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HALBLEITER: Kampf um ein Vorzeigeunternehmen

Der Übernahmekampf um den amerikanischen Technologiekonzern Qualcomm spitzt sich zu. Morgen entscheidet die Qualcomm-Generalversammlung, ob künftig die Vertreter von Broadcom im Verwaltungsrat das Sagen haben werden.
Renzo Ruf, Washington
Qualcomm-CEO Steve Mollenkopf an der Elektronikmesse Consumer Electronics Show. (Bild: Patrick T. Fallon/Bloomberg (Las Vegas, 6. Januar 2017))

Qualcomm-CEO Steve Mollenkopf an der Elektronikmesse Consumer Electronics Show. (Bild: Patrick T. Fallon/Bloomberg (Las Vegas, 6. Januar 2017))

Renzo Ruf, Washington

Die feine Irwin M. Jacobs Qualcomm Hall, benannt nach einem der Gründer des kalifornischen Technologiekonzerns, bietet Platz für 534 Gäste. Wenn sich morgen Dienstag die Qualcomm-Aktionäre in der Konzerthalle zur jährlichen Generalversammlung treffen, werden wohl sämtliche Sitze besetzt sein – schliesslich steht die Kulmination eines seit Wochen dauernden Kampfes um die Vorherrschaft des Halbleiterherstellers, gegründet 1985 in San Diego, auf dem Programm.

Initiator der feindlichen Übernahme ist Broadcom. Der Technologiekonzern, dessen Hauptsitz sich (noch) in Singapur befindet, versucht seit November des vergangenen Jahres, den Verwaltungsrat von Qualcomm von einer Heirat zu überzeugen. Bisher lehnte Qualcomm aber sämtliche Avancen – zuerst ein Gebot von 70 Dollar pro Aktie, dann 82 Dollar pro Aktie – entschieden zurück. Die Begründung: Das Angebot sei zu tief (obwohl die Qualcomm-Aktie seit November nie über die Marke von 69 Dollar geklettert ist), die Aussichten, dass die Aufsichtsbehörden das Zusammengehen bewilligen würden, zu unsicher und die Strategie von Broadcom zu vage.

Sicherheitspolitisch wichtige Branche

Deshalb ruft der Qualcomm-Verwaltungsrat auch zur Wiederwahl der elf amtierenden Mitglieder des «Board of Directors» auf. Broadcom wiederum schickt am morgigen Dienstag elf neue Kandidaten ins Rennen, um die Macht im Verwaltungsrat zu übernehmen. Mit diesem Manöver hofft Broadcom, die Blockade zu überwinden.

Der Ausgang dieses Stellvertreterkampfs wird nicht nur in San Diego mit Spannung verfolgt, sondern auch in Washington. Denn Broadcom ist zum einen ein Vorzeigekind der Wirtschaftspolitik von Donald Trump; im November 2017 kündigte der Präsident höchstpersönlich an, dass der Konzern bald seinen Firmensitz von Singapur zurück in die USA verlegen und künftig wieder vollständig in Amerika Steuern bezahlen werde.

(Kurzer Exkurs: Broadcom wurde 1991 in Irvine, Kalifornien, gegründet und verfügt in San Jose, Kalifornien, immer noch über ein starkes amerikanisches Standbein. 2016 wurde das Unternehmen aber durch den singapurischen Konzern Avago Technologies übernommen, der durch den Tausendsassa Hock Tan kontrolliert wird. Nach abgeschlossener Übernahme beschloss Hock Tan, dass Avago künftig unter dem Namen Broad­com auftreten werde.)

Zum anderen ist Qualcomm in einer Branche tätig, die auch sicherheitspolitisch eine wichtige Rolle spielt. So sind die Amerikaner derzeit daran, einen neuen 5G-Netzstandard für die Mobilfunktechnologie zu entwickeln – ein Ziel, das auch der chinesische Konkurrent Huawei anstrebt. Ausserdem ist Qualcomm auch für die amerikanische Regierung tätig. Deshalb wird früher oder später auch die Aufsichtsbehörde CFIUS (Committee on Foreign Investments in the United States) ihr Einverständnis für die feindliche Übernahme durch Broadcom geben müssen. Beim CFIUS handelt es sich um eine Regierungsbehörde unter der Führung des Finanzministeriums, die Auswirkungen ausländischer Investitionen auf die nationale Sicherheit in den USA untersucht.

Obwohl die Beratungen des Gremiums geheim sind, ist es ein offenes Geheimnis, dass es den ausländischen Bemühungen, amerikanische Technologiekonzerne zu kontrollieren, skeptisch gegenübersteht. So torpedierte das CFIUS im vorigen Monat die Übernahme des Halbleiterherstellers Xcerra durch ein chinesisches Unternehmen, das die Unterstützung von Regierungsstellen in Peking geniesst. Das «Wall Street Journal» berichtete vor kurzem, dass sich die Mitglieder des CFIUS nicht einig darüber seien, wann sie offiziell eine Untersuchung der Broadcom-Avancen aufnehmen dürfen. Während die Vertreter des Pentagons und des Justizministeriums ein aggressiveres Vorgehen befürworteten, mahnt Finanzminister Steven Mnuchin zur Zurückhaltung.

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