Glencore-Chef Ivan Glasenberg will nächstes Jahr abtreten

In der Leitung des Baarer Bergbau- und Rohstoffhandelkonzerns geht die dritte Generation in Rente.

Daniel Zulauf
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Glencore-CEO Ivan Glasenberg.

Glencore-CEO Ivan Glasenberg.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 2. Mai 2018)

«Ich will dieses Unternehmen nicht als alter Mann führen», sagte Glencore-CEO Ivan Glasenberg am Dienstag am Hauptsitz in Baar auf einer Investorenkonferenz. Der gebürtige Südafrikaner und Wahlzürcher wird am 7. Januar 63. Jetzt steht er kurz vor dem Übergang in die Rente. Er gehe davon aus, den Namen seines Nachfolgers schon im kommenden Jahr bekannt geben zu können, sagte er.

Glasenberg ist ein Urgestein des Bergbau- und Rohstoffhandelkonzerns. Der Manager, der sich in Johannesburg zum Buchhalter ausbilden liess, heuerte 1984 in seiner früheren Heimat Johannesburg als Kohlehändler an. Damals trug Glencore noch den Namen des Firmengründers Marc Rich und war ein reines Trading-Haus. In den darauf folgenden Jahren und Jahrzehnten transformierte sich der Konzern zusehends zum Rohstoffproduzenten. Glasenberg erhielt schon bald die Gesamtverantwortung für das Kohlegeschäft und erwarb in den 1990er-Jahren zu billigsten Preisen reihenweise Bergwerke in Australien und Südafrika.

Xstrata-Deal katapultierte ihn auf den CEO-Sessel

2002 verkaufte Glencore diese Minen mit einem Gewinn von 2,5 Milliarden Dollar an die britische Minengesellschaft Xstrata. Es war wohl nicht zuletzt dieser Deal, dem Glasenberg seine unmittelbar danach erfolgte Beförderung zum CEO verdankte. 2011 brachte er das verschwiegene Unternehmen in London an die Börse. Bald darauf wurde klar, weshalb: 2012 kam es zur Hochzeit zwischen Glencore und Xstrata. Durch die Megafusion avancierte Glasenberg zum Chef eines der grössten Bergbaukonzerne der Welt. An diesem Konzern hält Glasenberg persönlich einen Aktienanteil von 8,7 Prozent. Zum aktuellen Börsenkurs weist dieser einen Wert von umgerechnet rund 3,5 Milliarden Franken auf. Mit ihrem Chef sind viele ehemalige Marc-Rich-Trader Millionäre oder gar Milliardäre geworden.

Jetzt stehe das Unternehmen vor einem Generationenwechsel, sagte Glasenberg. Die neue Mannschaft übernimmt ein florierendes Unternehmen. Die prekäre Verschuldungssituation im Nachgang der Fusion, die mit einem heftigen Einbruch der Rohstoffpreise zusammenfiel und den Konzern 2015 in arge Schieflage gebracht hatte, ist bereinigt. 2019 wird der Konzern voraussichtlich einen Betriebsgewinn (Ebitda) von über 12 Milliarden Dollar einspielen. Doch wirklich zufrieden sind die Investoren trotzdem nicht. Die Fördermengen von Kohle, Kupfer und Kobalt werden weiter zurückgefahren. Es mache wenig Sinn, die Rohstoffe aus dem Boden zu holen, wenn sie keinen Wert für die Aktionäre generierten, begründete Glasenberg die Politik. Im Zuge der Ankündigung verloren die Aktien am Dienstag 3,7 Prozent an Wert.

Geschäft mit schwarzem Gold wird schwieriger

In der Zukunft liegen viele Ungewissheiten. Eine Untersuchung der US-Justizbehörden in verschiedenen mutmasslichen Korruptionsfällen im Kongo, in Nigeria und in Venezuela hängt wie ein Damoklesschwert über Glencore. Auch das Geschäftsmodell ist weniger solid, als es Glasenberg gerne darstellt. Mit einer Jahresproduktion von rund 130 Millionen Tonnen ist Glencore der grösste privatwirtschaftliche Kohleförderer weltweit. Nur die staatlich kontrollierten Minenbetreiber in China und Indien sind noch grösser. Viele Glencore-Konkurrenten haben sich mit Blick auf die globale Klimapolitik aus dem Geschäft verabschiedet.

Glasenberg räumt ein, dass das Geschäft mit dem schwarzen Gold schwieriger geworden sei. Doch der Manager wäre kein guter Trader, wenn er darin nicht auch eine Chance sähe. Kohle werde noch viele Jahre lang ein wesentlicher Bestandteil des globalen Energiemixes bleiben, sagt er. Es wird sich zeigen, ob auch sein Nachfolger zum gleichen Schluss kommen wird.

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Livio Brandenberg