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GROSSBANKEN: Auf dem Weg ins Mittelmass

UBS und Credit Suisse warten mit gegensätzlichen Überraschungen zum Halbjahr auf. Während sich bei der CS die Rosskur langsam auszuzahlen beginnt, knüpft die UBS an die soliden Ergebnisse der letzten Perioden an.
Daniel Zulauf
UBS und Credit Suisse präsentierten gestern ihre Halbjahresbilanzen. (Bilder: Matthew Lloyd, Luke MacGregor/Getty)

UBS und Credit Suisse präsentierten gestern ihre Halbjahresbilanzen. (Bilder: Matthew Lloyd, Luke MacGregor/Getty)

Daniel Zulauf

Noch ist für jedermann offensichtlich, welche der beiden Schweizer Grossbanken die Nase vorn hat. UBS, die grössere der beiden ewigen Rivalen, weist schon nach den ersten sechs Monaten des Jahres einen Gewinn aus, den die Credit Suisse zum letzten Mal im Jahr 2010 zu übertreffen vermochte. Die CS brauchte dafür allerdings zwölf Monate. Die UBS generiert rund 15 Prozent mehr Ertrag als die Credit Suisse und benötigt dazu nur eine 10 Prozent grössere Bilanz – beziehungsweise 10 Prozent mehr Eigenkapital. Mit anderen Worten: Die UBS setzt ihr Kapital produktiver ein und schafft dadurch Mehrwert für ihre Aktionäre.

Doch fünf Jahre nach dem grossen Strategiewechsel der UBS und zwei Jahre nach dem Chefwechsel bei der Credit Suisse (der ebenfalls in einen radikalen Strategieschwenk mündete) kommen sich die beiden Finanzkonzerne wieder näher. Die Credit Suisse arbeitet sich ­anhand des von Konzernchef Tidjane ­Thiam und seinem Managementteam aufgestellten «strategischen Dreijahresplans» mit zunehmend sichtbaren Erfolgen von unten wieder in die Mittelklasse zurück. «Die erste Halbzeit liegt hinter uns», so Thiam am Freitag auf einer Medienkonferenz zum Geschäftsverlauf im Halbjahr.

Mitarbeiterbestand verringert

Die Bank scheint tatsächlich effizienter geworden zu sein. Bis Ende Jahr soll das im Herbst 2015 ausgegebene Ziel einer Reduktion der Kostenbasis im Gesamtkonzern um mehr als 3 Milliarden Franken erreicht werden. Allein im Verlauf der vergangenen zwölf Monate hat die Bank den Mitarbeiterbestand um 5260 Köpfe verringert. Dass davon nur ein geringer Teil in der Personalstatistik sichtbar wird, hat damit zu tun, dass die Bank aktuell immer noch für 22090 Leuten Löhne zahlt, die nicht auf ihrer offiziellen Gehaltsliste figurieren.

Mehr als 4000 solcher Subunternehmer und Berater mussten seit Juni 2016 entweder ein neues Betätigungsfeld finden oder ein anderes vertragliches Arrangement mit der Credit Suisse treffen. Zwar will der Konzern auch in Zukunft längst nicht alles durch die eigene Stammbelegschaft produzieren lassen. Doch es sei bei weitem effizienter, konkrete Leistungen statt einfach nur Arbeitszeit von externem Personal einzukaufen, erklärte Thiam. Auch die Dezentralisierung der Ertrags- und Kostenverantwortung habe die Effizienz im Unternehmen erhöht.

Fakt ist, dass die Credit Suisse mit weniger Kosten den Ertrag um über 5 Prozent zu steigern vermochte. Dass der Gewinn von 899 Millionen Franken nicht deutlich höher ausfiel, liegt primär an den Altlasten, deren Entsorgung immer noch hohe Kosten verursacht. Im Berichtshalbjahr belief sich der Vorsteuerverlust der eigens zu diesem Zweck gebildeten Konzerndivision (Strategic Resolution Unit) noch auf 1,1 Milliarden Franken. Im ersten Halbjahr 2016 waren es noch gut 2 Milliarden Franken gewesen. Die Konzernführung verspricht, dass dieses schwarze Loch bis Ende 2018 so weit gestopft werden kann, dass die Division aufgelöst und die Kosten des Rückbaus wieder auf die operativen Geschäftseinheiten zurückverteilt werden können. Seit der Kapitalerhöhung im Frühjahr hat sich auch die ­Kapitalstärke der Bank deutlich verbessert, wie der Anstieg der Kernkapitalquote von weit unterdurchschnittlichen 11,8 Prozent im Sommer 2016 auf 13,3 Prozent per Ende Juni deutlich zeigt.

In dieser Hinsicht bewegte sich die UBS im Berichtsabschnitt genau in die umgekehrte Richtung. Ihre Kernkapi­talquote hat sich von hochklassigen 14,2 Prozent auf nur mehr solid durchschnittliche 13,5 Prozent verschlechtert. Wie ist das möglich? Schliesslich produzierte die UBS keine Verluste, die eine Aufzehrung von Eigenkapital nötig gemacht hätten. Der Grund für die überraschende Entwicklung sind behördliche Auflagen, die das Kleinrechnen von ­Bilanzrisiken erschweren. Die UBS spricht von «regulatorisch bedingten Anpassungen der Methodologie» und von «regulatorischer Inflation». Die UBS hatte sich in den vergangenen Monaten immer wieder öffentlich und dezidiert gegen ein strenges Regulierungsregime in der Schweiz gewehrt.

Die Schweiz solle sich nicht wie ein «Musterschüler» gebärden, schimpfte Ermotti vor einigen Monaten in der «Basler Zeitung», und Verwaltungsratspräsident Axel Weber warnte davor, dass die Schweiz «unnötigerweise die Stärke der Schweizer Banken und damit indirekt eben auch die Stärke der Schweizer Wirtschaft untergraben» könnte. Wie sich nun zeigt, steckte hinter den grossen Worten die einigermassen profane Sorge der beiden Manager, dass die Kapitalstärke der Bank nach der behördlich auferlegten Rekalibrierung ihrer internen Modelle etwas weniger gut aussehen könnte als bisher.

Gute Leistung der UBS

Draussen im Markt zeigte die UBS freilich eine gute Leistung. Die Erträge nahmen im Halbjahr um 4 Prozent zu, obschon die Kosten 1,4 Prozent weniger wurden. Eine kräftige Gewinnsteigerung (+40 Prozent) war die Folge. Die Reaktion der Börse lässt allerdings erkennen, dass sich UBS und Credit Suisse im zehnten Jahr seit Ausbruch der Finanzkrise langsam wieder näherkommen: Die UBS-Aktien büssten aufgrund der Kapitalgeschichte nahezu 3 Prozent ihres Wertes ein, während die Credit-Suisse-Titel die operativen Verbesserungen der Bank mit einem Kursaufschlag um gut 3 Prozent quittierten.

Treffen dürfte man sich irgendwann dort, wo auch die anderen hinstreben und wo man vor der Finanzkrise schon gewesen war – im Mittelmass.

Die Halbjahresbilanz. (Bild: LZ)

Die Halbjahresbilanz. (Bild: LZ)

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