Preisrechner
Gewerbe wettert gegen Preisrechner des Bundes

Morgen stellen das Konsumentenforum, die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) sowie ihre Westschweizer und Tessiner Schwesterorganisationen die Internet-Plattform «preisbarometer.ch» vor.

Thomas Schlittler
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«Diese zeigt als Momentaufnahme, bei welchen Produkten und Produktgruppen die Preisunterschiede zum angrenzenden Ausland gross sind und bei welchen klein», so die Verantwortlichen auf der Einladung zur Medienkonferenz. Dies solle die Transparenz für die Konsumenten verbessern.

Das Parlament hat für den «nationalen Preisrechner» 500 000 Franken gesprochen. Das Projekt hat seinen Ursprung im Sommer 2011. Damals herrschte Franken-Euro-Parität und das Thema Hochpreisinsel Schweiz war in aller Munde. Bundesrat Johann Schneider-Ammann versprach deshalb im Kampf gegen die Frankenstärke einen Preisrechner.

Coop kritisiert Bundesgelder

Details zum Projekt geben die beteiligten Konsumentenorganisationen erst morgen bekannt. Der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) kritisiert das Projekt aber schon vor der Lancierung: «Der SGV wehrt sich nicht gegen eine Informationsplattform an sich, dennoch muss man hier kritisch hinterfragen, warum es diese Plattform braucht und wie seriös sie gestaltet ist», so Direktor Hans-Ulrich Bigler gegenüber der «Nordwestschweiz». Damit eine Plattform wirklich aussagekräftig sei, müsse sie Preise in Echtzeit erfassen können, das heisst, jede Preisbewegung (Aktionen, Rabatte) abbilden. «Wir befürchten aber, dass es sich um einen reinen Listenpreis-Vergleich handelt, was nicht nur nicht aussagekräftig ist, sondern sich schädlich auswirken kann», so Bigler.

Der Gewerbeverband hat wenig Verständnis, dass der Bund den Preisrechner mit einer halben Million Franken unterstützt: «Es ist schlicht inakzeptabel, dass eine staatlich unterstützte Informationsplattform dazu animiert, im Ausland einzukaufen», ärgert sich Bigler. Und zur Stiftung für Konsumentenschutz meint er: «Die SKS sollte die Interessen der Konsumenten schützen und nicht die eigene Gier nach Öffentlichkeit maximieren.»

SKS wehrt sich

Die SKS lässt die Kritik nicht auf sich sitzen: «Unsere Stiftung hat einen wichtigen Beitrag zu Preistransparenz geleistet», sagt Geschäftsleiterin Sara Stalder. Und an die Adresse von Bigler gibt sie zurück: «Um ein Urteil abgeben zu können, bedarf es der Information. Diese wird aber erst am Dienstag erfolgen.» Schon bei der im Sommer lancierten Broschüre - in der die SKS Tipps zum Einkaufen im Ausland gab - habe Bigler die SKS kritisiert, ohne den genauen Inhalt des Hefts zu kennen.

Migros und Coop halten sich mit Kritik an der neuen Vergleichsplattform zurück. Man sei für Transparenz, schreiben die Detailhandelsriesen unisono. Die Migros weist aber darauf hin, dass Preise nicht einfach miteinander verglichen werden könnten, da die meisten Preisdifferenzen «plausible, oft mehrschichtige Ursachen» hätten. Coop ist der Meinung, dass der Bund primär die Aufgabe habe, für geeignete Rahmenbedingungen für funktionierende Märkte zu sorgen. «Vor diesem Hintergrund scheint uns die Finanzierung von Preiserhebungsplattformen durch den Bund fragwürdig», so ein Sprecher.