HAMBURG: Wie VW das Abgas-Problem lösen könnte

VW kämpft mit den Folgen des Skandals um manipulierte Software in der Steuerungselektronik von weltweit elf Millionen Diesel-Fahrzeugen. Im Januar soll eine Rückrufaktion gestartet werden. Wie aber geht das technisch?

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Zu Nachbesserungen hat sich VW bislang bedeckt gehalten. Im Bild: VW-Fahrzeuge bei Amag in Lupfig. (Bild: Keystone / Walter Bieri)

Zu Nachbesserungen hat sich VW bislang bedeckt gehalten. Im Bild: VW-Fahrzeuge bei Amag in Lupfig. (Bild: Keystone / Walter Bieri)

Worin liegt das Grundproblem überhaupt?

Viele Einzelheiten sind bislang nicht klar, zumindest öffentlich. Der Vorwurf der US-Umweltschutzbehörde EPA lautet, dass VW eine Software eingesetzt hat, um die Abgasreinigungssysteme von bestimmten Fahrzeugen bei Testläufen anders zu kalibrieren als im Alltagsverkehr.

Betroffen sind demnach einerseits Fahrzeuge mit einem SCR-Katalysator, der den Ausstoss von Stickoxiden (NOx) durch Einspritzung einer wässrigen Harnstofflösung in den Abgasstrang durch eine chemische Reaktion stark senkt. Andererseits sollen laut EPA auch Modelle mit NOx-Speicherkatalysatoren betroffen sein. Das sind Katalysatoren, die mit Materialien beschichtet sind, an denen sich die schädlichen Stickoxide chemisch anlagern.

Was bewirkt die Manipulationssoftware?

Auch dazu fehlen bislang definitive Antworten. Im Fall der SCR-Katalysatoren legen die bislang vorliegenden Informationen der US-Behörden den Verdacht nahe, dass das Programm im Normalbetrieb die Harnstoffeinspritzung in den Abgasstrang unter das eigentlich erforderliche Mass senkt, wodurch der Reinigungseffekt kleiner wird.

Speicherkatalysatoren für Dieselfahrzeuge haben nur eine begrenzte Aufnahmekapazität für Stickoxide und müssen in gewissen Abständen «regeneriert» werden. Dafür muss die Motorensteuerung zumindest kurzzeitig mehr Kraftstoff in die Kolben einspritzen als üblich, um einen Luftmangel im Abgasstrom zu erzeugen. Eventuell setzt die Software hier beim Motorenmanagement an, das ist aber nicht klar.

Was muss VW jetzt tun?

Zu den Details der nötigen Nachbesserungen hat sich der Autobauer bislang recht bedeckt gehalten. Grundsätzlich gibt es zahlreiche Stellschrauben, um die Leistungs- und Emissionswerte zu beeinflussen. Die Nachbehandlung der Abgase durch Katalysatorentechnik ist dabei nur eine.

Gemäss neuesten Äusserungen des Konzernchefs kommen je nach Modell für VW offenbar grundsätzlich drei Varianten in Frage: In den allermeisten Fällen reicht demnach ein Software-Update in der Werkstatt, bei manchen Modellen könnten aber auch neuen Injektoren (Einspritzdüsen im Motor) oder Katalysatoren nötig sein, damit die Modelle letztlich die versprochenen NOx-Emissionswerte einhalten.

Injektoren etwa sind ein wichtiges Konstruktionselement und haben grossen Einfluss auf die Abgasbildung im Motor. Moderne Hochleistungsventile können dazu beitragen, dass Stickoxide gar nicht erst entstehen.

Letztlich dürften die VW-Ingenieure nach Ansicht von Experten derzeit die Effekte von diversen möglichen Nachbesserungsvarianten auf die betroffenen Modelle genau analysieren, um die effektivste Art der Abhilfe herauszufinden. Dabei geht es vermutlich nicht allein um Kosten oder Aufwand, auch die Verfügbarkeit von Ersatzteilen dürfte angesichts der grossen im Raum stehenden Autozahl eine Rolle spielen.

sda