Gute Zahlen bei Hapimag: Alles neu macht der Chef

Seit Hassan Kadbi die Führung bei Hapimag übernommen hat, scheint sich die Beziehung zwischen Management und Aktionären aufzuhellen. Auch die Resultate zeigen nach oben – was bleibt, sind die Altlasten.

Raphael Bühlmann
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Hapimag-CEO Hassan Kadbi an der letztjährigen Generalversammlung in Baar. Bild: Stefan Kaiser (25. April 2018)

Hapimag-CEO Hassan Kadbi an der letztjährigen Generalversammlung in Baar. Bild: Stefan Kaiser (25. April 2018)

Gute Geschäftszahlen schaffen Vertrauen und Vertrauen sorgt wiederum für steigende Umsätze. Bei Hapimag scheint diese gegenseitige Abhängigkeit von besonderer Bedeutung. Die Aktionäre des Steinhauser Feriendienstleisters sind gleichzeitig dessen Kunden. Ein positives Ergebnis Ende Jahr scheint demnach ebenso wichtig wie die Zufriedenheit der Kunden während der Ferientage in den Hapimag-Resorts. So dürfte nach den Querelen der vergangenen Jahre die jüngste Entwicklung die Aktionäre versöhnlich stimmen: Hapimag schliesst das abgelaufene Geschäftsjahr mit dem konsolidierten Ergebnis von 14,9 Millionen Euro ab – das beste Resultat in der Unternehmensgeschichte und das vierte Jahr in Folge, in dem die Steinhauser in der Gewinnzone landen.

Insgesamt setzte Hapimag im vergangenen Jahr 184,8 Millionen Euro um – 5,1 Millionen mehr als im Vorjahr. «Wir verzeichnen 2018 eine höhere Belegung und mehr Umsätze in den einzelnen Ferienanlagen», erläutert Hassan Kadbi das Ergebnis am Dienstag gegenüber unserer Zeitung. Das Wachstum kam nicht zuletzt deshalb zu Stande, weil man ausgewählte Resorts in der Nebensaison auch für Nicht-Aktionäre zugänglich gemacht habe.

Weniger Arbeitsplätze in Steinhausen

Unter anderem deshalb stiegen die Umsätze in den Resorts gegenüber Vorjahr um 9 Prozent – die durchschnittliche Belegung wuchs von 71,8 auf 72,4 Prozent. Bereits im Januar hat Hapimag bekannt gegeben, in den rund 60 Resorts erstmals über 400'000 Gäste verzeichnet zu haben. Die Übernachtungen erhöhten sich von insgesamt 2'688'525 auf 2'817'253. Dafür sei die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 7,04 auf 6,79 Tage gesunken. Das entspräche dem allgemeinen Markttrend nach kürzerem, dafür häufigerem Urlaub.

Bei Hapimag führt man die unter dem Strich positive Entwicklung nicht zuletzt auf «den frischen Wind» im Unternehmen zurück. Ende 2016 hat Hassan Kadbi die operative Führung übernommen. «Das Management, die Kultur und die Strukturen haben wir in den letzten Jahren komplett umgekrempelt», sagt der CEO. Damit einher ginge vor allem auch eine Reduktion der Kosten. Allein im vergangenen Jahr wurden die Personalaufwendungen am Hauptsitz um 3,6 Prozent gekürzt. Per Ende Jahr gab es bei Hapimag 4,5 Stellen weniger als im Vorjahr.

Auch die Infrastruktur in den Resorts wurde erneuert. Nach über 62 Millionen Euro im Vorjahr, investierte Hapimag letztes Jahr 56,5 Millionen Euro in seine Anlagen. Der Aufwand für Renovationen belief sich auf 22,4 Millionen Euro. Doch man sei erst auf halbem Weg bis ans Ziel. Noch nicht zufrieden ist Kadbi mit dem Tempo bei der Umsetzung der Digitalisierung. Denn nach wie vor ist das Durchschnittsalter der Kunden hoch. Durch eine einfachere Buchungsplattform sollen insbesondere jüngere für das Ferien-Modell von Hapimag begeistert werden.

Ebenfalls offen ist der Ausgang der Sonderprüfung. Hapimag sieht sich nach wie vor mit der von der Aktionärsgruppe Hapimag Ferienclub für Aktionäre (HFA) initiierten Sonderprüfung konfrontiert, die bei den Zuger Justizbehörden hängig ist. Die Aktionäre verdächtigen das ehemalige Management, die Geschäfte der vergangenen Jahre nicht in ihrem Sinn geführt zu haben. Die Rede ist von zu günstig verkauften Immobilien, von einer befremdlich negativen Eigenkapitalentwicklung oder einer intransparenten Rechnungslegung. Kadbi bezeichnet dies als «Altlasten» seiner Vorgänger, mit der er aber umgehen müsse.

Ähnlich sieht das die HFA. «Die Sonderprüfung befasst sich mit Massnahmen und Entscheidungen des Verwaltungsrates sowie Ergebnissen der Vergangenheit», schreibt HFA-Vertreter Frank Dorner auf Anfrage. Es sei nun erfreulich zu sehen, dass Hapimag bessere Ergebnisse liefere. Es sei aber nicht zu erkennen, wie ein aktuelles Unternehmensergebnis frühere Verfehlungen gutmachen könne. Man wisse von einer Vielzahl von «Baustellen», schreibt Dorner. Nebst Renovationen oder der Installation von W-LAN, Klimaanlagen, Geschirrspülern, Mikrowellen oder Backöfen spricht der HFA-Vertreter auch von notwendigen Massnahmen, um insgesamt das Image der Firma zu stärken.

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