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Grösster Umbau der Geschichte: Bei Raiffeisen herrscht Fusionitis

In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich die Zahl der Genossenschaftsbanken um drei Viertel reduziert.
Roman Schenkel
Die Genossenschafter sind kritisch gegenüber der Zentrale, aber zunehmend offen für Fusionen. (Bild: Urs Bucher, GV Mörschwil, 14. März 2014)

Die Genossenschafter sind kritisch gegenüber der Zentrale, aber zunehmend offen für Fusionen. (Bild: Urs Bucher, GV Mörschwil, 14. März 2014)

Raiffeisen Schweiz befindet sich im grössten Umbau ihrer Geschichte. In einer Arbeitsgruppe mit dem Namen «Reform 21» wird derzeit diskutiert, wie die Genossenschaftszentrale in St. Gallen umgekrempelt werden soll. Die zu entscheidenden Fragen gehen ans Eingemachte: Wie lautet die neue Eignerstrategie für die St. Galler Zentrale? Die Besitzer der Schaltstelle, die in der ganzen Schweiz verteilten Genossenschaftsbanken, wollen deren Finanzierung klären und der Raiffeisenzentrale einen Leistungskatalog vorgeben.

Ein gewichtiges Reformthema ist allerdings bereits vom Tisch: die Prüfung der Umwandlung von Raiffeisen Schweiz von einer Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft. Nach dem Skandal um den Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz verlangte die Finanzmarktaufsicht, «die Vor- und Nachteile einer Umwandlung von Raiffeisen Schweiz in eine Aktiengesellschaft vertieft zu prüfen». Gemäss Raiffeisen Schweiz ist diese Frage geklärt und die Überraschung ist nicht gross: Raiffeisen will ihre genossenschaftliche Gesellschaftsform behalten. Eine Umwandlung in eine Aktiengesellschaft würde keinen Mehrwert bringen. Der Schlussbericht liegt bei der Finma; es liegt nun an dieser, den Bericht zu würdigen.

17 Fusionen alleine im Jahr 2019

Die Struktur der drittstärksten Kraft in der Schweizer Bankenwelt ist allerdings alles andere als starr. Das zeigt ein Blick auf die Entwicklung der Zahl der Genossenschaftsbanken in der Schweiz. Diese hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren reduziert – und zwar in einem hohen Tempo (siehe Grafik). 1996 gab es noch 962 Genossenschaftsbanken. Heute sind es aufgrund von Fusionen mit 229 Genossenschaftsbanken gerade noch rund ein Viertel davon. Allein im laufenden Jahr gab es 17 erfolgreiche Zusammenschlüsse; davon 9 in der Deutschschweiz, 5 in der Romandie und 3 im Tessin.

Die Gründe für die Fusionen liegen auf der Hand. Die Bankenbranche in der Schweiz befindet sich im Wandel. Es gibt veränderte Kundenbedürfnisse, technologischer Fortschritt und eine starke Zunahme regulatorischer Pflichten. Für einzelne Genossenschaftsbanken eine kaum zu bewältigende Herausforderung. Ein Raiffeisen-Sprecher sagt: «Gerade für kleinere Institute wird es immer schwieriger, eigenständig am Markt zu bestehen. Ein Zusammenschluss eröffnet kleineren Banken langfristig die bestmöglichen Zukunftsperspektiven in einem herausfordernden Umfeld.»

Lange Zeit waren Fusionen umstritten. Die Wallungen an Fusions-Generalversammlungen gingen oft hoch und die Liste gescheiterter Versuche ist lang. Das hat sich zuletzt geändert. Laut Raiffeisen erzielten die 17 Fusionen 2019 an den Generalversammlungen eine durchschnittliche Zustimmung von knapp 95 Prozent. Beispielsweise stimmten bei der Fusion zwischen den Genossenschaftsbanken Andwil-Arnegg und Gossau-Niederwil im Kanton St. Gallen die Genossenschafter mit 90 Prozent bzw. 99 Prozent Ja zum Zusammenschluss. Die Generalversammlung der Solothurner Raiffeisenbank Erlinsbach dauerte laut Medienmitteilung aufgrund der traktandierten Fusion mit der Raiffeisenbank Mittelgösgen zwar rund doppelt so lang wie üblich, der Zusammenschluss wurde dennoch deutlich gutgeheissen.

Auch an den beiden Abstimmungen der Raiffeisenbanken Urner Oberland und Urner Unterland sagten die Anwesenden Raiffeisenmitglieder deutlich Ja zur fusionierten Raiffeisenbank Urnerland. Die Fusion sei «sehr rund» über die Bühne gegangen, erzählt Beat Bütikofer, Vorsitzender der Geschäftsleitung der fusionierten Bank. Die reibungslose Fusion verdanke man einer offensiven und transparenten Kommunikation, ist Bütikofer überzeugt. «Wir haben viel in die Kommunikation investiert», sagt er. Geholfen habe auch, dass es keine erzwungene Fusion war. «Wir haben das freiwillig, ohne Druck von Raiffeisen Schweiz gemacht», betont er.

Das Zielband liegt bei 200 bis 220 Genossenschaften

Mit 229 Genossenschaftsbanken hat Raiffeisen das vor sechs Jahren definierte Zielband von 200 bis 220 einzelnen Raiffeisenbanken bis 2020 schon fast erreicht. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass die Fusionen in diesem Tempo weitergehen werden. «Die Intensität ist jedoch abhängig von den Raiffeisenbanken», betont die Zentrale in St. Gallen. Denn Fusionen liegen in der Kompetenz des Verwaltungsrats der jeweiligen Bank, bevor sie an die Generalversammlung zur Abstimmung gehen. Ein neues Zielband für die Zahl der Genossenschaften gibt es noch nicht.

Ein häufiger Grund, weshalb Fusionen von Raiffeisenbanken abgelehnt wurden, war die Angst, dass auch Standorte gestrichen werden. Diese ist zwar nicht unberechtigt, wie die Zahlen zeigen. So ist neben der Anzahl Genossenschaften gleichzeitig auch die Anzahl der Standorte gesunken – allerdings weit moderater. Während die Anzahl Raiffeisenbanken sich zwischen 1996 und 2018 um rund 75 Prozent verringerte, ging die Anzahl Standorte in derselben Zeitspanne von 1334 auf 880 um rund 40 Prozent zurück.

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