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GRIECHENLAND: Athen will den Kapitalmarkt anzapfen

Im Sommer läuft das Hilfsprogramm aus. Das Land will mit einer Anleihe 3 Milliarden Euro aufnehmen. Nun rückt die Frage nach Schuldenerleichterungen ins Zentrum.
Gerd Höhler, Athen
Ein Besucher in der Eingangshalle der Athener Börse. (Bild: Yorgos Karahalis/Bloomberg (1. Februar 2017))

Ein Besucher in der Eingangshalle der Athener Börse. (Bild: Yorgos Karahalis/Bloomberg (1. Februar 2017))

Gerd Höhler, Athen

Ende August dieses Jahres soll sich Griechenland vom Tropf der Hilfskredite lösen und wieder eigenständig am Kapitalmarkt refinanzieren. Jetzt macht die staatliche Schuldenagentur PDMA den nächsten Schritt auf dem Weg zum Ausstieg aus den Hilfsprogrammen: Voraussichtlich in der kommenden Woche will das Land eine neue Anleihe am Markt platzieren.

Nachdem Griechenland bereits im Juli 2017 mit einem fünfjährigen Bond 3 Milliarden Euro am Markt hat aufnehmen können, plant Athen jetzt die Emission einer Anleihe mit siebenjähriger Laufzeit.

Risikozuschläge gehen zurück

Die Voraussetzungen sind günstig. Die Kurse der griechischen Schuldpapiere sind in den vergangenen Wochen stark gestiegen. Das signalisiert wachsendes Vertrauen der Anleger in die Entwicklung des Landes. Spiegelbildlich zu den steigenden Kursen gehen die Risikozuschläge zurück. Die Rendite der zehnjährigen griechischen Staatsanleihe fiel diese Woche auf 3,67 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit mehr als zwölf Jahren. Zum Vergleich: Auf dem letzten Höhepunkt der Krise im Sommer 2015 betrug die Rendite 15,4 Prozent.

Auch die steigende Nachfrage nach kürzer laufenden Papieren drückt deren Rendite. Während die Schuldenagentur noch im Juli 2017 den Anlegern für den damals emittierten fünfjährigen Bond eine Rendite von 4,62 Prozent bieten musste, notiert das Papier jetzt bei nur noch bei 2,64 Prozent. Das ist ein neues historisches Tief. Mit der geplanten Emission des siebenjährigen Bonds will die Schuldenagentur die Zinskurve weiter glätten und die Renditen auch in diesem Laufzeitbereich weiter drücken.

Mit der geplanten Anleihe möchte Griechenland mindestens 3 Milliarden Euro aufnehmen – möglicherweise auch mehr, wenn die Nachfrage gross und die Rendite niedrig ist. Für die nächsten Monate sind ausserdem zwei weitere Emissionen geplant.

Aktuell benötigt der Athener Finanzminister zwar kein frisches Geld. Der Refinanzierungsbedarf ist durch die jüngst von den Euro-Finanzministern bewilligte Kreditrate von 6,7 Milliarden Euro für die nächsten Monate mehr als gedeckt. Das neu aufgenommene Geld soll vielmehr als Rücklage dienen. Bis zum Ende des Hilfsprogramms im August will Griechenland einen Liquiditätspuffer von 18 bis 19 Milliarden Euro aufbauen. Davon kommen rund 10 Milliarden aus dem laufenden dritten Rettungspaket. Die restlichen 8 bis 9 Milliarden soll Griechenland selbst aufbringen. Diese Cash-Reserve würde ausreichen, den Finanzbedarf des Landes bis Mitte 2020 zu decken – eine Art Sicherheitskissen für die ersten zwei Jahre nach dem Ende des Hilfsprogramms.

Schuldenberg steigt weiter

Begünstigt werden die bevorstehenden Emissionen durch die jüngste Bewertung der Ratingagentur Standard & Poor’s, die Griechenlands Kreditwürdigkeit jetzt um eine Stufe von B– auf B heraufsetzte. Das ist zwar immer noch fünf Stufen unter der Bewertung «Investment Grade», aber der auf «positiv» gesetzte Ausblick lässt weitere Herauf­stufungen erwarten.

Überschattet wird Griechenlands Rückkehr an die Kapitalmärkte allerdings durch die ungelöste Schuldenproblematik. Ende 2017 beliefen sich Griechenlands Staatsschulden auf 318,3 Milliarden Euro. Nach Berechnungen des Athener Finanzministeriums werden sie bis Ende 2018 auf 332 Milliarden steigen. Die Schuldenquote erhöht sich dadurch von 178 auf fast 180 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP).

Viele Volkswirte halten Schulden dieser Grössenordnung für nicht tragbar. Ein schneller Schuldenabbau ist derzeit nicht in Sicht. Die EU-Kommission erwartet in ihrer jüngsten Analyse zur Schuldentragfähigkeit Griechenlands für das Jahr 2040 eine Schuldenquote von 109 bis 158 Prozent des BIP, je nach Entwicklung des Wirtschaftswachstums und der Zinsen.

Umso dringlicher wird jetzt die Frage nach Schuldenerleichterungen, etwa in Form längerer Laufzeiten der Hilfskredite, zusätzlicher tilgungsfreier Jahre und dauerhaft niedriger Zinsen. In der Eurozone sind zwar weitere Zugeständnisse an Griechenland ein politisch kontroverses Thema. Schuldenerleichterungen würden aber die Rückkehr des Landes an den Kapitalmarkt begünstigen. Und das wäre auch im Interesse der Gläubiger.

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