Lehrstellen
Gute Aussichten für Schulabgänger

Nicht überall herrscht Stellenabbau: Im Bezirk Dietikon hat es mehr angebotene und offene Lehrstellen als im Vorjahr. Die Töffbranche zum Beispiel kämpft geradezu um Nachwuchs.

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Bettina Hamilton-Irvine

Die Wirtschaftskrise produziert im Moment eine negative Schlagzeile nach der anderen. Doch es gibt auch Lichtblicke. Der Lehrstellenmarkt beispielsweise scheint bis anhin weitgehend verschont geblieben von der Krise. Im Bezirk Dietikon wurden per Ende April 576 Lehrstellen angeboten - das sind 109 mehr als im Vorjahr. Davon waren 88 noch nicht vergeben; im April 2008 waren es 52.

Die Situation ist jedoch ziemlich branchenabhängig. Während im Bezirk Dietikon per Ende April nur noch 5 Bürolehrstellen offen waren, gab es im Bereich Industrie und Handwerk noch 53.

Gewisse Branchen suchen sogar verzweifelt nach Lehrlingen: zum Beispiel der Motorradfachhandel. «Schon seit einigen Jahren haben wir Probleme, gute Lehrlinge zu finden», bestätigt René Koch, Werkstattleiter und Lehrlingsausbildner bei Motoport Valten AG in Dietikon. Aus diesem Grund arbeite im Moment auch nur ein Lehrling in der Werkstatt, obwohl der Betrieb normalerweise zwei beschäftige. Worauf das fehlende Interesse zurückzuführen sei, wisse er nicht genau, so Koch: «Vielleicht ist es im Moment einfach kein Modeberuf.»

Auch im Dietiker Harley Heaven sind im Moment nur drei Lehrlinge eingestellt, obwohl der Betrieb vier bis fünf Ausbildungsplätze anbieten könnte. Doch auch hier fanden sich nicht genügend gute Lehrlinge. «Damit müssen wir nun ein Jahr lang leben, dann schauen wir weiter», sagt Zoran Popovic, Technischer Betriebsleiter und Lehrlingsausbildner. Nebst einem akzeptablen Schulabschluss erwarte er vor allem Interesse, so Popovic. Und das sei schwieriger zu finden, als man meine.

Fritz Peier, der seit 36 Jahren das Motorradfachgeschäft Peier + Utzinger in Geroldswil führt, kann dies nur bestätigen. So schwierig hat sich die Suche nach motivierten Mechanikerlehrlingen für ihn in den letzten Jahren gestaltet, dass er beschlossen hat, gar keine mehr einzustellen. Viele Schulabgänger seien nicht bereit gewesen, sich einzusetzen, so Peier. «Das Interesse fehlte, und es wurde immer schlimmer. Mit den Jahren ertrug ich es einfach nicht mehr.»

Dass die Motorradbranche schon seit einiger Zeit Nachwuchsprobleme hat, hört man auch von der Schweizerischen Fachstelle für Zweiradfragen. Leiter Roland Fuchs meint dazu: «Es ist schweizweit ein Thema.» Viele junge Leute hätten das Gefühl, dass man sich als Motorradmechaniker die Hände dreckig machen würde. Dabei sei dies aufgrund komplexerer Elektronik kaum mehr der Fall. In der ganzen Schweiz fehlten der Zweiradbranche schätzungsweise 50 bis 100 Lehrlinge, so Fuchs.

Doch nicht nur in der Motorradbranche gibt es freie Ausbildungsplätze. Die Situation auf dem Lehrstellenmarkt sieht im Allgemeinen recht gut aus, sagt André Monhart, Stellvertretender Leiter der kantonalen Berufsberatung: «Man hat befürchtet, dass sich die Wirtschaftskrise negativ auf den Lehrstellenmarkt auswirkt. Doch das war nicht der Fall.»

Im Kanton Zürich wurden per Ende April rund 10 Prozent mehr Lehrstellen angeboten als im Vorjahr, und 252 mehr waren noch offen. Dies führt Monhart vor allem auf ein gesundes «Bewusstsein für Nachwuchs» zurück. Und: «Verschiedene Förderprogramme und Kampagnen zahlen sich nun aus.»