Beteiligungen
Grossaktionär Basel-Stadt ist zu passiv – besser machts Baselland

Basel-Stadt hält Beteiligungen an 68 Unternehmungen und gehört damit zu den Spitzenreitern unter den Ständen. Weniger Spitze ist die Bewirtschaftung der Anlagen, wie eine Studie von Avenir Suisse belegt.

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Kantonalbanken

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Schweiz am Sonntag

Von Daniel Ballmer

Von der Officine Idroelettriche della Maggia SA haben bisher wohl nur die wenigsten Einwohner Basel-Stadts gehört. Dabei hält der Kanton doch immerhin 12,5 Prozent an dem Tessiner Wasserkraftwerk. Nominalwert: 12,5 Millionen Franken. Es handelt sich dabei um eine von insgesamt knapp 70 Beteiligungen des Kantons an Unternehmungen aus der ganzen Schweiz, wie eine kürzlich von der Zürcher Denkfabrik Avenir Suisse veröffentlichte Studie belegt.

Mit seinen 68 Beteiligungen an Unternehmungen von der Messe Schweiz AG über die Biopower Nordwestschweiz AG bis zur Radio- und Fernsehgenossenschaft Basel zählt Basel-Stadt im nationalen Vergleich zu den Spitzenreitern. Mehr Aktien, Partizipationsscheine und Genossenschaftsanteile hält nur gerade der Kanton Waadt.

Und auch was den Buchwert der Beteiligungen angeht, mischt der Stadtkanton an der Schweizer Spitze mit: mehr Wert sind nur die Beteiligungen von Zürich und Waadt. Avenir Suisse schätzt den Wert der Basler Beteiligungen auf rund 700 Millionen Franken.

Der grösste Brocken im Portefeuille des Kantons ist laut der Studie die 100-prozentige Beteiligung an den Basler Verkehrsbetrieben BVB, die allein 260 Millionen Franken wert ist. Es folgen die
80,6 Prozent am Aktienkapital der Basler Kantonalbank mit knapp 205 Millionen und die 13,3 Prozent beim Energieunternehmen Grande Dixence SA mit 40 Millionen Franken.

Die 50-prozentige Beteiligung am Kapital der Hardwasser AG hat laut Avenir Suisse einen Nominalwert von 2,5 Millionen Franken. In den Büchern des Kantons aber ist sie auf einen Franken abgeschrieben. Gleiches gilt für viele andere Beteiligungen.

Kleinere Brötchen bäckt da der Kanton Baselland. Er ist an insgesamt 43 Unternehmen beteiligt und belegt damit den zehnten Rang im gesamtschweizerischen Vergleich unter den Kantonen. Avenir Suisse schätzt den Wert der Baselbieter Beteiligungen auf insgesamt rund 200 Millionen Franken, womit der Landkanton ebenfalls im Mittelfeld liegt.

Die mit Abstand wertvollste Beteiligung im Portefeuille des Kantons ist die 75-prozentige Beteiligung an der Basellandschaftlichen Kantonalbank, die allein 180 Millionen Franken wert ist. Es folgen die 60 Prozent am Aktienkapital der Schweizerischen Rheinhäfen mit 14 Millionen und die 25 Prozent bei der Kraftwerk Birsfelden AG mit 7,5 Millionen Franken.

Relativ zurückhaltend sind die beiden Basel, was die Vertretung von Regierungsmitgliedern in Verwaltungsräten betrifft. In Basel-Stadt sitzt bei rund 27 Prozent aller Unternehmungen, an welchen der Kanton Beteiligungen hält, auch ein Mitglied der Regierung im obersten Aufsichtsorgan. In Baselland sind es 38 Prozent. Das Baselbiet befindet sich damit im vorderen Drittel, Basel-Stadt im Mittelfeld. Die grössten Verwaltungsratsmandate-Hamsterer sind die Regierungsmitglieder aus Obwalden, Schaffhausen und Glarus mit teilweise gegen 50 Prozent.

Belegt Basel-Stadt bei der Anzahl und dem Buchwert seiner Beteiligungen einen nationalen Spitzenplatz, so sieht es bei der Bewirtschaftung der Wertschriften anders aus. Nach einem von Avenir Suisse entwickelten Beteiligungsmanagement-Index liegt Basel lediglich im Mittelfeld der Schweizer Kantone. Das liegt vor allem daran, dass der Stadtkanton keine zentrale Stelle innerhalb der Verwaltung mit der Bewirtschaftung und Bewertung ihrer Anlagen beauftragt hat.

Für Avenir Suisse ist dies aber eine Voraussetzung, um fundierte Entscheide über Veränderungen im Beteiligungsportfolio fällen zu können. Die Mehrheit der Kantone aber gibt an, dass die Verantwortlichkeit für Beteiligungsmanagement dezentral geregelt ist. Die Verantwortlichkeiten können fallweise ändern.

Überhaupt zeigt die Studie, dass das Beteiligungsmanagement der meisten Kantone noch wenig entwickelt ist. Vielerorts sei das Thema «im Moment nur am Rande relevant». So verfasse die Mehrheit der Kantone auch keine periodische Berichterstattung über das Beteiligungsportfolio.

Zumindest aber existiert in Basel-Stadt als einem der wenigen Kantone eine zentrale Stelle in der Verwaltung, die für das Risikomanagement verantwortlich ist. Im Gegensatz zu anderen Kantonen ist in Basel-Stadt aber weder die Schaffung von Richtlinien zur Ausgestaltung einer kantonalen Beteiligungssrategie noch einer zentralen Stelle zur Bewirtschaftung vorgesehen.

Ganz anders der Kanton Baselland. Ihm wird von Avenir Suisse ein gutes Zeugnis ausgestellt, was die Professionalität der Bewirtschaftung seiner Beteiligungen angeht. Unter dem Strich reicht dies nach den Kantonen Aargau, Waadt, Luzern und Jura für den fünften Rang.

Das Baselbiet verfüge neben den Kantonen Aargau, Waadt, Luzern und Jura über gute Voraussetzungen für ein systematisches Beteiligungsmanagement, urteilt Avenir Suisse. So hat Baselland kürzlich Richtlinien zum Umgang mit Beteiligungen erlassen. Eine spezifische Gesetzgebung zum Beteiligungsmanagement allerdings existiert nicht.

Auf der anderen Seite aber existiert in der Baselbieter Kantonsverwaltung eine Stelle, die für ein zentralisiertes Beteiligungsmanagement also für eine systematische Bewirtschaftung des Beteiligungsportfolios verantwortlich ist. Dies ist nur gerade in sechs Kantonen der Fall. Gute Noten erhält Baselland auch bei der Transparenz.

So werden nur in sieben Kantonen jährlich Berichte erstellt, welche über Unternehmenskennzahlen, Marktentwicklungen, Risikobeurteilungen oder auch über Mutationen in den Führungsgremien Auskunft geben. Und: Neben Baselland werden diese Berichte nur gerade im Aargau veröffentlicht.

Unter dem Strich zählt Avenir Suisse Baselland zu jenen sieben Kantonen (AG, VD, LU, BL, JU, OW, ZH), die im schweizerischen Vergleich «bereits über relativ ausgebaute Grundlagen für ein systematisches und transparentes Beteiligungsmanagement verfügen». Sie könnten der Mehrzahl der Kantone als Vorbild dienen, «bei denen die bestehenden Strukturen des Beteiligungsmanagements den angesprochenen Herausforderungen kaum gerecht werden».