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Die Sonderprüfung bei Hapimag beschäftigt zwei Zuger Gerichte

Die an der Generalversammlung beschlossene Sonderprüfung wurde von den Aktionären eingeleitet. Da gleich zwei Verfahren losgetreten wurden, haben die Parteien den Prozess sistiert.
Roman Schenkel
Das Hapimag-Resort in Bodrum an der türkischen Ägäis. (Bild: PD)

Das Hapimag-Resort in Bodrum an der türkischen Ägäis. (Bild: PD)

Die Sommerferien stehen vor der Tür. Schon bald geht der Ansturm auf die Ferienresorts von Hapimag los. Doch statt mit Strandfotos Werbung zu machen, muss sich der Ferienanbieter mit einer gerichtlichen Sonderprüfung herumschlagen. Die an der Generalversammlung von Ende April beschlossene Sonderprüfung wurde von den Aktionären beim Kantonsgericht in Zug initiiert. Allerdings hatte dies ungewollte Auswirkungen: Es sind gleich zwei Sonderprüfungen losgetreten worden – eine beim Zuger Kantonsgericht und eine beim Zuger Obergericht.

Doch der Reihe nach: Seit Jahren schwelt ein Konflikt zwischen der Aktionärsgruppe Hapimag Ferienclub für Aktionäre (HFA) und der Führung des Betreibers von Ferienwohnungen und -anlagen mit Sitz in Steinhausen. An den Generalversammlungen von Hapimag ist dieser Konflikt in den letzten Jahren immer wieder ausgebrochen. Die kritische Aktionärsgruppe HFA fühlt sich vom Management schlecht informiert. Dessen Antworten auf entsprechende Fragen seien nicht plausibel beantwortet worden – wiederholt. Die Aktionäre befürchten, dass Hapimag Verluste verschleiert.

Resorts zu günstig verkauft?

Es gibt drei Hauptstreitpunkte: erstens der Verkauf von Ferienresorts. HFA beschuldigt das Management, die Resorts Kanzelhöhe in Österreich und Chamonix in Frankreich zu günstig verkauft zu haben. Der Grund: Der Käufer verkaufte sie später zu einem wesentlich höheren Preis. Zweitens machen sich die Aktionäre Sorgen ums Eigenkapital des Unternehmens, das innerhalb von zehn Jahren um rund einen Drittel geschrumpft ist. Drittens sei die Rechnungslegung zu wenig transparent.

An der Generalversammlung vom 25. April beantragte die HFA deshalb eine Sonderprüfung der strittigen Punkte – und eine deutliche Mehrheit des Aktionariats stimmte diesem Antrag zu. Ein zweiter Antrag mit weiteren Fragen, der während der turbulenten Generalversammlung eingereicht wurde, fand zwar keine Mehrheit, wurde aber dennoch von Aktionären mit insgesamt 2 Millionen Franken Aktienkapital befürwortet. Das ist aktienrechtlich relevant: Ab ­dieser Schwelle ist es möglich, auch trotz einer Ablehnung eine gerichtliche Sonderprüfung zu beantragen. Deshalb zwei Prüfungen.

Grundlage für eine Verantwortlichkeitsklage

Ziel der Sonderprüfung ist es, die Informationslage der Aktionäre zu verbessern und diesen den Entscheid zu erleichtern, gegen Organe der Firma vorzugehen. Käme heraus, dass die Führung von Hapimag nicht im Interesse der Aktionäre gewirtschaftet hat, kann eine Verantwortlichkeitsklage gegen den Verwaltungsrat oder die Revisionsgesellschaft KPMG erhoben werden.

Damit die Sonderprüfung losgetreten wird, muss nach der Generalversammlung mindestens einer der knapp 110000 Aktionäre das zuständige Gericht anrufen. Das ist laut Hans-Jacob Heitz, Anwalt der HFA, geschehen. Allerdings klären nun gleich zwei Zuger Gerichte ab, ob sie eine Sonderprüfung bei einem Wirtschaftsprüfer in Auftrag geben sollen. Das Zuger Kantonsgericht beschäftigt sich mit dem Antrag, der zwar an der Generalversammlung abgelehnt wurde, aber dennoch genügend Aktienstimmen erhalten hat. Das Zuger Obergericht kümmert sich um den Antrag um Sonderprüfung, den die Mehrheit der Aktionäre angenommen hat.

Kosten von mehreren 100000 Franken

Dieses doppelte Verfahren ist den Parteien nun offenbar zu viel des Guten. Immerhin ist eine Sonderprüfung eine kostspielige Sache. Hapimag-Vizepräsident Stefan Schalch schätzt die Kosten auf mehrere 100000 Franken. Hapimag und HFA haben sich bei einem Gespräch darauf geeinigt, das Verfahren vorerst zu sistieren. Die Parteien versuchen den Inhalt der Sonderprüfung neu zu definieren, um sie auf ein Verfahren zu reduzieren. «Um die Kosten der Sonderprüfung möglichst gering zu halten, haben wir mit Hapimag vereinbart, einzelne Fragen möglichst schon im Vorfeld abzuklären», schreibt HFA -Obmann Frank Dorner auf Anfrage. Ein Expertenteam von HFA und Hapimag wollen nun versuchen, den Fragekatalog zu reduzieren. Zudem sie es das Ziel auf eine lokale Prüfgesellschaft zu setzen, um auch hier Kosten zu sparen.

Eine zweite Gesprächsrunde zwischen HFA und Hapimag ist auf Anfang Juli angesetzt. Sprechen wollen derzeit weder das Gericht, noch eine der beiden Parteien. Zu delikat ist die Angelegenheit, zu gross sind die Differenzen zwischen den Parteien. Keine Seite will die andere brüskieren, damit wenigstens hier ein gemeinsamer Nenner gefunden werden kann. Klar ist aber: Die Sonderprüfung wird kommen, ein Rückzug ist nicht möglich. Die Vertreter des HFA wollen auf jeden Fall daran festhalten. So schnell kehrt keine Ruhe ein im Ferienparadies.

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