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HALBJAHRESZAHLEN: Novartis muss sich sputen

Der Pharmakonzern muss bald entscheiden, was er mit seinem Augenheilgeschäft anfangen soll. Der beste Moment für einen Börsengang könnte schon bald vorbei sein.
Daniel Zulauf
Szene aus einem Forschungslabor der Novartis im chinesischen Schanghai. (Bild: Qilai Shen/Getty (Schanghai, 1. Juni 2016))

Szene aus einem Forschungslabor der Novartis im chinesischen Schanghai. (Bild: Qilai Shen/Getty (Schanghai, 1. Juni 2016))

Daniel Zulauf

Joseph Jimenez lässt sich nichts anmerken, aber der Novartis-Chef absolviert gerade ein ziemlich strenges Rennen gegen die Zeit. Im Januar hatte das Unternehmen angekündigt, die «strategischen Optionen» seiner im Augenheilgeschäft tätigen Tochterfirma Alcon zu überprüfen.

Gemeint ist damit eine Fortsetzung des Status quo bis hin zum Verkauf via Börsengang, wie Jimenez gestern anlässlich der Präsentation der Halbjahreszahlen in einer Telefonkonferenz mit Analysten in Erinnerung rief. Der Entscheid soll «voraussichtlich gegen Ende» Jahr fallen. Aber die Novartis-Führung tut gut daran, den Prozess zu beschleunigen.

Börsengänge sind hoch im Kurs

Das Klima für Börsengänge kann kaum mehr besser werden. Im ersten Halbjahr ist das weltweite Volumen für die «Initial Public Offerings» oder kurz IPO genannten Transaktionen um nicht weniger als 90 Prozent auf 83 Milliarden Dollar gestiegen. Fast 800 Firmen fanden mit ihren Aktien den Weg in eine Börse irgendwo auf dem Globus. Nicht zuletzt in der Schweiz scheint das Klima für IPOs hervorragend zu sein. Die japanischen Eigentümer von Landis + Gyr dürften die Aktien ihrer Tochtergesellschaft demnächst mit Erfolg im Publikum streuen und damit mehr als zwei Milliarden Franken einnehmen. Das wäre ein hoher Preis für eine Firma, die in den vergangenen zwei Jahren Verluste geschrieben hat. Auch Alcon schreibt seit geraumer Zeit rote Zahlen. 2016 resultierte bei einem Umsatz von 5,8 Milliarden Dollar ein operativer Verlust von 132 Millionen Dollar, und im Berichtssemester ergab sich aus Gesamtverkäufen von 2,9 Milliarden Dollar ein Minus von 62 Millionen Dollar.

Optisch hält sich der Einfluss dieser schlechten Zahlen auf den Konzerngewinn in Grenzen. So hat Novartis vor allem dank seines Pharmageschäftes in den ersten sechs Monaten aus einem gut gehaltenen Umsatz von 23,8 Milliarden Dollar einen im Vorjahresvergleich nur leicht tieferen Gewinn von 3,6 Milliarden Dollar gezogen. Doch bei Alcon geht es derzeit weniger um den Beitrag zum Konzerngewinn als vielmehr um den Erlös, den die Basler mit dem Verkauf ihrer Alcon-Aktien an der Börse erzielen könnten. Es geht um die «Maximierung des Shareholder Value», wie es in der Medienmitteilung heisst.

Kanadischer Manager lässt Hoffnung aufkommen

Die diesbezüglichen Vorgaben sind ziemlich eindeutig. Jimenez’ Vorgänger Daniel Vasella hatte Alcon für 51 Milliarden Dollar eingekauft, und davon stehen immer noch 17 Milliarden Dollar als immaterieller Wert in der Vermögensrechnung von Novartis. Ein Billigverkauf ist für Alcon also von Beginn weg ausgeschlossen, weil sonst eine Vernichtung von Shareholder Value droht. Der 60-jährige Kanadier Mike Ball, der aktuell höchstbezahlte Manager im Novartis-Stall, soll Alcon für den Verkauf herausputzen. Und der Sanierungsspezialist enttäuschte nicht. Nach Bekanntgabe eines zwar noch bescheidenen im Vergleich zum Schrumpfkurs des Vorjahres aber doch schon hoffnungsvollen Umsatzwachstums (plus 2 Prozent in Lokalwährungen) sagte Ball in bester Verkäufermanier: «Es ist zwar noch zu früh, den Sieg auszurufen, aber alle Zeichen deuten darauf hin, dass die Geschäftseinheit nachhaltig an Stabilität gewonnen hat.» Vielsagend meinte Jimenez: «Das gute Quartal von Alcon verschafft uns Möglichkeiten.» Immerhin fügte der Amerikaner doch noch an, dass sich Alcon vor einem Verkauf über mehrere Quartale hinweg mit Wachstum und steigenden Margen werde beweisen müssen.

Ziel ist Gewinnmarge von 20 Prozent

Doch wie lange sich Alcon am Ende tatsächlich beweisen muss, hängt eben stark vom Appetit der Investoren ab. Ball versprach zweifellos nicht frei von der Absicht, den Gaumen der Anleger anzuregen. Alcon werde längerfristig eine Gewinnmarge von 20 Prozent erreichen müssen. Das wäre dann wahrhaftig ein spektakulärer Turnaround.

Im Pharmageschäft gelang den Baslern die Wahrung des Besitzstandes. Stark abnehmende Verkäufe aus grossen Medikamenten, die ihren Patentschutz verloren haben, können weiterhin mit steigenden Einnahmen aus neuen Präparaten ausgeglichen werden. Doch das Umfeld für die grossen Pharmakonzerne dürfte in den nächsten Jahren nicht einfacher werden. Der Preisdruck nimmt zu – selbst im US-Markt. Im Berichtsabschnitt musste der Generikahersteller Sandoz deswegen Einnahmenausfälle hinnehmen. Aber auch die ­innovative Spitzenmedizin dürfte von dieser Entwicklung nicht unbehelligt bleiben.

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