Parkplatz-App
Glättli: «Es wird sicher nicht weniger Stau geben wegen dieser App»

Was unter Autofahrern als gute Idee ankommt, findet der Grüne Balthasar Glättli weniger toll. Vom Parku-App verspricht er sie sich mehr, statt weniger Stau und fordert deshalb eine «gesamtheitliche Parkplatzdiskussion».

Daniel Fuchs
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Die Smartphone-App des deutsch-schweizerischen Start-Ups Parku verspricht eine schnelle und einfache Suche und Reservation von Parkplätzen in den Städten Zürich, Basel und Bern. Demnächst soll das Angebot nach St. Gallen, Luzern und Genf ausgeweitet werden. Der Clou: Es sind nicht öffentliche Parkplätze, auf welche die App verweist, sondern solche von Privaten, typischerweise Gewerbetreibenden. Wenn der Parkplatzvermieter diesen selber nicht benötigt, kann er ihn als frei über die Website oder die Smartphone-App von Parku eintragen.

In Zürich sind es derzeit 175 Privat-Parkplätze viele davon an bester Lage. Der Preis variiert zwischen 2 und 3 Franken pro Stunde. In Basel und Bern sind es noch bedeutend weniger Parkplätze. Dort kosten sie im Schnitt auch einen Franken weniger.

Faktische Verkehrszunahme befürchtet

Dank des schnelleren Findens von Parkplätzen mit Hilfe der App verspricht sich Parku-Sprecher Ertan Wittwer weniger Stau. Knapp 30 Prozent des Staus würde an Samstagnachmittagen in der Zürcher Innenstadt durch Automobilisten verursacht, die einen freien Parkplatz suchten. Zu diesem Ergebnis komme eine Studie, auf die Wittwer verweist.

Balthasar Glättli von den Grünen

Balthasar Glättli von den Grünen

Keystone

Davon hält Balthasar Glättli, Stadtzürcher Nationalrat der Grünen, nichts. «Es wird sicher nicht weniger Stau geben wegen dieser App», sagt er zur «Nordwestschweiz». Er bezweifelt, dass der durch die Parkplatzsuche verursachte Verkehr einen beträchtlichen Einfluss auf die Verkehrssituation in der Stadt Zürich hat. Für Glättli ist klar: «Weniger Stau – es ist das Standardargument jener, die mehr Parkplätze fordern.»

Glättli befürchtet sogar eine Verkehrszunahme: «Wird die Bewirtschaftung der privaten Parkplätze optimiert, dann führt das faktisch zu mehr Parkplätzen.» Mehr Parkplätze aber würden ein falsches Signal aussenden. Anreize schwindeten damit, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Die einfache Rechnung des Nationalrats: Mehr Parkplätze bedeuten auch mehr Autos in der Zürcher Innenstadt.

Öffentliche Parkplätze auflösen

Glättli fordert deshalb eine «gesamtheitliche Parkplatzdiskussion». Sprich: Steigt wegen Parku faktisch die Parkplatzzahl, so braucht es weniger öffentliche Parkplätze. Andernfalls würde städtische Verkehrspolitik torpediert.