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HANDELSSTREIT: Chimerica – Partner und Rivalen

Die Strafzölle des US-Präsidenten Donald Trump richten sich gegen China. Damit trifft die US-Regierung aber wohl die Falschen, denn Peking hat seine Hausaufgaben in der Stahlproduktion längst gemacht.
Felix Lee, Peking
2,9 Prozent der US-Stahlimporte stammen direkt aus China. (Bild: Getty (Dalian, 15. Mai 2017))

2,9 Prozent der US-Stahlimporte stammen direkt aus China. (Bild: Getty (Dalian, 15. Mai 2017))

Felix Lee, Peking

Nun hat Donald Trump seine Drohung wahr gemacht. Im Beisein von Stahlarbeitern hat der US-Präsident am Donnerstagabend im Weissen Haus zwei Proklamationen unterzeichnet. Die eine sieht Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahlimporte vor, die andere 10 Prozent Strafzölle auf Aluminiumeinfuhren. Dieser Beschluss soll binnen 15 Tagen in Kraft treten. Die Strafzölle richten sich insbesondere gegen China, wie Trump in den letzten Tagen mehrfach betonte.

Ein Handelskrieg ist damit noch nicht entfacht. Denn dafür braucht es mindestens zwei Seiten. China bezeichnete Trumps Strafzölle gestern Morgen zwar als einen «schweren Angriff auf die internationale Handelsordnung». Die chinesische Führung in Peking werde «wirksame Massnahmen» ergreifen, heisst es in einer Stellungnahme des chinesischen Handelsministeriums. Doch konkret ist Peking bislang nicht geworden. Anders als in Europa, wo seit mehreren Tagen grosse Aufregung über Trumps geplante Zölle herrscht, blickt Chinas Führung dem Streit betont entspannt entgegen.

Für Stahlbranche war Chinas Hilfe zu viel des Guten

Pekings Gelassenheit lässt sich damit erklären, dass China überhaupt nicht mehr viel Stahl in die USA ausführt. Von den insgesamt 35,6 Millionen Tonnen Stahl, die die USA im vergangenen Jahr importiert haben, kamen gerade einmal 2,9 Prozent aus der Volksrepublik. «Die verhängten Strafzölle sind für China allenfalls eine Irritation», sagt Ökonom Arthur Kroeber vom Beratungsinstitut Gavekal Dragonomics in Peking.

Der Groll der USA auf China ist dennoch gross – und zwar nicht erst, seit Trump im Amt ist. Das Reich der Mitte ist seit Jahren der mit Abstand grösste Stahlproduzent der Welt. Diese Entwicklung geht auf die Weltfinanzkrise von 2009 zurück. Damals war der Rest der Welt dankbar für Chinas Engagement. Mit einem gewaltigen Konjunkturpaket hatte Peking nicht nur das eigene Land vor der Krise geschützt, sondern die Weltwirtschaft insgesamt wieder in Schwung gebracht.

Für die Stahlbranche waren Pekings Staatshilfen jedoch zu viel des Guten. 2016 stellte die Volksrepublik über 800 Millionen Tonnen Rohstahl her – mehr als der Rest der Welt zusammen. Rund 70 Prozent der vorhandenen Überkapazitäten gingen auf China zurück. Massiver Preisverfall war die Folge. In den USA mussten in den letzten 18 Jahren zehn Stahlwerke schliessen. Die Beschäftigung ging um 35 Prozent zurück. Die EU reagierte bereits 2016 auf Chinas Überkapazitäten. Sie erhob auf warm ­gewalztem Stahl aus China Strafzölle von 36 Prozent, auf Grobbleche aus Fernost sogar 74 Prozent. Viel brachten die Zölle nicht. Der billige Stahl aus Fernost fand seinen Weg über andere Märkte und erhöhte dort den Druck. Seitdem kommt der Billigstahl aus Brasilien, Iran und Russland nach Europa.

Chinesen halten Anleihen von 1,15 Billionen Dollar

Genau das ist auch das Problem von Trump: Eine gezielte Verhängung von Strafzöllen auf Stahl nur aus China würde gar nichts nützen. China leitet bereits jetzt schon einen Grossteil seiner Überschüsse etwa nach Kanada und Südkorea um, zwei der drei grössten Stahlimporteure der USA. Wenn Trump nun Kanada doch ausnehmen will wie angekündigt, würde er sein Vorhaben konterkarieren. Trump kommt zudem viel zu spät mit seinen Strafmassnahmen. China hat im vergangenen Jahr seine Produktionskapazitäten in Höhe von 20 Millionen Tonnen gesenkt. In diesem Jahr sollen die Überkapazitäten um weitere 30 Millionen Tonnen abgebaut werden.Tausende der unrentablen Stahlwerke mussten schliessen. Die Auslastung der verbliebenen Werke liegt inzwischen wieder bei 77 Prozent, 80 Prozent gelten im internationalen Vergleich als normal. «Seit 2016 wurde viel korrigiert», sagt China-Analyst Jonas Short von der britischen Investmentbank NSBO.

Nach Ansicht von Ökonom Kroeber haben es Trump und seine handelspolitischen Falken denn auch gar nicht so sehr auf Chinas Stahlbranche abgesehen. Vielmehr wolle Trump generell das Handelsungleichgewicht zwischen China und seinem Land angehen. Es war 2017 mit 375,2 Milliarden Dollar das höchste der US-Geschichte. Trump fordert von China Vorschläge, wie das Handelsdefizit um 100 Milliarden Dollar gesenkt werden kann.

Selbst wenn China sich darauf einlässt – für Trump könnte sich daraus ein neues Problem ergeben. Jedem Exportüberschuss, den China gegenüber den USA erzielt, steht ein Rückfluss an Kapital gegenüber. China hat seine Überschüsse zu einem grossen Teil in US-Schuldpapiere angelegt. Chinesische Gläubiger halten derzeit US-Staatsanleihen und andere Schuldtitel im Wert von 1,15 Billionen Dollar. Wenn das Handelsdefizit nun sinkt, schwindet für Trump eine wichtige Quelle bei der Staatsfinanzierung.

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