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Greater Zurich Area expandiert: Der Grossraum Zürich reicht nun bis Chiasso

Zur Stiftung Greater Zurich Area gehört neu der Kanton Tessin. Vor allem bei innovativen Technologien setzt man auf das gemeinsame Standortmarketing.
Gerhard Lob, Lugano
Ein kleiner Besucher am Eröffnungstag des Hochleistungs-Rechenzentrums der ETH Zürich in Lugano. (Bild: Gabriele Putzu/Keystone (Lugano, 17. Oktober 2015))

Ein kleiner Besucher am Eröffnungstag des Hochleistungs-Rechenzentrums der ETH Zürich in Lugano. (Bild: Gabriele Putzu/Keystone (Lugano, 17. Oktober 2015))

Der Kanton Tessin im Wirtschafts-Grossraum Zürich? Beim ersten Hinsehen verwundert dies. «Auch wir haben uns anfänglich viele Fragen gestellt», räumte die Zürcher Regierungsrätin Carmen Walker Späh als Präsidentin des Stiftungsrats der Greater Zurich Area (GZA) ein, als sie gestern in Lugano-Manno den Vertrag zur Aufnahme des Südkantons in ihre Stiftung unterzeichnete.

Doch man habe bei der Analyse des Aufnahmeantrags fest­gestellt, dass ein gemeinsames Standortmarketing für alle Partner von Vorteil sei. Eine Win-win-Situation. Die Position des italienischsprachigen Kantons Tessin auf der Nord-Süd-Achse mit der benachbarten Lombardei sei strategisch wichtig. «Dabei sind die geografischen Räume heute eher sekundär, es geht vor allem um die Erweiterung von Kompetenzen und Netzwerken», präzisierte Späh. Gemeint sind vorab die Bereiche Life Sciences, Informatik und Mechatronik. Und in dieser Hinsicht hat das Tessin trotz seiner bescheidenen Dimensionen einiges zu bieten. Erwähnt wurden etwa Forschungsstätten wie das Istituto Dalle Molle zur Erforschung der Künstlichen Intelligenz (IDSIA) in Manno oder das Forschungsinstitut für Biomedizin (IRB) in Bellinzona. Zudem befindet sich in Lugano das zur ETH Zürich gehörende Hochleistungs-Rechnungszentrum. Die Universität der italienischen Schweiz (USI) und die Fachhochschule der italienischen Schweiz (SUPSI) sind ebenfalls tragende Säulen des südlichen Wirtschafts- und Forschungsstandortes.

Laut Späh steht GZA im weltweiten Wettbewerb der Metropolitanregionen wie Singapur oder San Francisco. «Bei Anfragen von internationalen Unternehmen kann es dann schon sehr wichtig sein, wenn wir als Partner ein KI-Institut anbieten können», so die Zürcher Regierungsrätin. Die Distanzen spielten dabei weniger eine Rolle, zumal das Tessin dank des neuen Gotthard-Basistunnels auch relativ schnell erreichbar sei.

Diverse Standortförderer in der Schweiz

Für den Tessiner Finanz- und Wirtschaftsdirektor Christian Vitta (FDP) stellt der rückwirkend auf 1. Januar 2019 in Kraft getretene Beitritt zur GZA einen «historischen Moment für den Kanton» dar. «Wir werden Teil einer der dynamischsten Regionen der Welt», sagte er vor den Medien. Vitta verfolgt mit diesem Beitritt auch das Ziel, den Kanton Tessin näher an die Deutschschweiz anzubinden. Es handele sich nicht nur um einen wirtschaftlichen, sondern angesichts der Sprachbarriere auch einen kulturellen Quantensprung. «Greater Zurich Area ist ein Vorteil, weil sie uns Möglichkeiten im Standortmarketing einräumt, die wir alleine nicht hätten», betonte seinerseits Luca Albertoni, Direktor der Industrie- und Handelskammer des Kantons Tessin.

Das Tessin ist der jüngste ­Zuzug bei der GZA, die vor genau 20 Jahren, 1999, gegründet wurde. Beim Start der als Public-Private-Partnership aufgebauten Organisation waren der Kanton und die Stadt Zürich sowie Winterthur mit dabei. Ein Jahr später traten die Kantone Glarus, Graubünden und Schaffhausen bei. 2002 folgte der Kanton Solothurn, 2003 Schwyz, 2009 Zug und 2015 Uri. Der Kanton Aargau trat 2005 bei und 2010 wieder aus, um sich in Richtung Basel zu orientieren. Nun also der Kanton Tessin als neunter Partner. Ist das ein Zeichen einer aggressiven Expansionspolitik von Zürich, die bis an die italienische Grenze reicht? «Wir wollen uns auf keinen Fall aufdrängen, aber wir sind bereit, uns zu öffnen», brachte Bruno Sauter, Generaldirektor des Amtes für Wirtschaft und Arbeit in Zürich, die GZA-Politik auf den Punkt. Er erinnerte daran, dass die Initiative zu einem Beitritt, wie auch im Falle von Uri, immer von den interessierten Kantonen gekommen sei.

Innerhalb der Schweiz steht die GZA in der Westschweiz mit der 2010 gegründeten Greater Geneva Bern Area in Konkurrenz, zu der nebst den welschen Kantonen Genf, Waadt, Neuenburg, Freiburg und Wallis auch der Kanton Bern gehört. In der Nordwestschweiz ist die BaselArea.Swiss in der Standortförderung aktiv.

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