Goldschmied
Goldige Geschäfte in der Uhrenstadt

Bei Maegli und Leuenberger bahnt sich das Weihnachtsgeschäft an. Dabei ist Gold hoch im Kurs. Aber es dürfen auch Perlen, edle Steine oder glitzernde Diamanten sein. Ein Blick hinter den Ladentisch und in die Goldschmiede.

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Goldschmuck

Goldschmuck

Oliver Menge

Brigit Leuenberger

«Als das UBS-Debakel seinen Höhepunkt erreicht hat, kamen Leute zu uns ins Geschäft, die ihr Geld bei der Bankfiliale nebenan soeben bar abgehoben hatten», erzählt Simone Maegli, und ihre Schwester Gabrielle fügt hinzu: «Sie wollten für ihr Geld etwas Schönes, etwas Reales, an dem sie Freude haben konnten.» Und bei Maeglis gibt es allerhand Schönes.

«Diamantschmuck ist eine unserer Spezialitäten.» Dass es sich dabei nicht um Blutdiamanten handle, betonen die Geschäftsinhaberinnen. Auch im Verkauf von Perlen sehen sie eine ihrer Stärken. «Viele Frauen kaufen Perlen lieber bei einer Frau», weiss Simone Maegli und lächelt geheimnisvoll. «Perlen sind nämlich etwas sehr Weibliches.»

«Die Leute hatten Geld»

Die Maegli-Schwestern haben ihr Geschäft am Marktplatz von ihren Eltern übernommen. 1960 zogen diese von Olten nach Grenchen, weil dieses Ladenlokal zu guten Konditionen zu mieten war. «Grenchen war in den 60er-Jahren eine aufstrebende Stadt. Es gab nichts Besseres, als in die Uhrenstadt zu ziehen», weiss Gabrielle Maegli.

Nur wenig später eröffnete der damals 25-jährige Goldschmied Ruedi Leuenberger sein Geschäft an der Bettlachstrasse. «Morgens und abends wälzte sich eine riesige Menschenmasse von den Bahnhöfen zu den Uhrenfabriken und umgekehrt. Die Menschen liefen zu sechst nebeneinander auf dem Trottoir. Beim ‹Commerce› musste man bis 10 Uhr reservieren, damit man dort über Mittag einen Tisch hatte. Und samstags stand jedes Mal eine Menschenschlange vor meinem Geschäft, wenn ich die Türe öffnete. Die Leute hatten Geld, das kann man sich kaum vorstellen», so Leuenberger.

Heute ist er 72. Sein Sohn Oliver, ebenfalls gelernter Goldschmied, hat die Geschäfte weitgehend übernommen. «Ich bin lieber in der Werkstatt tätig», sagt Ruedi Leuenberger. Dort beschäftigt er sich mit seinen Mineralienbildern, einer ungewöhnlichen Kombination aus Edelsteinen, Blattgold und Airbrush. «Ich könnte viel mehr davon verkaufen, als ich machen kann», sagt er und dies, obwohl seine Werke stattliche Preise im bis zu fünfstelligen Bereich haben.

«Ich war immer ehrlich»

Den goldigen 60ern trauert Leuenberger nicht nach. In über 40 Jahren habe er sich eine treue Stammkundschaft erworben. «Ich war immer ehrlich, habe nie geschummelt. Das hat sich ausgezahlt. Heute überlassen mir Leute ihre teuersten Schmuckstücke zur Reparatur, ohne dafür auch nur eine Quittung zu fordern.» Sohn und Vater arbeiten «glänzend» zusammen, wie beide erklären. Von der Krise würden sie nichts spüren. «Obwohl es schon

eine Krise geben muss, denn beispielsweise der Fasser, mit dem wir eng zusammenarbeiten, hat kaum Arbeit», weiss Oliver Leuenberger. «Die Uhrenbranche läuft schlecht», bemerkt sein Vater. «Aber wir arbeiten gut.»

Keine Konkurrenz

Leuenbergers Haupteinnahmequelle seien Einzelanfertigungen. 70 Prozent ihrer Kundinnen und Kunden sind Auswärtige, verteilt auf die ganze Schweiz. Und da diese schon mal Schmuckstücke im Wert von 10 000 Franken oder mehr anfertigen lassen würden, fährt Oliver Leuenberger bei ihnen oft persönlich vorbei, um Skizzen oder ein erstes Muster in Silber vorzuweisen.

Zwischen Maeglis und Leuenbergers bestehe keine Konkurrenz, wie beide Seiten erklären. «Wir sind sehr froh, gibt es die Bijouterie. So können wir Kunden an diese weiterleiten, wenn wir ihre Wünsche nicht erfüllen können», erklärt Ruedi Leuenberger, und Gabrielle Maegli sagt ihrerseits: «Für Einzelanfertigungen schicken wir die Leute zum Goldschmied.»

Hochgesicherte Räume

Vom hohen Goldpreis profitieren sie derzeit beide. Oliver Leuenberger zeigt eine vollgestopfte Büchse. Goldschmuck in Hülle und Fülle, Ketten, Ringe, Uhren. «Wir bekommen täglich Altgold angeboten. Manche bringen sogar ihr Goldzähne.» Je nach Kurs gibt es für 100 Gramm Gold zwischen 1700 und 2000 Franken.

Wo aber so viel Gold, Diamanten und Geld lagern, sind vielleicht auch Diebe nicht allzu fern. «Wir fürchten uns nicht», sagt Ruedi Leuenberger. «Die Alarmanlage reagiere auf kleinste Bewegungen. Der Tresor könne weder geöffnet noch weggenommen werden.» Auch die Maegli-Schwestern haben hochgesicherte Geschäftsräume. «Damit leben wir. Das gehört halt einfach dazu», sagt Simone Maegli.