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GEWINNEINBUSSE: Raiffeisen trägt Sonderlasten

Die drittgrösste Schweizer Bankengruppe leidet 2016 besonders unter ihrer Leonteq-Beteiligung. Unter dem Strich schreibt Raiffeisen Gewinn und operative Fortschritte – doch der Dämpfer ist schmerzhaft.
Thorsten Fischer
Raiffeisen-Chef Patrik Gisel nach der gestrigen Bilanzmedienkonferenz in St. Gallen. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (24. Februar 2017))

Raiffeisen-Chef Patrik Gisel nach der gestrigen Bilanzmedienkonferenz in St. Gallen. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (24. Februar 2017))

Thorsten Fischer

wirtschaft@luzernerzeitung.ch

Gleich mehrere Sonderfaktoren – positive und negative – haben das Ergebnis der Raiffeisen-Gruppe 2016 überlagert und es unter dem Strich belastet. Der Blick auf das tägliche Geschäft der Raiffeisenbanken vor Ort wurde damit etwas verstellt. Eigentlich hat Raiffeisen in allen Geschäftsbereichen höhere Erträge generiert und im Hypothekargeschäft wiederum Marktanteile gewonnen, wie es an der Bilanzmedienkonferenz hiess. «Was uns aber wehtut», sagte Raiffeisen-Chef Patrik Gisel, sei die Wertberichtigung von 69 Millionen Franken auf die Beteiligung am Fintech-Unternehmen Leonteq. Die Beteiligung einen neuen Rekordgewinn vereitelt.

Handkehrum entstand ein ausserordentlicher Ertrag von 64 Millionen Franken aus dem Verkauf der Vermögensverwaltungsfirma Vescore an Vontobel. Doch alles in allem kam es dazu, dass der Geschäftserfolg (–9,4 Prozent) und der Gruppengewinn (–6,6 Prozent) im vergangenen Jahr gesunken sind.

Im Hypothekenmarkt weiter expandiert

Aus zwei Gründen verbreiteten Gisel und Finanzchef Marcel Zoller gestern am Hauptsitz in St. Gallen dennoch Zuversicht. Die 754 Millionen Franken Gruppengewinn sind immerhin noch der dritthöchste Gewinn in der Raiffeisen-Geschichte. Ausserdem werde sich Leonteq wieder erholen, zeigte sich die Raiffeisen-Spitze überzeugt – allerdings dauere es wohl noch ein bis zwei Jahre, bis der «Turnaround» komme. Der Abschreiber von 69 Millionen Franken verharrt damit vorerst als Buchverlust in der Rechnung. Im Idealfall schaut später dann doch noch ein Gewinn heraus.

Besonders erfreulich entwickelt hat sich laut Gisel das Bilanzgeschäft. Sowohl die Hypothekarforderungen als auch die Kundeneinlagen seien deutlich und über dem Markt gewachsen. Im Hypothekargeschäft hat Raiffeisen die Forderungen ein weiteres Mal ausgebaut – von 158,6 auf 165,4 Milliarden Franken. Der Marktanteil von Raiffeisen beträgt nun 17,2 Prozent.

Abstand genommen hat Raiffeisen bekanntlich von der Idee, die Hypothekenvergabe zu lockern: Vor allem jungen Familien hätte vermehrt ein Eigenheim ermöglicht werden sollen. Risiken durch die grosszügigeren Regeln wollte die Bank kontrollieren, indem sie beispielsweise einen Schuldenabbau vereinbart hätte. Die Finanzmarktaufsicht Finma äusserte jedoch Bedenken zu den Plänen (siehe Kommentar rechts).

Das hat Raiffeisen grundsätzlich akzeptiert. In Ausnahmefällen will die Bank jedoch die Hypotheken flexibel vergeben, wie Gisel gestern sagte. Solche Einzelfälle sind in der Branche durchaus vorgesehen und als «exceptions to policy» (ETP) bekannt. Weil Raiffeisen den eigenen Angaben zufolge diese Möglichkeit bisher eher wenig beanspruchte, bestehe hier im Vergleich zu anderen Banken noch Spielraum. Neu organisieren und umbauen ist ein Thema, das Raiffeisen derzeit auf verschiedenen Ebenen beschäftigt.

Wechsel auf neue Informatikplattform im 2018

Im vergangenen Jahr stand die Privatbankentochter Notenstein La Roche im Fokus. Sie steigerte zwar ihren Geschäftsertrag von 172 auf 176,5 Millionen Franken und steuerte einen Gewinnbeitrag von 17,6 Millionen Franken zum Gruppenergebnis bei. Insgesamt schloss sie aber unter den Erwartungen ab. Prozesse und Strukturen werden daher verschlankt und die Produktpalette überarbeitet. Unter hohem Zeitdruck voran schreiten die technologischen Vorarbeiten zum neuen Kernbankensystem. 2018 sollen dann die Raiffeisenbanken phasenweise auf die neue Informatikplattform wechseln – und neue Möglichkeiten in der Digitalisierung nutzen (siehe auch Zweittext). Fürs laufende Jahr 2017 rechnet Raiffeisen trotz zunehmendem Wettbewerb und Margendruck mit einem leicht höheren Ertragswachstum und einem höheren operativen Ergebnis.

Lokale Banken pflegen lokale App

Digitalisierung Raiffeisen lanciert voraussichtlich in der zweiten Aprilhälfte eine neue App, die dem Nutzer «einen lokalisierten Newsstream zur Verfügung stellen» werde, wie eine Sprecherin der Bank auf Anfrage sagt. Die dreisprachige App namens «Piazza» wird kostenlos sein und für Apples iOS sowie kurz danach für Android zur Verfügung stehen. «Raiffeisen verfügt über sehr reichhaltige regionale und lokale Inhalte. Die Piazza-App soll die lokale Verankerung von Raiffeisen auch digital und damit die Kundennähe unterstreichen», erklärt die Bank. Die Vermarktung der App erfolgt durch die lokalen Raiffeisenbanken selbst, denn «nur dort, wo die Banken aktiv Inhalte pflegen, wird die App für den Nutzer auch spannend sein»,
erklärt die Bank.

Jede Raiffeisenbank entscheide über Umfang und Art der Inhalte. Dem Nutzer werden in der App individuell konfigurierbare und laut der Bank «lokal relevante Inhalte» angezeigt. Die Quellen des Newsstreams werden in einem ersten Schritt diverse Plattformen von Raiffeisen selbst sein, welche mit einem Algorithmus in den Newsstream aufbereitet werden.
Die Bank betont, dass in der App keine eigentlichen News von Medienanbietern angezeigt werden sollen. Auch Werbung soll es keine geben. Im Verlauf des Jahres soll die App weiter ausgebaut werden.

mim

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