Glencore bereitet den Kohleausstieg vor

Wegen milliardenschwerer Abschreibungen beendet Glencore das Jahr 2019 mit einem Verlust. Und nennt ambitionierte Klimaziele.

Christopher Gilb
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Der Kohlehafen im australischen Newcastle. Glencore ist der grösste Kohleförderer in Australien.

Der Kohlehafen im australischen Newcastle. Glencore ist der grösste Kohleförderer in Australien.

Brendon Thorne/Bloomberg

Glencore ist einer der letzten Rohstoffkonzerne, die voll auf den Energieträger Kohle setzen. Doch die Grenzen des Geschäfts mit dem für seine hohen Treibhausgasemissionen berüchtigten Brennstoff werden auch in Zug immer enger gezogen. Schon vor zwei Jahren hatte sich Glencore eine Förderlimite von 150 Millionen Tonnen gesetzt, die sowohl 2018 wie auch im vergangenen Jahr unterschritten wurde. Und Glencore-Chef Ivan Glasenberg machte am Dienstag anlässlich der Präsentation der Jahresergebnisse deutlich, dass der Konzern seine längerfristige Zukunft nicht mehr in der Kohleförderung sieht.

Bis 2035 will das Unternehmen mit Sitz in Baar die aus der Verwendung seiner Produkte entstehenden Treibhausgasemissionen um 30 Prozent senken. Glencore sei der erste Rohstoffkonzern, der sich ein solches Ziel setze, betonte Glasenberg. Und dieses hat vor allem Folgen für die Kohleproduktion, die 2019 noch bei knapp 140 Millionen Tonnen lag. Der weltgrösste privatwirtschaftliche Kohleproduzent wird seine Aktivitäten schrittweise reduzieren und die Förderkapazitäten seiner Minen in Kolumbien, die auf das Ende ihres Lebenszyklus zugehen, nicht mehr ersetzen. Damit trägt Glencore der Forderung einer wachsenden Zahl von Grossinvestoren Rechnung. Der norwegische Staatsfonds hat Kohleproduzenten schon vor einigen Jahren aus seinem Anlageuniversum ausgeschlossen. Blackrock, der drittgrösste Glencore-Aktionär (5,8%), hatte sich im Januar ebenfalls eine Limite für Kohleinvestments auferlegt. Mit einem Umsatzanteil des klimaschädlichen Brennstoffes von 25Prozent liegt diese zwar weit über der entsprechenden Marke von Glencore (6%). Doch betrachtet man nur das Bergbaugeschäft von Glencore (ohne Handel), fielen auch die Zuger in die Beschränkung.

Es scheint der Anfang von Glencores Ausstieg aus der Kohleförderung zu sein. Oder mindestens der Anfang eines Strategiewechsels, denn was Glasenberg mindestens nicht dementierte, war, ob es auch Überlegungen gebe, das Kohlegeschäft abzuspalten, um Investoren so die Wahl zu lassen.

Potenzielle Nachfolger bringen sich in Position

Insgesamt resultierte 2019 ein Verlust von 404 Millionen Dollar, der auf hohe Abschreibungen in Höhe von 2,8 Milliarden Dollar zurückzuführen ist. 2018 hatte Glencore noch einen Gewinn von 3,4 Milliarden Dollar erzielt. Für die Milliardenabschreibungen nannte Glasenberg die gestiegene Konkurrenz durch Gas, das der kolumbianischen Kohle in ihren Hauptabsatzmärkten in Europa Umsatz abspenstig gemacht habe. Zudem habe man im Tschad eine ungenutzte Förderlizenz für Erdöl abgeschrieben. Offen bleibt vorerst die Frage um Glasenbergs Nachfolger. Dieser hatte im Dezember seinen baldigen Rücktritt angekündigt. Als heisseste Favoriten gelten der aktuelle Chef des Kohlegeschäfts, der Südafrikaner Gary Nagle, und Nickel-Chef Kenny Ives. Vor dem CEO-Wechsel gelte es den Generationenübergang im Management zu bewältigen, sagte Glasenberg. Kürzlich wurde etwa bekannt, dass Colin Glasenberg, der Neffe von CEO Ivan Glasenberg, zum Leiter der Produktionsbeteiligungen im Erdölgeschäft des Rohstoffkonzerns aufsteigt.

Gefragt wurde Glasenberg auch, wie er zur Konzernverantwortungsinitiative steht, die 2020 zur Abstimmung kommen könnte. Bei Annahme müssen Konzerne mit Sitz in der Schweiz damit rechnen, auch hier für Verfehlungen in anderen Ländern vor Gericht gestellt zu werden. Glencore werde das Resultat der Abstimmung abwarten, sagte er. Eine Verlegung des Hauptsitzes stünde nicht zur Diskussion. «Wir sind seit vielen Jahren in Baar und habe keine Absicht zu gehen», sagte Glasenberg.

Bei den Investoren kamen die Nachrichten zum abgelaufenen Geschäftsjahr nicht gut an. Zwar sollen die Aktionäre trotz des Verlustes wie bereits 2018 eine Dividende von 20 US-Cent je Aktie erhalten. An der Londoner Börse fiel der Aktienkurs aber um über 3 Prozent auf unter 230 Pence. Glencore hat einen Börsenwert von umgerechnet rund 38 Milliarden Franken.