apotheker zu empfehlen?», fragt der Arzt. Der Besuch bei einer Apotheke könne schon Sinn machen, «aber erst nach der Arztvisite», ärgert er sich. Doch so wie es die CSS ihren Kundinnen und Kunden anbiete, sei es kein ergänzendes Angebot, sondern «ein dem Arztbesuch vorgeschaltetes», sagt Naef.

Schmerzen sind «sehr kompliziert»

Auch Philippe Luchsinger, Facharzt für allgemeine Medizin und Vorstandsmitglied von Hausärzte Schweiz sieht das Angebot kritisch: «Schmerzen sind etwas vom Kompliziertesten, was es in der Medizin gibt; ein Gesundheitscoach kann in 30 Minuten keinen Patienten behandeln und definieren, wie es in der Therapie weiter geht», sagt Luchsinger. Schmerzpatienten hätten oft Geschichten – «meist sehr lange», erklärt er.

Hinzu komme, dass den Apothekern die entsprechende Ausbildung fehle. «Ein Apotheker besucht in seiner Ausbildung keine Kurse zur Beurteilung von Patienten», sagt Luchsinger. Die Kompetenz der Apotheker liege heute in der Beurteilung von Wirkung, Nebenwirkung, Interaktion der Schmerzmedikamente und in der Schulung der korrekten Einnahme. «Diese Kompetenz ist unbestritten», sagt Luchsinger. Hausärzte Schweiz unterstütze auch, dass sich dies im neuen Berufsbild ändert, betont er. In der Botschaft des Bundesrates zum Medizinalberufegesetz von vergangener Woche war diese Änderung enthalten.

Stefan Wild, Geschäftsführer von TopPharm, will die Vorwürfe der Ärzteschaft so nicht stehen lassen. «Unsere Dienstleistung ist als Ergänzung zum Arztbesuch gedacht», sagt Wild. Die Apotheker stellten keine Diagnose, «wir begleiten und betreuen die Patienten», stellt er klar. Wer zuvor noch nicht bei einem Arzt war, könne das Angebot nicht in Anspruch nehmen. Man habe sehr gute Erfahrungen mit Dienstleistungen gemacht, die über das reine Verkaufsgeschäft hinausgehen. «Apotheker kennen ihre Kunden nun einmal sehr gut, eine Studie zeigt, dass vier von fünf Kunden stets dieselbe Apotheke aufsuchen», sagt Wild.

Auch Carole Su­-nier, Mediensprecherin bei der CSS, betont diesen Punkt: «Meistens ist die Apotheke die erste Anlaufstelle», sagt sie. Sie sieht in der Schmerzberatung keine Überschreitung der Kom­petenz seitens der Apotheker. «Es wird ja keine ärztliche Diagnose gestellt, sondern primär eine Auslegeordnung gemacht und untersucht, ob bei den Medikamenten Optimierungspotenzial besteht.» Die Kernkompetenz der Apotheker sei die Beratung bei der Medikation, sagt Sunier. Dies stehe nicht in Konkurrenz zur Ärzteschaft. «Der Arzt bleibt der Arzt.» Ähnliche Angebote kennt die CSS bereits bei Diabetes und Schlafstörungen. «Die CSS will die Lebensqualität der Patienten verbessern und somit auch nachhaltig die Qualität und die Effizienz im Gesundheitswesen fördern», betont Sunier. Die Beratungen sind für CSS-Versicherte, sofern sie bei ihr grund- und zusatzversichert sind, kostenlos. Wie viel die CSS ihrerseits dafür bezahlt, kann Sunier nicht sagen. «Wir sehen dies als Investition für die Zukunft.»

TopPharm geht noch weiter

Das Betreuungsprogramm bei Schmerzen ist nicht das einzige Angebot, mit dem TopPharm mit der Ärzteschaft im Clinch liegt. Schon heute bieten ihre 125 Apotheken zusammen mit der Krankenversicherung Swica Erstbehandlungen an. In diesen Beratungsgesprächen bekommen vier von fünf Kunden sofort eine Lösung, zusätzlich kann bei Bedarf ein Arzt per Telefon oder Video zugeschaltet werden. TopPharm erhofft sich davon mehr Kundschaft und Umsatz. Swica hofft auf viele neue Versicherte, die vom Prämienrabatt profitieren wollen.

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