HALBJAHR: CS steht im Schatten der UBS

Trotz solidem Ergebnis wird die Credit Suisse an der Börse bestraft. Die guten Vorgaben der US-Banken und der UBS hatten die Erwartungen hochgeschraubt.

Lukas Scharpf
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Ein Drittel mehr Gewinn, deutlich mehr Neugelder: CS-Chef Brady Dougan kommt beim Umbau der Grossbank gut voran. (Bild: EQ/Melanie Duchene)

Ein Drittel mehr Gewinn, deutlich mehr Neugelder: CS-Chef Brady Dougan kommt beim Umbau der Grossbank gut voran. (Bild: EQ/Melanie Duchene)

Unter dem Strich hat die Credit Suisse im zweiten Quartal 1,045 Milliarden Franken verdient. Das liegt über den Erwartungen der Analysten (Konsens von 1,015 Milliarden). Es bedeutet zudem auch über einen Viertel mehr Reingewinn als in der Vergleichsperiode 2012 (rund 788 Millionen Franken). Trotzdem verlor die CS-Aktie gestern nach der Veröffentlichung der Resultate – in einem generell schwachen Markt. Die UBS verlor 0,89 Prozent und auch der SMI lag am Abend 0,79 Prozent tiefer. Mit einem Minus von 3,27 Prozent zeigten die Anleger ihre Enttäuschung der Credit Suisse aber deutlich.

Das hängt aber nicht mit den Resultaten der CS zusammen. Die Halbjahresresultate der US-amerikanischen Banken wie JP Morgan, Bank of America oder Goldman Sachs mit einem starken Investment Banking waren sehr positiv. Im Gegensatz zur UBS ist dieser Geschäftsbereich immer noch ein grosses Standbein bei der CS. Anfang Woche überraschte dann noch die UBS mit ihren sehr guten Vorabzahlen. «Die Erwartungen wurden hochgeschraubt, insofern sind die Marktreaktionen etwas ungnädig ausgefallen», sagt Arno Endres, Leiter Finanzanalyse bei der Luzerner Kantonalbank.

Starkes Investment Banking

Der Vorsteuergewinn im Investment Banking, der der CS auch schon böse Verluste eingebrockt hatte, nahm gegenüber dem Vorjahresquartal von 314 Millionen auf 754 Millionen Franken zu. Dazu trugen sowohl der Aktien- und der Anleihenhandel, als auch das Emissions- und Beratungsgeschäft bei. Konzernchef Brady Dougan sieht dies als Beleg dafür, dass die Sparte auch in einem schwierigeren Umfeld gute Resultate liefern kann. Die Analysten hatten aber mit mehr gerechnet.

Im Resultat zeigt sich auch die Anfälligkeit des Geschäftsbereichs. Im ersten Quartal hatte das Plus noch deutlich höhere 1,3 Milliarden Franken betragen. Die Ende Juni verbreitete Sorge, die US-Notenbank könne ihre Liquiditätsschwemme nicht ungehemmt fortsetzen, hat das Resultat gebremst. Ob sich im Verlauf des Jahres wieder Stabilität breit macht, wie Dougan gestern vermutete, muss sich erst noch zeigen.

Freude am Private Banking

Das Private Banking & Wealth Management, das die Vermögensverwaltung sowie das Schweizer Privat- und Firmenkundengeschäft umfasst, zeigt einen stabileren Verlauf. Es erzielte einen Vorsteuergewinn von 917 Millionen Franken nach 977 Millionen Franken im Vorjahresquartal und 881 Millionen Franken im ersten Quartal 2013.

Zu Buche schlugen Kosten von 100 Millionen Franken für das Abgeltungssteuerabkommen mit Grossbritannien. Zudem hatte die CS im Vorjahr ihre Beteiligung an der britischen Fondsgesellschaft Aberdeen Asset Management mit Gewinn verkauft. Ohne diese beiden Effekte wäre der Vorsteuergewinn von 870 Millionen auf 1,016 Milliarden Franken gestiegen.

Insgesamt konnte die Credit Suisse per saldo Neugelder von 7,6 Milliarden Franken anziehen. «Überraschend positiv war für mich die Entwicklung der Neukundengelder in der Schweiz», sagt Analyst Endres. Immerhin 2,7 der 7,6 Milliarden Franken stammen aus der Schweiz. «Das wird man sicher noch ausbauen wollen», schätzt Endres.

Offensichtlich ist, dass die zwei Schweizer Grossbanken mit ihren Geschäftsmodellen weiter auseinanderdriften. «Es ist ein Vergleich von Äpfeln und Birnen», sagt Arno Endres. Die UBS setzt voll auf die Vermögensverwaltung, während die CS das Investment Banking als starkes Standbein behält. Für die CS kann das Investment Banking sehr lukrativ sein, wenn die Rahmenbedingungen wie in den letzten Monaten stimmen. «Man muss aber auch Durststrecken überstehen. Die Anleger müssen vermutlich damit leben, dass sie bei der CS im Vergleich zur UBS eine Risikoprämie zahlen», erklärt Endres. Das Investment Banking macht das Ergebnis der CS und damit die Aktienkursbewegungen volatiler als bei der UBS.

Kosteneinsparungen greifen noch

Das Restrukturierungsprogramm der CS läuft indes weiter. Laut CEO Brady Dougan sei man etwa bei 60 Prozent des Sparziels von 4,4 Milliarden Franken angelangt. Die CS hat beispielsweise im Private Banking 500 Angestellte weniger als noch Ende März. «Diese Kosteneinsparung wird im dritten Quartal sicher zum Tragen kommen», sagt Analystin Teresa Nielsen von der Bank Vontobel. «In diesem Bereich wird es sicher noch weiterhin bis Ende Jahr Restrukturierungen geben», sagt Nielsen. Durch die Einsparungen sehen Analysten auch gute Chancen für eine Erhöhung der Cash-Dividende für 2013.

Zuversicht in Sachen Steuerstreit

Im Steuerstreit mit den USA hofft die CS auf eine rasche Lösung. Laut Finanzchef David Mathers will man das Problem bis Ende Jahr lösen. Man habe beim Bundesrat ein Gesuch für eine Einzelbewilligung zur Lieferung von Daten gestellt. Diese sei bewilligt worden und man sei daran, die Daten aufzuarbeiten, sagte Mathers gestern an einer Telefonkonferenz.