SNB-Schock
Grosse Risiken für Anleger: Wie soll man sein Geld am besten anlegen?

Seitdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) Negativzinsen eingeführt hat, wird der Sparbatzen immer weniger wert. Wie soll man sein Geld am besten anlegen?

Fabian Hock
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Es ist ein Monat her, seitdem die Banken, die der Nationalbank Geld leihen, negative Zinsen bezahlen müssen. Nicht alle Banken sind gleich davon betroffen, doch wen es trifft, legt drauf. Die SNB hofft dadurch den Druck vom Franken zu nehmen und eine weitere Aufwertung zu verhindern.

Die Auswirkungen dieser Massnahmen spüren auch private Anleger. Viele Banken haben inzwischen die Zinsen auf Sparkonti auf null gesenkt, negative Zinsen gibt es nur für Grosskunden. «Die Banken, aber auch die Sparer, sind diejenigen, die unter dem Tiefzinsumfeld und den Negativzinsen am meisten leiden», sagt der Ökonom Klaus Wellershoff. Besonders betroffen sind also jene Kunden, die ihr Geld sicher anlegen wollen. «Risikoloses Anlegen ist in einem Umfeld wie heute nahezu unmöglich», sagt Christoph Schenk, Chief Investment Officer der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

«Wir leben in einem Umfeld, in dem die Anleger in Franken bestraft werden», sagt deshalb der Ökonom Wellershoff. Das sehe man etwa an der Emission von Nestlé-Obligationen, aber auch jüngst bei Apple. Es sind die ersten Obligationen in Schweizer Franken mit negativen Renditen.

Anleger gehen höhere Risiken ein

In der Not sind heute viele Anleger bereit, höhere Risiken einzugehen. Thomas Liebi, Chefökonom von Swisscanto, sieht darin ein Problem. «Der Niedrigzins zwingt die Leute in riskante Anlagen, wie zum Beispiel Immobilien. Man flieht in Realwerte, die ohnehin schon überbewertet sind», sagt er.

Alessandro Sgro von der Raiffeisen-Bank sieht das ähnlich: «Anleger suchen nach Rendite-Perlen und Alternativen und gehen höhere Risiken ein, die gar nicht ihrem Risikoprofil entsprechen», sagt er. Dazu zählt Sgro «Obligationen einer Hochzinswährung wie dem australischen Dollar» oder auch «Obligationen von Schuldnern mit einer tieferen Kreditqualität». Die Praxis zeige, dass sich die Fremdwährungsrisiken historisch betrachtet nicht lohnen.

Hinzu kommt, dass laut Sgro das Kreditrisiko systematisch unterschätzt wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schuldner den Zinszahlungen und der Rückzahlung einer Obligation nicht mehr nachkommen kann, sei in der Realität oft höher als von vielen angenommen. In ruhigen, wirtschaftlich guten Zeiten sei das noch nicht sichtbar. «Erst in unruhigen Phasen zeigt sich, welche Auswirkungen eine Verschlechterung der Schuldnerqualität auf die Rendite einer Finanzanlage haben kann», sagt der Raiffeisen-Banker.

Für die Experten heisst es also: Raus aus dem Franken, aber mit Bedacht. «Die Politik der Nationalbank zwingt Anleger zu Investitionen in Euro oder Dollar», sagt Christoph Schenk von der ZKB. Thomas Liebi von Swisscanto macht deutlich, dass das unter den jetzigen Vorzeichen durchaus auch Chancen birgt. Er empfiehlt daher eine Art Einkaufstourismus am Finanzmarkt: «Aktien europäischer Unternehmen sind unter den aktuellen Bedingungen eine interessante Option», sagt er. Auch der Blick nach Übersee lohne: «Der unterbewertete Dollar und die Aussicht auf steigende Zinsen machen US-Staatsanleihen zur sinnvollen Anlageoption.» Aufgrund der nach wie vor schwankenden Märkte empfiehlt er, «nicht alle Eier ins gleiche Nest zu legen».

In den letzten Wochen wurde immer wieder berichtet, dass auch Bankkunden in der Schweiz ihr Bargeld in Banksafes deponieren. Experten sind hier vorsichtig. In Sachen Sicherheit sei in der heutigen Zeit jedoch vor allem das eigene Konto zu empfehlen, sagt Liebi. Zumindest so lange die Banken die Negativzinsen nicht an Kleinsparer weitergeben. Aktuell sei das nicht das wahrscheinlichste Szenario. Doch ausschliessen kann es Liebi derzeit nicht.