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GESUNDHEITSWESEN: Wo Gebresten, da sind Kosten nicht weit

Ambulante Spitalbehandlungen nehmen weiter zu – die Aussichten auf eine Kostendämpfung sind nach Ansicht des Branchenverbands Santésuisse schlecht. Den Tarifeingriff des Bundesrats beurteilt der Krankenversicherungsverband skeptisch.
Balz Bruder
Der Bundesrat hofft auf Einsparungen bei ambulanten Arzt- und Spitalbehandlungen. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Luzern, 8. Juni 2017))

Der Bundesrat hofft auf Einsparungen bei ambulanten Arzt- und Spitalbehandlungen. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Luzern, 8. Juni 2017))

Balz Bruder

Wenn nicht gerade ein Bundesrat gewählt oder eine Rentenreform versenkt wird, gilt die Aufmerksamkeit am Herbstanfang stets dem gleichen Ärgernis: der Präsentation der zuvor unter höchster Geheimhaltung gehüteten Krankenkassenprämien für das Folgejahr. Für Gesundheits- und Sozialminister Alain Berset ist die Situation in diesem Jahr ungemütlicher denn je. Dem AHV-Debakel vom Wochenende an der Urne folgt morgen der schon fast sprichwörtliche Prämienschock des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Schlechte Zeiten für den Bundesrat – und die Versicherten.

Die Experten gingen in den vergangenen Wochen von einem durchschnittlichen Prämienanstieg zwischen 3 und 4 Prozent in der Grundversicherung (Standardprämie mit 300 Franken Franchise und Unfalldeckung) aus. Und sie dürften tatsächlich nicht weit von der Prämienrealität entfernt sein. Dies, nachdem die Kosten pro versicherte Person in der Grundversicherung im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent angestiegen sind. Und Santésuisse die Kosten dämpfende Wirkung des umstrittenen bundesrätlichen Tarifeingriffs im kommenden Jahr als gering bis kaum wahrnehmbar einschätzt.

Zuerst Kosten sparen, dann Prämien anpassen

Zur Erinnerung: Der Bundesrat erhofft sich bei den ambulanten Arzt- und Spitalbehandlungen Einsparungen von rund 470 Millionen Franken – das entspricht immerhin 1,5 Prämienprozenten. Geht der andere grosse Branchenverband Curafutura von einem Kostenhebel aus, ist Santésuisse pessimistischer. Direktorin Verena Nold befürchtet, dass Ärzte und Spitäler mit Mengenausweitungen in anderen Abrechnungspositionen die Tarifkürzungen kompensieren.

Es wäre deshalb «unvorsichtig, Prämien anzupassen», findet sie, «zuerst muss die Sicherheit bestehen, dass die Kosten tatsächlich eingespart werden». Andernfalls bestehe die Gefahr, dass die Prämienzahler die Zeche im Jahr danach berappten, weil sich dann fehlende Prämieneinnahmen und allgemeine Kostensteigerung gleichzeitig kumulierten. Prämienausschläge, die nach Ansicht von Santésuisse für die Betroffenen nicht nachvollziehbar wären.

Die Skepsis des Branchenverbands scheint bei näherer Betrachtung der Kostenentwicklung begründet. Allein die ambulanten Spitalkosten stiegen im vergangenen Jahr um 8 Prozent. Aufschlussreich ist der Trend deshalb, weil im gleichen Zeitraum die von den niedergelassenen Ärzten erbrachten Behandlungen «nur» um 3,5 Prozent zugenommen haben. Hintergrund: Die Ambulatorien der Spitäler übernehmen immer mehr Dienstleistungen, die bisher von den Grundversorgern in eigener Praxis erbracht wurden. Eine Entwicklung, die – zusammen mit der Mengenausweitung – voll auf die Prämien beziehungsweise deren Zahler durchschlägt. Und zusätzlich gefördert wird durch die Tatsache, dass Medikamententherapien erstens häufig länger dauern und zweitens vom stationären in den ambulanten Bereich verlagert werden.

Wenn es einen Lichtblick gibt, dann diesen: Zumindest im stationären Spitalbereich ist eine «Abschwächung des Kostenwachstums zu beobachten», wie sich Santésuisse ausdrückt. Das ist schon viel in dieser Branche. Konkret gingen die Kosten pro versicherte Person 2016 um 1,4 Prozent zurück. Doch aufgepasst: Diese Zahl kam nur zu Stande, weil die Kantone als Hauptfinanzierer der stationären Spitalbehandlungen ihren Kostenanteil auf die gesetzlich vorgeschriebenen mindestens 55 Prozent erhöhen mussten. Ein Effekt, der künftig wegfallen wird.

Kostenanstiege auch in anderen Disziplinen

Übrigens: Überdurchschnittliche Kostenanstiege sind nicht nur in den notorisch wachsenden ambulanten Disziplinen zu beobachten. Die Kosten in der Physiotherapie beispielsweise wuchsen im vergangenen Jahr um 10,2 Prozent, jene bei der Spitex um 8,4 und jene im Labor um 6,3 Prozent. Die Bereiche beschlagen zwar bloss 2,6 der 31,7 Milliarden Franken, die von den Krankenversicherern unter dem Strich finanziert werden. Aber ihre Bedeutung nimmt zu.

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