Detailhandel
Grosse Rabattschlacht vor der Schliessung: Manor wirbt mit 70 Prozent – gefährlicher Ansturm bis am Sonntag

Bis zum Wochenende versuchen Detailhändler, ihre Ware noch rasch loszuwerden. Wegen des erwarteten Kundenansturms stocken manche ihr Sicherheitspersonal auf.

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Schlange vor dem Warenhaus Manor beim traditionellen Ausverkauf kurz nach Weihnachten – jetzt werden die Preise nochmals reduziert.

Schlange vor dem Warenhaus Manor beim traditionellen Ausverkauf kurz nach Weihnachten – jetzt werden die Preise nochmals reduziert.

Boris Bürgisser (28. Dezember 2020

Manor fackelte am Mittwoch nicht lange. Kaum gab der Bundesrat bekannt, dass alle Läden, die keine notwendigen Güter verkaufen, ab Montag, 18. Januar schliessen müssen, buchte das Warenhaus bei mehreren Zeitungen ein ganzseitiges Inserat: «Zusätzlicher Rabatt -20%, Do, 14. 1 – So, 17. 1», heisst es in knallroter Farbe zum Beispiel in der BZ.

Damit reagiert Manor offenkundig auf die bevorstehende Zwangsschliessung bis Ende Februar und versucht, in den verbleibenden paar Tagen noch möglichst viel Ware loszuwerden. «Der Bundesrat hatte bereits durchsickern lassen, dass der Laden-Lockdown kommen könnte», sagt Mediensprecher Fabian Hildbrand. Und:

Jetzt ist das schlimmste Szenario eingetroffen. Um das finanzielle Risiko von Überlagern zu minimieren, haben wir den Ausverkauf kurzerhand forciert.

Auch H&M bietet Extra-Rabatte, Globus aber nicht

Zahlreiche weitere Händler fahren die gleiche Strategie, insbesondere im Bereich Fashion. H&M zum Beispiel bietet jetzt ebenfalls zusätzliche 20 Prozent Rabatt auf den bestehenden Weihnachts-Ausverkauf an. Viele kleine Läden ziehen mit, «The Family Market» in Bern etwa will die Winterkollektion zum halben Preis an die Kunden bringen. Wer gerade durch die Schweizer Shopping-Gassen bummelt, kann etliche weitere neue Preisnachlässe entdecken.

Bei Globus hingegen gibt es keine Extra-Rabatte, wie das Warenhaus auf Anfrage bestätigt. Auch der Spielwarenhändler Franz Carl Weber verzichtet auf zusätzliche Aktionen zum aktuellen Weihnachts-Sale. Erst ab Montag werde er weitere Aktionen im Onlineshop aufschalten. Um während des Lockdowns bei den Kunden präsent zu bleiben, soll zudem verstärkt per Newsletter auf Angebote hingewiesen werden.

Zurückhaltung in den Gassen ist gefragt

Der aktuelle Sale, der jedes Jahr auf das Weihnachtsgeschäft folgt, wird bis am Wochenende also noch auf die Spitze getrieben. Davon profitieren die Konsumenten. Die Gefahr dabei ist jedoch offensichtlich: Bis Sonntag wird es mit ziemlicher Sicherheit zu einem Ansturm auf die Läden kommen. Sei es, weil die Leute auf Schnäppchenjagd gehen oder gezielt noch einige Einkäufe erledigen wollen, die sie nachher schlicht nicht mehr bekommen oder nur noch online bestellen können. Im Einzelnen ist dies nachvollziehbar, epidemiologisch macht es aber wenig Sinn.

Diesen Vorwurf will Manor-Sprecher Hildbrand jedoch nicht gelten lassen: «In unserem Onlineshop gilt der Sale auch, die Leute müssen also nicht zwingend in die Läden stürmen», sagt er. «Und in den Filialen gelten weiterhin die BAG-Kundenbegrenzungen auf eine Person pro 20m2 sowie weitere Schutzmassnahmen.» Dies sei bereits beim Weihnachtsgeschäft so gewesen und habe sich bewährt.

Komme hinzu, dass Manor bereits seit den Zusatzmassnahmen vom 22. Dezember rund 20 Prozent weniger Frequenz in den Läden verzeichne. Dennoch räumt Hildbrand ein, dass die Rabattaktionen in den Städten eine «gewisse Sogwirkung» haben könnten. Die Konsumenten müssten sich also auch in den Gassen möglichst zurückhaltend verhalten.

Februar ist im Detailhandel nicht der wichtigste Monat

Grössere Bedenken äussert Christa Markwalder, FDP-Nationalrätin und Präsidentin des Detailhandelsverbands Swiss Retail Federation. «Ich befürchte, dass es am Wochenende zu einem Andrang kommt.» Das Ziel der Detailhändler, die Frequenzen zu glätten, werde durch das Hin und Her des Bundesrates bei den Ladenöffnungen erschwert, kritisiert sie. Einige hätten nun das Sicherheitspersonal aufgestockt. Wie «20 Minuten» berichtete, hat das Glattzentrum das Personal verdoppelt.

Die Händler hätten schon am Black Friday und während des Weihnachtsgeschäfts bewiesen, dass sie auch in Pandemiezeiten mit einem grossen Besucheraufkommen umgehen könnten, sagt Markwalder. Ab Montag wird es für sie dann zwangsläufig wieder ruhig. «Immerhin ist der Februar umsatzmässig traditionell einer der schwächsten Monate», sagt Markwalder – und relativiert sogleich: «Die Zwangsschliessung ist für jeden Händler trotzdem eine Hiobsbotschaft.»