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GRIECHENLAND: Athen will an den Markt zurück

Drei Jahre nach der letzten Bond-Emission plant Griechenland jetzt die Rückkehr an den Kapitalmarkt – eine wichtige Etappe auf dem Weg aus der Krise.
Gerd Höhler, Athen
Der Syntagma-Platz vor dem Parlamentsgebäude in Athen. (Bild: EPA)

Der Syntagma-Platz vor dem Parlamentsgebäude in Athen. (Bild: EPA)

Noch hängt Hellas am Tropf der Hilfskredite. Am Montag überwies der Euro-Stabilitätsfonds ESM eine Kreditrate von 7,7 Milliarden Euro nach Athen. Der Grossteil davon, 6,9 Milliarden, dient zur Refinanzierung fälliger Anleihen und Darlehen. Das vor zwei Jahren geschnürte dritte Rettungspaket sieht Hilfen von bis zu 86 Milliarden Euro vor. Damit ist das Land bis zum August 2018 durchfinanziert. Danach soll es sich wieder am Kapitalmarkt Geld besorgen. Rechtzeitig vor dem Ende des Programms will die staatliche Schuldenagentur PDMA demnächst den Appetit der Anleger auf neue griechische Schuldpapiere testen.

Im Gespräch ist eine fünfjährige Anleihe im Volumen von rund 2 Milliarden Euro. Sie soll einen 2014 aufgelegten Bond gleicher Laufzeit ersetzen. Mit einer solchen Emission könnte die Schuldenagentur Griechenland den Refinanzierungsbedarf für 2019 reduzieren. Er ist bisher mit rund 20 Milliarden Euro sehr hoch, verglichen mit 11,3 Milliarden im Jahr 2018.

Klar ist: Griechenland wird für frisches Geld am Kapitalmarkt zwischen 4 und 5 Prozent Zinsen zahlen müssen und damit deutlich mehr als für die Euro-Hilfskredite. Aber die Kosten der Kreditaufnahme stehen nicht im Vordergrund, zumal es sich um einen überschaubaren Betrag handeln dürfte. Es geht darum, den Marktzugang schrittweise wieder zu öffnen.

Institutionelle Anleger warnen Athen vor Eile

Marktbeobachter schliessen nicht aus, dass die Regierung noch in diesem Monat an den Markt gehen könnte. Aber institutionelle Anleger warnen, Athen dürfe jetzt nichts überstürzen. So sollte einer Emission eine Roadshow vorausgehen. Das spricht eher für einen Marktgang im Herbst, zumal sich Griechenland dann wahrscheinlich billiger refinanzieren könnte. Nachdem die Ratingagentur Moody’s Ende Juni Griechenlands Kreditwürdigkeit um eine Stufe auf Caa2 heraufgesetzt hat, wird Ende Juli ein neues Rating von Standard & Poor’s erwartet. Eine weitere Her­aufstufung könnte das Marktklima verbessern.

Die geplante Emission ist nicht Griechenlands erste Rückkehr an den Markt seit Beginn der Krise Anfang 2010. Damals verlor Athen den Marktzugang. Bereits im April 2014 testete die damalige konservative Regierung den Markt mit einer fünfjährigen Anleihe. Im Juli folgte ein dreijähriger Bond. Doch die zweite Emission brachte nur 1,5 statt geplanter 3 Milliarden Euro in die Kassen. Die Aussicht auf vorzeitige Parlamentswahlen und einen Sieg des radikalen Linksbündnisses Syriza verunsicherten die Anleger.

Solche Sorgen gibt es jetzt nicht. Die Regierung von Premier Tsipras sträubt sich zwar immer wieder gegen die Reform- und Sparauflagen, setzt sie aber, wenn auch mit ständigen Verzögerungen, letztlich um. Trotz ihrer knappen Parlamentsmehrheit von 153 der 300 Sitze gilt die regulär bis September 2019 amtierende Regierung mittlerweile als stabil. Der Wille zum Machterhalt schweisst sie zusammen. Sollte es zu vorzeitigen Wahlen kommen, wären die oppositionellen Konservativen der wahrscheinliche Sieger. Sie versprechen eine Beschleunigung der Strukturreformen. Neuwahlen wären mithin, anders als 2014, kein Schreckensszenario, sondern ein positiver Ausblick. Überdies wird Griechenland die 2015 bereitgestellten Hilfen nicht in voller Höhe benötigen. Von dem 86-Milliarden-Paket sind noch rund 30 Milliarden übrig – eine Art Sicherheitsnetz. Allerdings gibt es immer noch keine Klarheit über die seit Jahren diskutierten Schuldenerleichterungen. Das könnte die Anleger verunsichern.

Wann Tsipras den Markt mit einer Emission testet – ob schon im Juli oder erst im Herbst -, hängt von der Entwicklung der Renditen ab. Letztlich ist das auch eine politische Frage. 2014 betrug die Rendite der damals begebenen fünfjährigen Anleihe 4,95 Prozent. Tsipras möchte den geplanten Bond auf alle Fälle zu günstigeren Konditionen an den Markt bringen als sein konservativer Vorgänger Antonis Samaras vor drei Jahren. Alles andere wäre eine Blamage.

Gerd Höhler, Athen

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