Hackerangriff belastet das Ergebnis der Auto AG Group

Auch der Trend zu kleineren Nutzfahrzeugen macht sich im Jahresergebnis des Unternehmens aus Rothenburg bemerkbar.

Christopher Gilb
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Der Sitz der Auto AG in Rothenburg.

Der Sitz der Auto AG in Rothenburg.

Bild: Nadia Schärli (16. April 2019)

Im August letzten Jahres wurde die Auto AG Group in Rothenburg Opfer eines Hackerangriffs (wir berichteten). «Dieser legte unsere gesamte IT-Infrastruktur lahm», so Verwaltungsratspräsident Walter Huber an der Bilanzmedienkonferenz am Mittwoch. Alle Daten hätten in der Folge mithilfe externer Partner während einer Woche gesichert und wiederhergestellt werden müssen. Kosten: Mehrere hunderttausend Franken. «Das hat sich substanziell im Geschäftsergebnis 2019 niedergeschlagen», so Huber.

Ein weiterer Grund, wieso das Ergebnis des Nutzfahrzeug- und Transportunternehmens etwas schlechter als im Vorjahr ausfiel: Obwohl bei dem Verkauf von Nutzfahrzeugen mit 1571 ein neuer Rekordwert erzielt wurde, nahm das Unternehmen weniger Geld damit ein. Denn der Trend geht weg von schweren hin zu kleineren Nutzfahrzeugen. Denn durchs Wachstum des Onlineshoppings gehen bekanntlich die Waren vermehrt direkt vom Hersteller zum Kunden und nicht mehr erst zum Grossverteiler, sodass öfters kleinere Stückzahlen geliefert werden, wozu dann nicht mehr so grosse Fahrzeuge benötigt werden.

Investitionen in neue Antriebsformen

Praktisch gleich wie im Vorjahr sei der Bereich ÖV geblieben. Mit 35 Bussen wurden insgesamt 6,87 Millionen Fahrgäste auf insgesamt 2,7 Millionen Kilometer befördert. Dies entspricht gemäss CEO Marc Ziegler einer Zunahme von 0,7 Prozent zum Vorjahr 2018. Zufrieden zeigten sich die Verantwortlichen mit dem letztes Jahr neu lancierten Angebot der Auto AG Bus. Diese bietet Personentransporte ausserhalb vom ÖV etwa im Schulbusbereich. Was gefragt sei. Auch aufs nächste Schuljahr hätten schon mehrere neue Verträge mit Schulen abgeschlossen werden können. Der Personalbestand des Unternehmens aus Rothenburg wuchs indes 2019 von 395 auf 407. Dieses Wachstum sei auf das neue Geschäft der Auto AG Bus zurückzuführen. Anderseits investiere das Unternehmen weiterhin viel in die Ausbildung angehender Berufsleute. 2019 wurden insgesamt 51 Lernende beschäftigt.

Als wichtigstes Ziel, wofür auch im letzten Jahr investiert wurde, gab Ziegler aus, «dass unsere Werkstätten bereit für alle Antriebsarten sind.» Die Auto AG setzt sich stark mit neuen Antriebsformen auseinander und wolle diesbezüglich auf der Höhe der Zeit sein. Dazu passt auch, dass das Unternehmen seit Anfang 2020 exklusiver Partner für den Unterhalt aller Hyundai-Wasserstofflastwagen in der Schweiz ist und zudem den Elektrotransporter Maxus des chinesischen Herstellers Saic vertreibt. Ein erster H2-Wasserstofflastwagen von Hyundai sei im Februar in der Schweiz eingetroffen und werde nun von der Auto AG gemeinsam mit den südkoreanischen Ingenieuren getestet. «Das Ziel ist, bis 2025 1600 dieser Lastwagen in der Schweiz zu haben», so Marc Ziegler. Er rechnet damit, dass erste Fahrzeuge im Spätsommer ausgeliefert werden können.

Kurzarbeit ist ein Thema

Vorwärts geht es auch beim geplanten Gewerbepark A2 in Rothenburg. Das Projekt umfasst 10000 Quadratmeter Büro- und Gewerbefläche mit Parkhaus. Hierfür liege jetzt die Baubewilligung vor. Der Baustart sei noch für 2020 geplant, abhängig davon, wann Ankermieter gefunden würden. Wegen der diversen Projekte blickt die Firma, «auch wenn das Resultat 2019 nicht ganz den Erwartungen entspricht», positiv in die Zukunft, so der Tenor.

Wie wirkt sich die aktuelle Coronakrise auf die Geschäfte der Auto AG aus? Während in den Werkstätten weiter gearbeitet wird, seien die Chauffeure derzeit nur zu 50 Prozent ausgelastet. «Derzeit können wir das durch den Abbau von Überstunden kompensieren», so Ziegler. Falls die Situation sich aber bis in den Mai hinaus ziehe, müsse Kurzarbeit angemeldet werden. «Diese haben wir vorsorglich schon angemeldet und bewilligt bekommen.» Zur Sicherung der Liquidität des Unternehmens beantragt der Verwaltungsrat für die kommende Generalversammlung, auf eine Dividende zu verzichten.