Sonnhalde
Grossbau trotz der Krise

Das private Schulheim Sonnhalde in Gempen baut eine Werkschule für 4,1 Millionen Franken. Davon profitieren rund 150 Behinderte aus der ganzen Region.

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Walter Brunner

Die Sonnhalde baut, als würde es keine Krise geben. Bereits sind die Konturen der neuen Werkschule deutlich zu erkennen. Man ist im Zeitplan und will die neue Werkschule im kommenden Herbst eröffnen können. Allerdings hat sich die Sonnhalde mit dem Neubau viel vorgenommen. Die beiden Gebäude kosten zusammen 4,1 Millionen Franken. Der Bund steuert einen Drittel bei, wenn die Bauabrechnung Ende 2010 vorliegt. Da bleibt immer noch ein happiger Betrag für die private Trägerschaft übrig.

Gesucht: 1,4 Millionen Franken

Damit der Schulbetrieb nicht teurer wird, braucht die Sonnhalde 1,4 Millionen Franken billiges Geld, also Spenden und zinslose Darlehen. «Ausgerechnet als wir begannen, dieses Geld zu sammeln, kam die Finanzkrise», sagt Josef Reichmann, Geschäftsleiter Finanzen der Sonnhalde. «Alle waren sehr zurückhaltend. Wir erhielten viele Absagen, und es kam zu grossen Verzögerungen.»

Einige angefragte Institutionen und Fonds hätten in der Krise drei Viertel ihres Vermögens verloren und seien nicht in der Lage gewesen, die Sonnhalde zu unterstützen. Aber jetzt entspanne sich die Lage wieder. «Einige angefragte Institutionen greifen unsere alten Anträge wieder auf», sagt Reichmann. Derzeit habe die Sonnhalde rund 800 000 Franken Spenden zugesagt oder einbezahlt erhalten. Das stimme ihn zuversichtlich, dass das Ziel von 1,4 Millionen Franken erreicht werde.

Der Neubau besteht aus zwei Gebäuden, in welchen den Jugendlichen ein Brückenangebot zwischen Schule, Ausbildung und Beruf geboten werden soll. Grösser wird die Sonnhalde durch den Neubau nicht. «Es ist keine Erweiterung, sondern eine dringend nötige Verbesserung», erklärt Peter Gmünder, der unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Die Werkschule sei heute auf vier Standorte verteilt, die zum Teil völlig übernutzt seien und zum Teil ungenügend. So werden provisorisch Militärbaracken aus dem 1970er-Jahren benützt.

Behinderte planen mit

Der Rohbau ist weit fortgeschritten, doch das Innere des Gebäudes ist noch Verhandlungssache. Die Menschen mit Autismus würden bei der Gestaltung mitreden, erklären Reichmann und Gmünder. Manche von ihnen könnten zum Beispiel nichts anfangen mit einem runden Tisch; der sei für sie nicht fassbar. Auch die Farbwahl könne eine grosse Rolle spielen, oder ob die Vorhänge glatt oder gewellt sind. «Es geht darum, ihre Sinne nicht zu überreizen, damit sie sich auf die Lernprozesse einlassen können», sagt Reichmann.

Während der Bauzeit sind bei der Sonnhalde zwei Ausweichparkplätze bereitgestellt worden, um ein grösseres Parkchaos am Haglenweg zu verhindern. Nach Abschluss der Bauarbeiten werden unverändert rund 65 Parkplätze zur Verfügung gestellt - gleich viele wie jetzt. Die Sonnhalde will sich nicht mit dem Bau der Werkschule zufrieden geben.

In Abklärung ist auch die Bereitstellung eines Wohnhauses für Behinderte im Pensionsalter. Ein Neubau in Gempen sei aus Platzgründen nicht mehr möglich, führt Peter Gmünder aus. Möglicherweise werde in Dornach Wohnraum gemietet, damit man nahe bei der medizinischen Versorgung und den Öffentlichen Verkehrsmitteln sei. Entschieden sei da aber noch nichts.

Schwerpunkt Autismus

Die Sonnhalde hat allein in Gempen etwa 180 Mitarbeitende, die rund 150 Menschen mit einer Behinderung betreuen. Zur Institution gehören jedoch auch Aussenstationen in Nunningen, Aesch und Arlesheim. Die Behinderten stammen aus der ganzen Deutschschweiz, vor allem aus den Kantonen Solothurn, Baselland, Basel-Stadt und Aargau. Die Sonnhalde nimmt Menschen mit verschiedenen Behinderungen auf, Schwerpunkt ist aber die Betreuung von Menschen mit Autismus.

Diese nehmen sich und die Welt anders wahr, was zu einer extremen Beziehungs- und Kommunikationsstörung führt. Sie können meist nicht sprechen und werden von Veränderungen in ihrer Umgebung oder Routine irritiert. Ihre intellektuellen Fähigkeiten sind völlig unterschiedlich. Frühzeitige Diagnose und die richtige Therapie führen zu den besten Resultaten. (bru)

www.autismusschweiz.ch