Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Green-Präsident Franz Grüter eröffnet neuen Datenbunker

Green weiht sein neustes Rechenzentrum in Lupfig ein. Es könnte den Weg ebnen, um die Schweiz zum Datenbunker Europas zu machen.
Sébastian Lavoyer
Green-Präsident Franz Grüter an der Eröffnung des Hochleistungs-Rechenzentrums. (Bild: Alex Spichale, Lupfig, 17. September 2019)

Green-Präsident Franz Grüter an der Eröffnung des Hochleistungs-Rechenzentrums. (Bild: Alex Spichale, Lupfig, 17. September 2019)

40 bis 50 Zentimeter dick sind die Aussenmauern des Gebäudes. Das neue Hochleistungs-Rechenzentrum von Green im aargauischen Lupfig hält dem möglichen Absturz eines rund sieben Tonnen schweren Flugzeugs stand, ohne dass die Rechner und die Daten im Innern in Mitleidenschaft gezogen werden, wie Verwaltungsratspräsident Franz Grüter am Dienstag sagte. Künftig sollen hier weltweit führende Cloud-Anbieter wie Google oder Amazon ihre Server platzieren. Mindestens einer hat das schon gemacht, laut Medienberichten handelt es sich um Google. Green selbst gibt keine Auskunft über seine Kunden.

Mehr als 1200 Lastwagen Beton wurden verbaut, rund 1300 Tonnen Stahl. In nur 368 Tagen haben bis zu 250 Arbeiter das Gebäude Zürich-West 3 aus dem Boden gestampft. Green hat dafür 70 Millionen Franken investiert. «Das ist ein richtiger Bunker», sagte der Eicher SVP-Nationalrat. Ein Datenbunker mit Sicherheitsvorkehrungen, die jenen eines Gefängnisses in nichts nachstehen. Acht Sicherheitsstufen muss passieren, wer ins Herz dieses Gebäudes vordringen, wer zu den Servern kommen will.

Nicht einmal Green-Leute haben Zutritt zu Servern

Bei der biometrischen Zutrittsschranke wird das Venenbild der Passanten kontrolliert. «Man kommt nur lebend rein», sagt Grüter. Kein Witz, sondern bitterer Ernst, denn Fingerabdruck-Scanner können teilweise mit abgeschnittenen Gliedmassen überlistet werden. Das ist im Datencenter in Lupfig nicht möglich. Zu den Servern der Kunden werden künftig nicht einmal die Green-Mitarbeiter Zutritt haben. Das ist die rote Zone, der Bereich, der ganz allein den Daten-Giganten gehört. Nur in absoluten Ausnahmefällen, wie bei einem Brand, gibt es eine Notöffnung. «Aus Spass wird das niemand aktivieren. Das zieht enorme Kosten nach sich», sagt Reto Meier, der Mann, der die Projektleitung für den Green-Datenbunker verantwortet. Er hat zuvor schon ähnliche Datencenter in Belgien und Singapur gebaut.

Die weltweit führenden Cloud-Anbieter ködert man aber nicht mit Sicherheit allein. Für sie zählen innere Werte. Zum Beispiel bis zu 25 Kilowatt Leistung vereint auf einem Rack, das entspricht dreieinhalb Mal der Leistung derzeit in der Schweiz üblicher Installationen. Gleichzeitig gelingt dies dank raffinierter Kühlsysteme mit einer Energieeffizienz, die Standards setzt.

«Mit diesem Neubau setzen wir in der Schweiz neue Massstäbe und bauen unsere führende Stellung aus», sagt Green-­Geschäftsführer Roger Süess. Noch vor zehn Jahren war da, wo heute die drei Green-Datengebäude stehen, nichts als eine grüne Wiese. Während Bundesrat Guy Parmelin an der Eröffnung zu den Gästen spricht, hört man das Gebimmel der Kuhglocken nebenan. Wie um alles in der Welt kommt es also, dass das wohl modernste Datenzentrum der Schweiz hier zu stehen kommt? Lupfig ist so etwas wie ein Glasfaser-Zentrum. Unter den Autobahnen A1 und A3, die in unmittelbarer Nähe verlaufen, sind wie unter den Bahngeleisen dicke Leitungen vorhanden. Denn die Daten werden in Lupfig ja nicht einfach gebunkert, es wird mit ihnen gearbeitet, man muss auf sie zugreifen, sie nutzen können.

Einst waren es die Banken, heute sind es Datencenter

Das Geschäft mit Daten ist ein Geschäft der Zukunft. «Green zeigt, dass unser Land noch immer viel Raum bietet für Spitzenleistungen und zukunftsträchtige Projekte», schwärmte Bundesrat Parmelin. Nur Irland habe mehr Datencenter pro Quadratkilometer als die Schweiz. «Dass wir Apple vor ein paar Jahren an Irland verloren haben, hat uns nur noch mehr angespornt», so der Bundesrat bei der Eröffnung.

Die Schweiz, so die Vision, soll einst zu einer Art Datenzentrum Europas werden. «Dieses Projekt ist für den Standort Schweiz enorm wichtig», sagt auch der Luzerner Ivo Furrer, ehemaliger Schweiz-Chef des Lebensversicherers Swiss Life und heute Präsident der Digital-Initiative Digital Switzerland. Was einst die Banken waren, ­sollen künftig die Datencenter sein. Hat man früher sein Geld in die Schweiz gebracht, sind es jetzt die Daten. Die Schweiz, der sichere Hafen. Dank politischer Stabilität, Rechtssicherheit und funktionierender Infra­struktur.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.