Eurokrise
Griechen lancieren jetzt ihr eigenes «iPhone»

Das Gerät verfügt über eine Sprachsteuerung auf Griechisch. Das Smartphone ist kein Einzelfall. In Griechenland setzen Konsumenten neuerdings stark auf einheimische Produkte. Das war vor der Krise ganz anders.

Ferry Bazoglou, Atthen
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«Das erste griechische Handy»: So bewirbt MLS sein iQ-Talk. HO

«Das erste griechische Handy»: So bewirbt MLS sein iQ-Talk. HO

Anfang Juli hat der griechische Auto-Navigatoren-Hersteller MLS das erste griechische Smartphone, das MLS iQTalk, lanciert. Das Gerät verfügt über eine Sprachsteuerung auf Griechisch, man braucht die gewünschte Telefonnummer nicht mehr selbst zu wählen, und bald soll das Griechen-Smartphone mit einer App ausgerüstet werden, mit der man SMS-Botschaften diktieren kann. Das Produkt ist ein Erfolg: «Wir kommen mit der Produktion kaum nach», sagt MLS-Vertriebsleiter Stathis Kyriakopoulos. Bis Ende Jahr strebe MLS einen Marktanteil von fünf Prozent an.

Das Smartphone ist kein Einzelfall: Griechen kaufen vermehrt griechische Produkte. Einer repräsentativen Umfrage der Universität Athen zufolge sind 36 Prozent der Verbraucher innerhalb der letzten zwölf Monate gezielt dazu übergegangen, griechische Produkte zu bevorzugen. Acht von zehn Befragten gaben an, künftig noch häufiger «made in Greece» kaufen zu wollen. 83 Prozent wollen damit der griechischen Wirtschaft helfen und Arbeitsplätze im eigenen Land sichern und schaffen.

Einheimisches war lange verpönt

Das war vor der Krise ganz anders. In Griechenlands Boomjahren avancierten Importprodukte zum Statussymbol. Sogar in den Supermärkten waren einheimische Produkte verpönt. Doch das hat sich radikal geändert. Um Griechenlands rezessionsgeplagte Wirtschaft zu stützen, kaufen die Hellenen gezielt immer häufiger Produkte aus dem eigenen Land. Vor allem bei frischen Lebensmitteln, Obst, Gemüse und Milchprodukten wählen die Verbraucher mittlerweile fast ausschliesslich griechische Waren. Aber auch bei Textil- und Schuhwaren.

Die griechische Presse propagiert den Konsum-Patriotismus als Heilmittel in der Krise. Die Athener Zeitung «Paron» appelliert auf Seite 1 in den Nationalfarben blau und weiss an ihre Leser: «Kaufe griechisch. Auf Deinem Tisch nur Produkte aus griechischen Händen.»

Unterdessen hat sich gar eine Bürgerbewegung formiert, die sich den Kauf griechischer Produkte auf die Fahnen geschrieben hat. Ihr Name ist Programm: «Wir verbrauchen, was wir produzieren.» Unter dem Slogan «Ich kleide mich, ich esse und reise – griechisch!» werden Fernsehspots geschaltet, Prospekte verteilt und Vorträge gehalten.

«Wie war es möglich, dass in diesem gesegneten Land mit so viel Sonne und Artenvielfalt jährlich Lebensmittel im Wert von sieben Milliarden Euro eingeführt wurden?», fragte im März der frühere Minister Nikos Skoulas. Wenn jeder der zehn Millionen Griechen in diesem Jahr einheimische Produkte im Wert von jeweils 1000 Euro kaufen würde, brächte das der griechischen Wirtschaft zehn Milliarden Euro. Bei Griechenlands Wirtschaftsleistung von 200 Milliarden Euro in diesem Jahr wäre das mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein.

Der krisengeplagte Handel macht sich den neuen Trend jedenfalls zunutze. «Preiswert und griechisch» lautet der Slogan der Supermarktkette Masoutis. Veropoulos macht Werbung mit dem Wortspiel «Veros Ellinas» – «ein echter Grieche». Die Kette Mega Electrics betont demonstrativ, dass sie griechisch ist, denn sie will sich vom deutschen Konkurrenten Media Markt unterscheiden. Vom neuen Hellas-Trend wollen aber auch ausländische Firmen profitieren. Die deutsche Discounterkette Lidl führt gezielt eine breite Auswahl griechischer Produkte im Sortiment.

Comeback für Griechenbier

Der niederländische Brauer Heineken wiederum wirbt für sein in Athen gebrautes Amstel-Bier mit dem Spruch: «Hergestellt von griechischen Händen, auf griechischem Boden, mit griechischem Getreide». Damit will der Global Player die aufstrebende griechische Konkurrenz in Schach halten. Denn die griechische Brauerei Makedonia-Thrakis hat mit ihrer Marke Vergina schon einen Marktanteil von sechs Prozent erreicht. Zudem feierte die historische Griechen-Marke Fix der Olympic-Brauerei ausgerechnet zu Beginn der verheerenden Wirtschafts- und Finanzkrise ein überaus erfolgreiches Comeback.

Der Trend zu Hellas-Produkten wirkt sich positiv auf Griechenlands Handelsbilanz-Defizit aus. Im ersten Halbjahr 2012 sank es auf sieben Milliarden Euro, ein Minus von 22,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2007 übertraf der Wert der Einfuhren den der Ausfuhren um das Dreifache – mit ein Grund für die Krise, die Hellas in seinen Grundfesten erschüttert.