Gewerbebiberist
Gewerbeland ist ein gesuchtes Gut

In Biberist stehen auffallend viele Gewerbeliegenschaften leer. Die Gemeinde sieht darin zwar nicht unmittelbar Grund zur Besorgnis, selbst wenn im März das Mühlemann-Areal dazukommt. Doch bei der nächsten Ortsplanrevision will sie das Thema grundlegend angehen.

Merken
Drucken
Teilen
Produktionsfläche

Produktionsfläche

Solothurner Zeitung

Daniela Deck

Auf der Liste des Wirtschaftsförderungsvereins Innostep ist Biberist prominent vertreten. Zehn Gewerbeliegenschaften mit oder ohne Büroräume sind derzeit ausgeschrieben. Bedeutende Leerstände bestehen zum Beispiel beim Dreyfus-Areal und bei der Uhrenfirma Mondaine, die vor kurzem vom Zentrum zum Autobahnzubringer umgezogen ist. Selbst beim Dienstleistungssektor ist einiges im Fluss.

Mondaine und Mühlemann zu haben

Mit Mondaine und ab dem Frühling Mühlemann befinden sich in Biberist ein mittelgrosses und ein grosses Industrieareal auf dem Markt. In beiden Fällen zeigen sich die Besitzer in der Frage «verkaufen oder vermieten?» flexibel. Damit endet die Gemeinsamkeit aber auch schon. Bei der Firma Mondaine sind auf drei Geschosse verteilt 1700 Quadratmeter Fläche zu belegen. Nach Auskunft der Geschäftsleitung gibt es Kontakte zu einem Kaufinteressenten. Drei Interessenten möchten sich in der alten Mondaine einmieten, wovon allerdings nur einer das gesamte Areal belegen würde. Kontakte bestünden zu einem Maler- und einem Gipsergeschäft sowie zu einem Holzverarbeiter. Finanzielle Fragen seien bisher nicht diskutiert worden. Wenn sich nicht bald eine längerfristige Lösung abzeichnet, erwäge die Uhrenfirma eine Vermietung als Lagerraum.
Weniger konkret ist die Lage bei der Firma Mühlemann, deren Areal momentan noch belegt ist. Dieses umfasst nach Angaben der Mutterfirma Feintool, Lyss, ein Grundstück von knapp 22 000 Quadratmetern mit einer Produktionsfläche von 8282 Quadratmetern und einer Lagerfläche von 5542 Quadratmetern. Dazu gehören Büroräume von 1072 Quadratmetern und 301 Parkplätze. Innostep bemüht sich um eine Vermarktung. Das bestätigt Max Wittwer, Präsident des Wirtschaftsförderungsvereins. Doch bei der Eigentümerin von Mühlemann finden die Avancen von Innostep wenig Widerhall. Karin Labhart, die sich bei Feintool um Mühlemann kümmert, dementiert die Zusammenarbeit mit dem Verein. Feintool setze auf die Dienste einer privaten Vermarktungsfirma aus der Agglomeration Solothurn. Abwimmeln lässt sich Innostep nicht, da sich auch ihre Auftraggeberin, die Gemeinde für die Zukunft aller grösseren Liegenschaften in Biberist interessiert. Trotz der zeitweiligen Funkstille in Lyss, zeigt sich Innostep-Präsident Wittwer zuversichtlich: «In der Geschäftsleitung von Mühlemann hat es in letzter Zeit Veränderungen gegeben. Aber wir bleiben in dieser Frage dran.» (dd)

Die Kantonspolizei zügelt ins SoBa-Gebäude, weshalb ihr Lokal ebenfalls auf den Markt kommt. Ab März sucht dann auch noch das Mühlemann-Areal neue Nutzer, die es kaufen oder zumindest mieten wollen. «Wer jetzt Kapital hat, sollte zugreifen. Der Käufer kann gegenwärtig vieles bestimmen, auf das er in der Hochkonjunktur keinen Einfluss hat», sagt Max Wittwer, Präsident von Innostep.

Chancen durch die Krise

Wittwer ist überzeugt, dass Gewerbe- und Industriebetriebe lange warten müssen, bis sich wieder eine derartige Gelegenheit bietet. Gerade im Hinblick auf die Krise beurteilt er die Bedingungen in Biberist als nicht schlecht. Die Gemeinde zeichnet sich durch verstreut liegende kleinere und mittlere Angebote aus. In Boomzeiten seien grosse Gebäude und Parzellen gesucht. Wenn die Konjunktur lahmt, würden die Firmen ihre Ansprüche herunterschrauben, so Wittwer. Neben dem Kauf sei dann auch die Miete eine Option.

Biberist unterscheidet sich mit seiner Struktur auf dem gewerblichen Immobilienmarkt deutlich von Zuchwil. Dabei gleichen sich das zweitgrösste und das grösste Dorf im Kanton beim Arbeitsmarkt sehr. In Zuchwil zentriert sich nach Aussage des Innostep-Präsidenten praktisch alles beim Riverside (früher Sultex-Areal). «Dort finden sowohl grosse, wie auch kleine Betriebe günstige Voraussetzungen.»

Lieber einzonen...

Bei der Gemeindeverwaltung Biberist sind die Leerstände kein Grund zur Sorge. «Proportional zur Grösse der Gemeinde sind die Angebote nicht übermässig», sagt Bauverwalter Ueli Sterchi. Ihm gibt eher zu denken, dass die Gemeinde kaum mehr über freies Gewerbeland verfügt. Nur eine Parzelle neben dem neuen Mondaine-Standort sei noch zu verkaufen. Deshalb macht sich Sterchi bei der kommenden Ortsplanungsrevision für die Einzonung von Gewerbeland stark. «Wir müssen die Arbeitsplätze da anbieten, wo die Leute wohnen», argumentiert er. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Gemeinde es sich leisten kann, kein Gewerbeland zu haben.»

... oder verdichten?

Auch FdP-Gemeinderat Alex Miescher bereiten die leeren Gewerbebauten keine schlaflosen Nächte. Er befasst sich seit längerem mit dem Thema Ortsentwicklung. Mit Blick in die Zukunft setzt er aber andere Prioritäten als der Bauverwalter. «Ich möchte zuerst einmal verdichten, ehe wir frisches Land einzonen. Denn das ist ökologisch immer problematisch.»

Miescher vermisst in Biberist eine «grundsätzliche Strategie». Im Alltag konkreter Probleme blieben solche politischen Überlegungen allzu oft auf der Strecke, kritisiert er, wobei er sich selbst nicht ausnimmt. «Wir sind zu wenig diversifiziert. Mit einer breit abgestützten Palette von Firmen verschiedener Branchen wäre die Gemeinde widerstandsfähiger in Krisenzeiten.» Einen ermutigenden Schritt in diese Richtung sieht er in der Ansiedlung der Firma Saudan.