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Handelsstreit sorgt für Turbulenzen an den Börsen

Der Swiss Market Index fällt auf den tiefsten Stand seit 18 Monaten. Zudem akzentuiert sich die Flucht in den Franken. Erste Ökonomen rechnen bereits mit negativen Auswirkungen auf die Konjunktur.
Daniel Zulauf
Auch an der New York Stock Exchange war die Stimmung gestern eher negativ. (Bild: Richard Drew/Keystone)

Auch an der New York Stock Exchange war die Stimmung gestern eher negativ. (Bild: Richard Drew/Keystone)

Die zunehmend scharfe Rhetorik im Handelskonflikt zwischen China und den USA verstärkt die Verunsicherung der Investoren an den Finanzmärkten. Weltweit sinkende Aktienkurse und der Kursanstieg traditioneller Fluchtwährungen wie Franken oder Yen spiegeln die wachsenden Befürchtungen, dass der Streit eskalieren und das Wirtschaftswachstum erheblich beeinträchtigen könnte.

Zeichen eines Rückgangs mehren sich

Davon ist den Prognosemodellen der Konjunkturauguren allerdings noch kaum etwas zu erkennen. Die Expertengruppe des Bundes für Konjunkturprognosen hat die bisher gültige Wachstumsvorhersage für die Schweizer Wirtschaft gestern bestätigt. Nach dieser soll die Schweizer Wirtschaft 2018 mit 2,4 Prozent und 2019 noch mit 2 Prozent expandieren. 2017 war das Bruttoinlandprodukt der Schweiz noch um lediglich 1 Prozent gewachsen.

Auch die Credit-Suisse-Ökonomen bekräftigten gestern in Zürich ihren positiven Wirtschaftsausblick. Die Schweiz befinde sich in einem «Mini-Boom», der die Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr um 2,2 Prozent steigen lasse.

Doch allerorten verweisen die Analysten auch auf die wachsenden Risiken aus dem sich seit Wochen zuspitzenden Streit der USA mit den wichtigsten Handelspartners. «Am deutschen Konjunkturhimmel brauen sich derzeit kräftige Gewitterwolken zusammen», stellte gestern auch das Münchner ifo-Institut fest. Die ifo-Ökonomen gehören zu den wenigen, die ihren düsteren Vorahnungen über die möglichen Folgen der amerikanischen Handelsdiplomatie auch schon Platz in der rechnerischen Prognose geben: 2018 werde die deutsche Wirtschaft nur noch mit 1,8 Prozent wachsen. Im Frühjahr hatte das ifo-Institut noch mit einem Wachstum von 2,6 Prozent gerechnet.

Die Befürchtungen sind nicht aus der Luft gegriffen. China kündigte gestern Vergeltung an, unmittelbar nachdem US-Präsident Donald Trump die Prüfung weiterer Zölle in Höhe von 10 Prozent auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar verfügt hatte. Zusammen mit den am Freitag angekündigten Strafzöllen von 25 Prozent auf über 1000 chinesische Produkte im Wert von 50 Milliarden Dollar zielen Trumps Drohungen darauf ab, die Hälfte des gesamten amerikanischen Importvolumens chinesischer Herkunft (505 Milliarden Dollar) mit Strafzöllen zu belegen. China spricht von «Erpressung» und droht mit «entschlossenen Gegenmassnahmen».

«Die Nervosität an den Finanzmärkten hat deutlich zugenommen.»

Die Eskalation des Streites kommt vier Wochen nachdem die Trump-Administration vergeblich versucht hatte, China zu einem konkreten Versprechen zu bewegen, die Importe aus den USA von derzeit rund 130 Milliarden Dollar im Jahr um 200 Milliarden Dollar jährlich auszuweiten. Auch die im Mai von den USA verhängten Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium ziehen Kreise. Nachdem die EU und Mexiko bereits Anfang Juni ein Schiedsverfahren bei der Welthandelsorganisation WTO in Genf angestrengt haben, folgte gestern auch das Efta-Mitglied Norwegen.

Während sich das Welthandelsvolumen immer noch auf dem höchsten Stand seit 2011 bewegt, mehren sich die Zeichen eines Rückgangs. Das WTO-Barometer, das verschiedene vorauslaufende Indikatoren wie globale Exportbestellungen oder Luftfrachtvolumina misst, zeigt seit Mitte Mai eine negative Tendenz. An der chinesischen Leitbörse in Schanghai verloren die Aktien am Dienstag fast 4 Prozent. In den USA taucht der Dow Jones gestern bei Handelseröffnung um 1,5 Prozent. Auch der Swiss Market Index gab weiter Terrain preis (siehe Grafik). Der Schweizer Aktienmarkt fiel diese Woche auf den tiefsten Stand seit 18 Monaten. Allein in den letzten vier Wochen verlor der Index gegen 5 Prozent. Traditionelle Fluchtwährungen ziehen derweil an. 1 Euro kostete gestern zeitweise weniger als 1.15 Franken.

Wahrscheinlichkeit eines Handelskrieges steigt

«Die Nervosität an den Finanzmärkten hat deutlich zugenommen», konstatiert Anastassios Frangulidis, Chefstratege der Genfer Privatbank Pictet. Dies reflektiere das zunehmende Risiko eines globalen Handelskrieges. Nach Frangulidis’ Einschätzung liegt die Wahrscheinlichkeit dafür jetzt bei vielleicht 20 Prozent. Noch vor vier Wochen hatte der Investmentexperte diese Gefahr mit 10 bis höchsten 15 Prozent bewertet.

Der drohende Handelsstreit treffe China in einer «schwierigen Zeit», stellen die Ökonomen von Zurich Insurance fest. Die von Peking getroffenen Massnahmen zur Eindämmung der Verschuldung von Unternehmen und privaten Haushalten hätten erst gerade richtig zu greifen begonnen. Das zeige sich an den unter den Erwartungen gebliebenen Investitionen in Infrastruktur, der tieferen Industrieproduktion und der sinkenden Einzelhandelsumsätze.

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