US-Gesundheitssystem
Gottlieb: «Hatte noch nie ein Problem, meine ungeschminkte Meinung zu äussern»

Scott Gottlieb soll neu die Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) führen. Demokraten befürchten, er werde nach der Pfeife der Industrie und des Weissen Hauses tanzen

Renzo Ruf, Washington
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Scott Gottlieb. Reuters

Scott Gottlieb. Reuters

© Chip East / Reuters

Scott Gottlieb versteht sein Fach, keine Frage. Seit seiner Studienzeit an der damaligen Mount Sinai School of Medicine in New York City beteiligt sich der Mittvierziger oft und gerne an öffentlichen Debatten über das amerikanische Gesundheitssystem – als Kolumnist, als Angestellter bundesstaatlicher Aufsichtsbehörden, aber auch als hochrangiger Mitarbeiter innovativer Hersteller von verschreibungspflichtigen Medikamenten. «Ich hatte noch nie ein Problem damit, meine ungeschminkte Meinung zu äussern», sagte der Arzt am Mittwoch, während eines Auftritts vor dem Gesundheitsausschuss des US-Senats.

In der Tat. So verteidigte Gottlieb in der Vergangenheit als Kolumnist des Wirtschaftsmagazins «Forbes» die hohen Preise verschreibungspflichtiger Medikamente in den USA, kritisierte auf der Meinungsseite des «Wall Street Journal» die gesundheitspolitischen Pläne der damaligen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und mäkelte an Donald Trump herum.

FDA «auf Vordermann» bringen

Nun soll Gottlieb sein Fachwissen nutzen, um die Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) zu reformieren. Damit wird er im Schachspiel, das Präsident Trump mit der Pharmaindustrie spielen will, eine zentrale Rolle einnehmen – denn der Republikaner hat der amerikanischen Bevölkerung versprochen, dass er die Medikamenten-Preise senken werde. Im Gegenzug versprach Trump aber «Big Pharma», wie er die Branche nennt, den Zulassungsprozess für innovative Medikamente zu vereinfachen.

Gottlieb bekräftigte am Mittwoch, bei seinem Auftritt im Senat, dass er die FDA auf Vordermann bringen und Hürden für die Pharmaindustrie aus dem Weg räumen wolle. Er habe diesbezüglich «viele Ideen», sagte er – so sprach er darüber, dass einige Abteilungen der Zulassungsbehörde sich stärker auf «neue wissenschaftliche Studien» und «neue Kennzahlen» abstützen müssten. Ausdrücklich nannte Gottlieb dabei die FDA-Abteilung, die sich mit der Zulassung von Krebsmitteln beschäftigt.

Gleichzeitig versicherte er aber den anwesenden Senatoren, die seine Nomination bestätigen müssen, dass er sich in diesem Prozess nicht von politischen Überlegungen leiten lassen werde. Entscheidend sei, was die langjährigen Angestellten der FDA bestimmten, basierend auf der geltenden Forschungsmeinung. Er sei sich bewusst, dass die amerikanische Zulassungsbehörde weltweit eine Vorreiterrolle spiele, sagte Gottlieb.

«Weitgehende Verbindungen»

Die entsprechende Liste mit Firmen, die regelmässig im Kontakt mit der FDA stehen, umfasst rund 20 Namen. So arbeitete Gottlieb von 2013 bis 2015 als Berater für den Hersteller Vertex Pharmaceuticals und wurde dafür mit mehr als 150 000 Dollar entschädigt. Vertex besitzt in den USA die Zulassung für zwei Medikamente, die zur Behandlung einer Stoffwechselerkrankung eingesetzt werden können.

Kosten pro Jahr für die höchst innovativen Pillen: mehr als 250 000 Dollar. Gottlieb war aber auch für die Branchengiganten wie GSK tätig. Allem Anschein nach beschränkte sich Gottlieb darauf, mit heimischen Pharmaunternehmen geschäftliche Beziehungen einzugehen.