HANDEL: Nächste Runde im Preiskampf

Schweizer Detailhändler kaufen auf dem grauen Markt im Ausland ein. Sie umgehen so hohe Preise. Konsumenten können sich daher aufs Jahr 2013 freuen.

Nelly Keune
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Denner kauft gewisse Produkte nicht mehr direkt beim Produzenten sondern im billigeren Ausland ein. (Bild: Dominik Hodel / Neue ZZ)

Denner kauft gewisse Produkte nicht mehr direkt beim Produzenten sondern im billigeren Ausland ein. (Bild: Dominik Hodel / Neue ZZ)

Warum teuer bezahlen, wenns auch anders geht? Das sagt sich der Schweizer Discounter Denner und kauft Kinderschokolade, Nutella und Ferrero Rocher nicht mehr beim italienischen Hersteller Ferrero ein. Dieser wollte nicht mit den Preisen runter und hat sich geweigert die Wechselkursvorteile weiterzugeben. Die Kunden müssten deswegen in Zukunft aber nicht auf Nutella und Co. verzichten, sagt Denner-Sprecherin Grazia Grassi. Statt vom Hersteller besorgt sich der Discounter die Produkte nun auf dem grauen Markt im Ausland und importiert sie dann in die Schweiz.

Versteckspiel mit Hersteller

Der Weg dieses sogenannten Parallelimports ist nicht neu und hat seine Schattenseiten. Denn die Schweizer Detailhändler müssen bei Lebensmittelketten, Grossisten oder Herstellern, die im Lohnauftrag für Ferrero produzieren, möglichst grosse Menge einkaufen. «Wir müssen aber sicherstellen, dass wir das Produkt dem Kunden langfristig günstiger anbieten können», erklärt Grasse. Das ist allerdings nicht immer ganz einfach. «Denn der Markenproduzent versucht meistens, unseren Graumarktlieferanten ausfindig zu machen und diesen auszuschalten», sagt Grassi. Dies mache er, weil er weiterhin höhere Preise für den Verkauf in die Schweiz verlangen will.

Ab nächste Woche gehts nun runter mit den Preisen bei Denner. 450 Gramm Nutella kosten nur noch 2.95 statt 3.45 Franken, Kinder-Riegel (10 x 21 g) 20 Rappen weniger.

Coop legt beim Umsatz zu

Doch nicht nur bei Denner dreht sich die Preisspirale weiter nach unten. Auch bei Coop sind die Preise im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent (ohne Tankstellen und Heizöl) gesunken. Trotzdem konnte das Unternehmen den Umsatz leicht steigern. So geht die Preispolitik der Schweizer Detailhändler offensichtlich auf. Auch die Migros hat im vergangenen Jahr die Preise von 2000 Produkten nach unten angepasst. Wie sich der Umsatz des Detailhandelsriesen entwickelt hat, wird aber erst in knapp vier Wochen bekannt gegeben.

Besonders gut gelaufen bei Coop sind im vergangenen Jahr die Produkte der Bio-Linie Naturaplan (plus 4,5 Prozent Umsatz) und die Bergregionprodukte unter dem Label Pro Montagna (+12,7). «Wir haben im guten Weihnachtsgeschäft wieder festgestellt, dass die Schweizer viel Wert auf gute Qualität legen und auf Produkte aus der Schweiz», erklärt Coop-Sprecherin Denise Stadler. «Natürlich wissen wir aber nicht, wie viel besser sich der Umsatz ohne den Einkaufstourismus entwickelt hätte», fügt sie an.

Detailhandelsexperte Gotthard F. Wangler sieht das leichte Plus beim Umsatz von Coop gar als klaren Entwicklungstrend: «Das leichte Umsatzplus von 1,5 Prozent von Coop zeigt, dass die Schweizer sich entschieden haben: Sie kaufen grossmehrheitlich im Inland ein.» Er rechnet damit, dass der Ertrag auf ähnlichem Niveau liegen wird. «Besonders vor dem Hintergrund, dass Coop Markenprodukte verkauft, deren Preise der Konsument einfach vergleichen kann, ist das ein wirklich gutes Ergebnis», betont Wangler. «Wenn die Migros, die ihren Umsatz in 25 Tagen bekannt gibt, ähnlich gut dasteht, ist es wirklich nicht so schlimm mit dem Einkaufstourismus», fügt er an.

Die anderen ziehen mit

Für die Detailhändler gehören Preisabschläge aber weiter zum Alltag, denn die Konsumenten vergleichen noch immer eifrig mit dem nahen Ausland.

Auch bei Coop sucht man stetig nach Wegen, die Preise zu senken. «Wir haben unsere eigene Preisstrategie, und auch im laufenden Jahr werden bestimmte Produkte günstiger. Wir importieren seit Jahren parallel», sagt Stadler und trumpft gerade mit einem Beispiel für einen Graumarktpreis auf. «Im Januar bieten wir Toffifee (125 g von Storck) für 1.55 statt 1.95 Franken Normalpreis an.» Auch der deutsche Discounter Lidl will sich von Denners Preisoffensive nicht abhängen lassen. «Wir ziehen mit», wird eine Sprecherin im «Sonntagsblick» zitiert. Den Kunden wird es freuen.