Oftringen

Griechischer Finanzberater rät seinen Landsleuten, ihr Geld zu verstecken

Der Finanzberater Alex Siregos lebt seit seiner Geburt in Oftringen. Dort befindet sich auch der Hauptsitz seines Unternehmens «Siregos Finance». Seine Wurzeln hat er in Griechenland. Er rät seinen Landleuten ihre Ersparnisse zu Hause zu verstecken.

Christian Trippel
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Proteste in Griechenland
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Proteste in Griechenland: Demonstranten zerstören Barrikaden.
Die Demonstranten sind bestens geschützt.
Ein Demonstrant vor einem brennenden Haus.
Die Demonstranten stehen einer Übermacht an Polizisten gegenüber...
...doch die Protestierenden kennen keine Furcht.
Protestanten werfen mit Petrolbomben auf Polizisten
Polizist wird von einer Petrolbomben getroffen.
Kollegen eilen ihm zu Hilfe.
Linke und rechte Aktivisten bekämpfen sich sogar gegenseitig.

Proteste in Griechenland

AZ
Finanzberater Alex Siregos

Finanzberater Alex Siregos

Zur Verfügung gestellt

Alex Siregos: Ja, natürlich. Einige Personen haben meine Dienste als Finanzexperte aus der Schweiz in Anspruch genommen. Auch fragen mich Bekannte immer wieder, ob Sie in die Schweiz kommen könnten, um zu arbeiten ...

... und, können sie?

Nein.

Was haben Sie Ihren Bekannten geraten?

Das Geld nicht auf der Bank zu lassen, sondern es gut zu Hause zu verstecken. Da momentan noch keine Massenpanik ausgebrochen ist, kann man dies noch tun. Wollen erst alle einmal ihr Geld abheben, funktioniert das nicht mehr. Deshalb: Zu Hause, am besten in einem Schliessfach, verstecken.

Wann waren Sie selbst das letzte Mal in ihrer Heimat?

Vor etwa zwei Wochen.

Weshalb?

Ich gründe zurzeit eine neue Unternehmung in Griechenland. Ich eröffne ein Pfandleihhaus. Ich nehme also kein Geld, sondern gebe welches raus.

Sie schlagen also Profit aus der Krise?

Einige sehen eine Katastrophe, andere eine Möglichkeit. Nein natürlich nicht. Ich tue das selbstverständlich, um den Ansässigen zu helfen, denn Geld ist momentan das einzig Wichtige für die Bevölkerung.

Papandreou stimmt der Bildung einer Übergangsregierung zu

Der unter Druck stehende griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat sich offen für die Bildung einer Übergangsregierung gezeigt. Das Referendum über das neue internationale Hilfspaket soll abgesagt werden, wenn sich die beiden grössten Parteien über das Vorgehen einigen.

Papandreou sei bereit, Gespräche darüber aufzunehmen, sagte ein Regierungsvertreter am Donnerstag in Athen. Papandreou werde aber nicht zurücktreten, sondern die Ergebnisse der Gespräche abwarten, erklärte ein Minister.

Oppositionsführer Antonis Samaras hatte zuvor gefordert, dass eine Übergangsregierung das Land bis zu vorgezogenen Neuwahlen führen soll. Ein Mitarbeiter der Regierung sagte, das Referendum über das neue internationale Hilfspaket soll abgesagt werden, falls sich die beiden wichtigsten Parteien über das weitere Vorgehen in der Krise einigten.

Das derzeitige Parlament solle noch das vergangene Woche vom Euro-Gipfel geschlossene Hilfspaket ratifizieren, sagte Samara. Damit wäre Referendum überflüssig.

Regierungsbildung in Arbeit

Mehrere Abgeordnete der Regierungspartei Pasok arbeiten Kreisen zufolge an einem Vorschlag für eine Koalitionsregierung unter der Leitung des früheren Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank, Lucas Papademos. Wie mehrere mit den Planungen vertraute Personen sagten, will die Gruppe Papandreou zu einem Amtsverzicht bewegen.

Nach einer Ratifizierung durch das Parlament wäre auch der Weg für die Auszahlung der nächsten Tranche von 8 Mrd. Euro aus dem ersten Hilfspaket frei. Griechenland ist nach eigenen Angaben noch bis Mitte Dezember zahlungsfähig. (sda)

Politisch herrscht in Griechenland Bürgerkrieg. Ausserdem spürt man eine Unsicherheit. Zum Beispiel kennt man in Griechenland keine Kündigungsfrist. Viele fürchten um ihren Job.

Ihre Verwandten leben in Griechenland. Wie erleben sie die Krise?

In meiner Heimatstadt Larisa stehen Geschäfte an bester Adresse leer. Sie sind richtiggehend verwaist. Für meine Verwandten ist die Krise interessanterweise fast nicht spürbar. In Griechenland gibt es etliche Nachtlokale. Solche Lokale haben die ganze Woche geöffnet und der Mindestkonsum liegt bei etwa 120 Euro pro Tisch. Für ein Land, das sich in einer Krise befindet, ist es erstaunlich, dass solche Clubs praktisch jeden Abend ausgebucht sind. Ausgebucht bedeutet: Geschätzte 3000 Personen. Man sieht: Griechen beklagen sich auf sehr hohem Niveau.

Proteste auf hohem Niveau also. Trotzdem arten diese Proteste zuweilen auch in Strassenschlachten aus. Handelt es sich dabei nur Taten von einigen Chaoten?

Erstens sind diese Proteste nicht so schlimm wie alle behaupten. Man bemerkt sie fast nicht. Zweitens entstehen diese Strassenschlachten nicht wegen der Krise. Viele Menschen sind einfach unzufrieden. Deshalb streiken und demonstrieren sie. Wie auch in der Schweiz an den Fussballspielen, gibt es immer einige Chaoten, die gewalttätig sind. Die Polizei wehrt sich, wodurch auch Unschuldige involviert werden. Diese eigentlich friedlichen Demonstranten wehren sich dann ebenfalls. Man könnte von einem Domino-Effekt sprechen. Solche Gewaltausbrüche entstehen nicht durch das eigentliche Problem Griechenlands.

Sie meinen damit, dass die Hälfte der Bevölkerung für den Staat arbeitet?

In Griechenland läuft das Ganze über Vitamin B. Erstens werden Beamtenstellen quasi vererbt. Zweitens verschafft jeder der beim Staat arbeitet, allen Familienmitgliedern und Bekannten einen Job in der eigenen Abteilung, eine Vetternwirtschaft also. Es ist ein riesen Beziehungs-Buisness. Ausserdem ist die Korruption ein grosses Problem. Das führt zu den aktuellen Problemen Griechenlands. Griechenland hat enorme Schulden. Deshalb wird gespart. Davon sind vor allem die Beamten betroffen. Sie haben mittlerweile einen bis zu 20 Prozent tieferen Lohn. Das Hauptproblem daran ist, dass fast 40 Prozent der griechischen Bevölkerung beim Staat angestellt ist, weshalb die Sparmassnahmen fast die Hälfte der Bevölkerung trifft.

Anfang Dezember stimmt das griechische Volk über den EU-Rettungsschirm ab. Ist Ministerpräsident Papandreou ein schlauer Fuchs oder ein Feigling?

Der will sich doch nur glimpflich aus der Affäre ziehen. Er will nach dem Staatsbankrott Griechenlands sagen können: «Nicht ich habe das zu verschulden, sondern mein Volk hat die Richtung bei der Abstimmung selbst gewählt.»

Wie werden Sie Anfang Dezember stimmen?

Ich werde gar nicht stimmen gehen. Erstens will ich nicht extra nach Griechenland fliegen und zweitens können die Bewohner Griechenlands diese Entscheidung selber fällen. Sie werden sie schliesslich auch selber tragen müssen.