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Gisels Poker ist aufgegangen

Der angezählte Raiffeisen-Chef Patrik Gisel kann mit dem Verkauf von Notenstein einen dringend benötigten Erfolg verbuchen. Er spielte die Konkurrenz unter den hungrigen Schweizer Vermögensverwaltungsbanken geschickt aus.
Daniel Zulauf
Raiffeisen-Chef Patrik Gisel. (Bild: Ralph Ribi/Tagblatt)

Raiffeisen-Chef Patrik Gisel. (Bild: Ralph Ribi/Tagblatt)

Augen zu und durch. Für Raiffeisen-Boss Patrik Gisel ging es in den jüngsten Begegnungen mit Journalisten nur noch um Schadensbegrenzung. An der Bilanzpressekonferenz von Ende Februar brauchte der Hypersportler seine ganze Kondition, um im Hagel der misstrauischen Fragen nicht die Fassung zu verlieren. Was wusste der langjährige Vize von den verdeckten Geschäften seines früheren Chefs Pierin Vincenz? Warum unterliess er es, dessen heimlichtuerisches Verhalten früher und strenger zu hinterfragen? Die Affäre Vincenz hat Gisel arg in die Defensive gedrängt. Der Verwaltungsrat steht ihm zwar nach Kräften zur Seite. Aber der Vertrauensbonus gilt nur unter dem Vorbehalt, dass die laufende interne Untersuchung keine neuen, belastenden Erkenntnisse ans Tageslicht bringt.

Gisel lebt in einer Art Schwebezustand. Umso mehr genoss er den Moment, als er am Donnerstag endlich wieder einmal festen Boden unter die Füsse bekam. In Zürich gab er den Verkauf der Notenstein La Roche Privatbank an die Bank Vontobel bekannt. Er freue sich, für einmal «mit geschäftlichen Inhalten» vor die Medien treten und über das Bankgeschäft reden zu dürfen, sagte er mit scherzhaftem, aber durchaus ernst gemeintem Unterton. Gewiss lässt sich der Notenstein-Verkauf als finales Eingeständnis einer fehlgeleiteten Expansionsstrategie interpretieren. Doch für Gisel ist das Geschäft trotz allem ein Erfolg. Die rote Linie waren jene 577 Millionen Franken, die Vincenz 2012 für den Erwerb des Schweizer Geschäfts der ehemaligen Bank Wegelin auf den Tisch gelegt hatte. Ein Erlös unter dieser Schwelle hätte dem Rückhalt des CEO in der Genossenschaft mit Sicherheit schwer geschadet.

Raiffeisen-Chef erkennt Zugzwang

Aber Gisel löste 700 Millionen Franken. Ein Investment-Banker, der sich mit etlichen Privatbank-Übernahmen auseinandergesetzt hat, spricht hinter vorgehaltener Hand von einem «sehr hohen Preis». In der Tat: Der Preis entspricht einem Faktor 30 des zuletzt ausgewiesenen Jahresgewinns von 23 Millionen Franken. Die nach dem gleichen Muster gerechnete Bewertung der Bank Vontobel liegt ein Drittel tiefer. Der Genossenschaftsbanker habe seinen Part im Poker um Notenstein auch ziemlich clever durchgespielt, wird ihm von eingeweihter Seite attestiert. Gisel wusste offensichtlich, mit welchen Adressen ein preistreibender Verkaufsprozess zu bewerkstelligen war. Aus zuverlässiger Quelle war zu erfahren, dass die notorisch akquisitionshungrige Julius Bär und die ebenfalls im Dauer-Expansionsmodus agierende liechtensteinische LGT Offerten unterbreitet haben. Beide Banken wollten die Information auf Anfrage nicht kommentieren. Genannt wurde von der gleichen verlässlichen Quelle auch die Union Bancaire Privée (UBP). Die Genfer dementieren, «am Verhandlungstisch» mit Raiffeisen gesessen zu haben.

Während der Kauf von Notenstein für diese drei Adressen eher eine nette Gelegenheit gewesen wäre, stand Vontobel-Chef Zeno Staub unter Erfolgszwang. In den sieben Jahren seit der Ostschweizer bei der Bank das Zepter führt, ist diese im Private Banking viel weniger vorangekommen als ihre Mitbewerber. Zwar hat die Masse der verwalteten Kundenvermögen seit 2011 auch bei Vontobel um 70 Prozent zugenommen. Doch mit einem Volumen von 46 Milliarden Franken ist die Bank ein Winzling, verglichen mit Julius Bär (400 Milliarden Franken), LGT (200 Milliarden Franken) oder UBP (125 Milliarden Franken). Staub habe Kaufgelegenheiten in der Vergangenheit «überkomplex analysiert» und am Ende fast immer den Kürzeren gezogen, sagt ein Brancheninsider. Das ist, wie wenn ein Kunde Monat für Monat in der Boutique aufkreuzt, um sich dort umzusehen. Irgendwann verliert der Verkäufer das Interesse an diesem Kunden, wenn es nie zum Abschluss kommt. An diesem Punkt sei auch Staub angelangt. Es ging also um seine Glaubwürdigkeit im Übernahmemarkt.

Gisel scheint um die Not seines «Kunden» gewusst zu haben. Er hat für sich das Beste daraus gemacht. Vontobel wird bei Notenstein kräftig an der Kostenschraube drehen müssen, damit sich die Akquisition rechnet. Vielen der über 300 Angestellten dürfte dies die Stelle kosten. Gleichzeitig muss er die Kunden bei der Stange halten.

«Willkommen bei Vontobel» – die Charmeoffensive ist mit einem via Zeitungsinserat veröffentlichten Brief am Wochenende bereits gestartet.

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