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GROSSBANK: Kronprinz Jürg Zeltner verlässt die UBS

Der Vermögensverwaltungschef Jürg Zeltner verlässt überraschend die Grossbank UBS. Der ehemalige Commerzbank-Chef und aktuelle Leiter des Schweizer Geschäfts, Martin Blessing, rückt nach.
Daniel Zulauf
Vermögensverwaltungschef Jürg Zeltner. (Bild: Reuters)

Vermögensverwaltungschef Jürg Zeltner. (Bild: Reuters)

Daniel Zulauf

Am Zürcher Paradeplatz herrscht vorweihnächtliche Stimmung. Das Herz des Schweizer Finanzplatzes schlägt in diesen Tagen etwas langsamer als üblich. Umso effektvoller war der Knall, mit dem die UBS gestern völlig unerwartet eine ganze Reihe von wichtigen Veränderungen in ihrer obersten Konzernleitung bekanntgab.

Am meisten Aufsehen erregt der Abschied von Vermögensverwaltungschef Jürg Zeltner. Der 50-jährige Berner verantwortet die Flaggschiffdivision des Finanzkonzerns. Allein aufgrund dieser zentralen Funktion galt er in den Augen vieler als Kronprinz von CEO Sergio Ermotti. Der 57-Jährige steht seit Herbst 2011 an der Spitze des Konzerns. Bis knapp vor einem Jahr machten Gerüchte die Runde, der Tessiner überlege sich einen Abgang. Doch diesen Spekulationen trat der Manager bald selber entgegen. Im Juli sagte er dem TV-Sender CNN: «Ich fühle mich ziemlich wohl mit dem, was ich heute mache.» Sein Job sei noch nicht erledigt. Es gäbe noch einige Dinge zu tun, zum Beispiel die Bank auf kontinuierliches Wachstum zu trimmen.

Zeltner hatte Ambitionen auf den Chefposten

Zwar dürfte die UBS im laufenden Jahr den Vorjahresgewinn von 3,2 Milliarden Franken deutlich übertreffen (wenn man von der mutmasslichen Wertberichtigung von rund 3 Milliarden Franken absieht, die sich aus der US-Steuerreform ergeben könnte). Doch in vielen Bereichen und namentlich auch in der Vermögensverwaltung waren zuletzt gewisse Stagnationstendenzen erkennbar. Ermotti verabschiedet nun seinen wichtigsten Manager, der seit über 30 Jahren für die UBS und ihre Vorgängerbank SBV tätig war, auffallend kurz und nüchtern: «Sein Einfluss auf die positive Entwicklung unseres internationalen Wealth-Management-Geschäfts und des Unternehmens über die vergangenen Jahre verdient Anerkennung», heisst es in der Medienmitteilung. Die Formulierung lässt in der Tat nicht darauf schliessen, dass der Chef seinem vermeintlichen Kronprinzen nachtrauert. Doch erfahrene Beobachter bezweifeln, dass die Leistung für Zeltners vorzeitiges Ausscheiden entscheidend war. Vielmehr vermuten Brancheninsider, Ermotti habe einen Vorwand gesucht, um sich seines grössten internen Rivalen zu entledigen. Es gilt in der Tat als offenes Geheimnis, dass Zeltner Ambitionen auf die Position des CEO hatte.

Gestützt wird die Vermutung auch durch den Umstand, dass mit Martin Blessing ein im internationalen Vermögensverwaltungsgeschäft weitgehend unbeschriebenes Blatt in Zeltners Fussstapfen treten soll. Der Deutsche führt seit September 2016 das Schweizer Geschäft der UBS, und dies offenbar auch mit einigem Erfolg. Doch der frühere Managementberater hat im Lauf seiner bisherigen Karriere in der Bankwirtschaft – namentlich in den 15 Jahren im Vorstand der Commerzbank – kaum Erfahrungen im Private Banking gesammelt. Zudem darf vermutet werden, dass er in gewissen Weltregionen als Repräsentant des grössten Schweizer Vermögensverwalters schlicht den falschen Pass besitzt. Mit diesen Voraussetzungen dürfte der 54-Jährige seinem CEO in den nächsten Jahren kaum gefährlich werden können.

Gleiches gilt auch für den 57-jährigen Schweizer Axel Lehmann, der Anfang des vergangenen Jahres von der Zurich Insurance als Betriebschef zur UBS gestossen war und jetzt also die Verantwortung für das Schweizer Geschäft übernehmen soll. Dem ausgewiesenen Risikospezialisten war schon bei der Zurich der letzte Sprung an die Spitze versagt geblieben. Lehmanns bisherige Funktion übernimmt die 52-jährige deutsch-schweizerische Doppelbürgerin Sabine Keller-Busse, die 2010 zur UBS gestossen und zuletzt als Personalchefin tätig war.

Ein möglicher Nachfolger von Collardi?

Zeltner war in der 12-köpfigen UBS-Konzernleitung nicht nur der Kronprinz, sondern auch das dienstälteste und dennoch zweitjüngste Mitglied.

Es ist zu vermuten, dass der Veteran und Kopf des weltgrössten Vermögensverwalters bereits auf der Shortlist des Julius-Bär-Verwaltungsrates steht, der in aller Eile einen valablen Nachfolger für den vor wenigen Tagen unerwartet ausgetretenen CEO Boris Collardi finden muss. Die Aussicht, dass ein Schwergewicht wie Jürg Zeltner diesen Job übernehmen könnte, scheint manche Investoren bereits elektrisiert zu haben. Die Julius-Bär-Aktien stiegen gestern um 1,48 Prozent auf 58.30 Franken. Die UBS-Valoren quittierten den Reigen in der Teppichetage der Grossbank eher über­raschend ebenfalls mit einem leichten Kursanstieg um 0,07 Prozent auf knapp 18 Franken.

CEO Sergio Ermotti. (Bild: Keystone)

CEO Sergio Ermotti. (Bild: Keystone)

Schweiz-Chef Martin Blessing. (Bild: Keystone)

Schweiz-Chef Martin Blessing. (Bild: Keystone)

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