Google will Gaming revolutionieren

Der Tech-Gigant steigt ins Gaming-Geschäft ein: Google stellte am Mittwoch seinen neuen Streamingdienst Stadia vor, bei dem Games auf Servern im Netz statt auf Konsolen laufen. Viele Fragen blieben aber noch unbeantwortet.

Federico Gagliano
Drucken
Teilen
Google-Vizepräsident Phil Harrison präsentierte am Dienstag den Stadia-Controller in San Francisco. (Bild: Justin Sullivan/Getty)

Google-Vizepräsident Phil Harrison präsentierte am Dienstag den Stadia-Controller in San Francisco. (Bild: Justin Sullivan/Getty)

Seit Anfang Woche hat in San Francisco die Game Developers Conference (GDC) ihre Pforten geöffnet. Die jährliche Veranstaltung gilt als Treffpunkt für Videospielentwickler aus aller Welt. Am Mittwoch richteten sich aber nicht nur die Augen der Game-Industrie auf die Veranstaltung: Google hatte vergangene Woche angekündigt, seine Pläne im Gaming­bereich dort präsentieren zu wollen.

Bereits im Vornherein häuften sich die Gerüchte, Google wolle eine Streaming-Plattform für Videospiele lancieren. Diese bewahrheiteten sich am Mittwoch: In einer rund einstündigen Pressekonferenz wurde der Streaming-Dienst Stadia präsentiert, welcher noch dieses Jahr online gehen soll. Die Plattform ermöglicht es, Spiele auf Googles Servern laufen zu lassen und direkt auf verschiedene Geräte der Nutzer zu übertragen: sei es am Laptop, Smartphone oder direkt am Fernseher. Die Leistungsfähigkeit des Geräts spielt dabei keine Rolle. Die Wiedergabequalität ist einzig vom Bildschirmtyp abhängig. Die Spiele werden in hoher 4K-Bildauflösung verfügbar sein, zu einem späteren Zeitpunkt soll das noch schärfere 8K folgen.

Kampfansage an zwei Fronten

Da keine Hardware nötig ist, sollen Nutzer ihre Spiele möglichst simpel und ohne Wartezeiten abrufen können. Downloads und Updates sollen der Vergangenheit angehören. Auf PC und Smartphones soll man die Controller dafür verwenden können, die man bereits besitzt. Für das Gamen am Fernseher präsentierte Google  einen eigenen Controller. Das Design ähnelt denjenigen der Konkurrenz, neu sind zwei Knöpfe mit besonderen Funktionen: Einer aktiviert Googles Sprachassistent, der Spielern mit Tipps hilft, sollten sie im Game nicht weiterkommen. Der andere überträgt Spieleaufnahmen direkt auf Youtube. Googles Videoplattform soll nämlich eine zentrale Rolle einnehmen: Ziel sei es, dass man beim Zuschauen eines Spielers direkt ins gleiche Spiel einsteigen kann. Auch Speicherstände sollen austauschbar sein.

Bâloise will Gamer versichern

sda Bâloise setzt auf das Wachstumsgeschäft mit Versicherungen für E-Gamer. Dazu geht der Versicherungskonzern mit dem Start-up Insurninja eine Kooperation ein. Das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf ist spezialisiert auf Versicherungen rund um E-Sports, Gaming und digitales Entertainment. Angaben zur Art der Kooperation oder finanzielle Details wurden keine gemacht. Mit der Partnerschaft will die Bâloise ihr Angebot in diesem Wachstumsmarkt ausweiten. Insurninja bietet etwa Versicherungen für die technische Ausrüstung an. Konsolen, Computer oder Handys können gegen Schäden, Verlust oder Diebstahl versichert werden. Auch Versicherungen für die Internetnutzung an sich, zum Beispiel für Bestellungen und Zahlungsvorgänge, können abgeschlossen werden.

Daher rührt auch der Name Stadia, die Mehrzahl von Stadium: Die Plattform soll Zuschauen und Spielen vereinen. Damit greift Google gleich mehrere Konkurrenten an: einerseits Amazon mit seiner Livestreaming-Plattform Twitch, die monatlich rund 140 Millionen Zuschauer verzeichnet (Stand 2018). Andererseits auch die beiden Konsolenhersteller Sony und Microsoft. Deren aktuellste Konsolen, Playstation 4 und Xbox One, wurden als die «vorherige Generation von Konsolen» bezeichnet. Ein kleiner Seitenhieb, der zugleich als Kampfansage verstanden werden kann: Es ist nämlich bereits bekannt, dass Sony und Microsoft in Zukunft ebenfalls auf Streaming setzen wollen. Sonys Dienst, Playstation Now, startete Anfang letztes Jahr auch in der Schweiz. Microsoft kündigte an, noch dieses Jahr einen Probedienst zu starten, der neben Xbox-Konsolen auch auf PC und Mobile-Geräten funktionieren soll. Ausserdem wird spekuliert, dass die nächsten Konsolen der beiden Videospielunternehmen, welche wohl noch dieses Jahr enthüllt werden sollen, eine Streaming-Komponente beinhalten werden.

Preismodell noch unbekannt

Googles Ansage «Die Zukunft des Gamings ist da» überzeugte am Mittwoch aber nur wenige. Dafür liess der Tech-Gigant zu viele Fragen offen. Das Geschäftsmodell blieb etwa unerwähnt. Handelt es sich um ein Abo, oder werden die Spiele einzeln bezahlt? Auch die Spieleauswahl wirkte etwas dünn. Google gab bekannt, ein eigenes Entwicklungsstudio gegründet zu haben. Als einziger externer Partner wurde der französische Spieleentwickler und ­Publisher Ubisoft erwähnt. Zusätzlich ist noch nicht klar, was für eine Internetverbindung nötig ist, um die Spiele flüssig spielen zu können. In einem Interview mit dem Videospielmagazin «Kotaku» sagte Stadia-Vizepräsident Phil Harrison, mindestens 25 Megabits pro Sekunde würden reichen – die Geschwindigkeiten des Mindestabos von Schweizer Internetanbietern liegen bei über 50 Megabites. Gerade bei Spielen, in denen die Verzögerungszeit zwischen Eingabe und Ausführung entscheidend ist, muss Stadia beweisen, dass der Dienst mit Konsolen mithalten kann.