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GRIECHENLAND: Anarchisten bedrohen Supermarktketten

In Athen und Thessaloniki sollen vergiftete Produkte in Läden platziert werden. Die Drohungen der Gruppe Schwarzgrüne Brandstifter rufen bei der Bevölkerung eine typisch griechische Reaktion hervor.

Schenkt man einer anarchistischen Gruppierung mit dem einprägsamen Namen «Schwarz­grüne Brandstifter» (Mavroprasini Embristes) Glauben, habe sie genau vier bekannte Markenprodukte dreier Hersteller mit lebensgefährlichen Chemikalien gespritzt. Man werde diese ­vergifteten Produkte «ab dem 20. Dezember und dem 24. Dezember in verschiedenen Supermarktketten in ganz Athen und Thessaloniki wieder in die Regale stellen».

In der erst kürzlich im griechischen Internet publizierten Proklamation kündigen die Schwarzgrünen Brandstifter die Aktion mit dem Namen «Grüne Nemesis, dritter Akt» an. Dabei wird keine Zahl der angeblich vergifteten Lebensmittel und Getränke genannt. Dafür teilen die Anarchisten aber mit, um welche betroffenen Produkte es sich dabei handle: Coca-Cola und Coca-Cola Light jeweils in der 1,5-Liter-Flasche, der Hühnerschinken des griechischen Herstellers Yfantis à 350 sowie 500 Gramm sowie Vollmilch der griechischen Firma Delta.

Anti-Terror-Behörde hat interveniert

Der Proklamation sind Fotos als Dokumentation beigefügt. Sie zeigen die jeweiligen Produkte mit Spritzen. «Um Schritt für Schritt zu zeigen, wie wir die Produkte vergiftet haben», wie die hellenische Anarchistengruppe erklärt. Die griechischen Anarchisten begründen ihre Aktion damit, dass «an Weihnachten Tausende Menschen sich von der Couch erheben werden, um die nötigen Einkäufe für den Weihnachtstisch zu tätigen». Dies mache aber «Millionen lebende Wesen zu Opfern, um die kulinarischen Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen». Daher hätten sie sich dazu entschlossen, die Produkte «zu sabotieren».

Alles nur leere Drohungen? Die griechischen Behörden reagierten jedenfalls sofort. Die griechische Lebensmittelbehörde Efet ordnete an, die genannten Produkte unverzüglich aus den Regalen aller Supermärkte in Athen und Thessaloniki zu nehmen. Der Rückruf dieser Produkte begann bereits am Dienstag. Ferner hat sich die griechische Anti-Terror-Behörde unterdessen in den Fall eingeschaltet, wie griechische Medien berichten. Schon im Vorjahr sowie 2013 hatte die gleiche Anarchistengruppe mit einer Vergiftung von Lebensmitteln gedroht. Die Täter ausfindig zu machen, ist ein eher schwieriges Unterfangen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Schwarzgrünen Brandstifter ihre Proklamation auf einer stark gesicherten Website der linksextremen Szene online gestellt haben. Daher gestaltet sich eine digitale Spurensuche schwierig. Die ominöse Öko-Anarchisten-Gruppierung der Schwarzgrünen Brandstifter dürfte aber landesweit nur aus ein paar Personen bestehen. Derartige Minigruppierungen in der traditionell sehr lebendigen Anarchistenszene in Hellas sind zahlreich, treten mit Aktionen in Erscheinung – und lösen sich wieder auf.

Anarchistengruppe geniesst Sympathien

Einen Kultstatus geniesst unterdessen die Athener Anarchistengruppe Rubikon, die zum Anarchistischen Bund gehört. Nach Informationen dieser Zeitung hat Rubikon etwa 60 Mitglieder. Ihr Markenzeichen: Blitzangriffe. Rubikon richtet in seinen Aktionen bewusst aber höchstens Sachschaden an, nie werden Personen verletzt. Insbesondere Aktionen, die gegen soziale Missstände gerichtet sind, rufen bei vielen Griechen eher Sympathie und Beifall statt Verurteilung hervor. Auch auf die Drohung der Schwarz­grünen Brandstifter reagieren die Konsumenten in Griechenland demonstrativ gelassen. Die Umsätze der Lebensmittel und Getränke in den Supermärkten der Metropolen Athen und Thessaloniki seien nicht signifikant beeinflusst worden, hoben Marktbeobachter hervor. «Solche Drohungen sind doch das kleinere Problem. Wir haben immer weniger Geld in der Tasche, um uns überhaupt einen Weihnachtstisch leisten zu können», sagte eine Kundin eines Supermarktes im Athener Vorort Vrilissia unserer Zeitung. Die chronische Griechenlandkrise lässt grüssen.

Ferry Batzoglou, Athen

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