Finanzplatz
Happiger Einbruch bei Auslandvermögen auf Schweizer Banken

Depots von Privatkunden bei Schweizer Banken sind heute ein Drittel weniger wert als vor der Finanzkrise. Um 603 Milliarden Franken gingen die Vermögen ausländischer Privatkunden zurück.

Roman Seiler
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Die Wertschriftenbestände von Privatkunden gehen seit Mitte 2007 dramatisch zurück. (Symbolbild)

Die Wertschriftenbestände von Privatkunden gehen seit Mitte 2007 dramatisch zurück. (Symbolbild)

Keystone

536 093 455 000 Franken: Auf so viele Milliarden belief sich Ende Februar der Gegenwert von Wertschriften in Depots ausländischer Privatkunden bei Banken in der Schweiz. Das entspricht noch der Hälfte dessen, was der Finanzplatz gemäss Nationalbank (SNB) im Juni 2007 verwaltet hat. Damals betrugen die Vermögenswerte in Depots ausländischer Privatkunden 1079 Milliarden.

Kurz danach platzte die Hypothekenblase in den USA, was die Weltwirtschaft abstürzen liess. Im Sommer 2008 bekannte sich der Ex-UBS-Banker Bradley Birkenfeld für schuldig, einen reichen US-Steuerhinterzieher unterstützt zu haben. Das war der Anfang vom Ende des Bankgeheimnisses. Heute ist die Schweiz bereit, den automatischen Informationsaustausch einzuführen, ab 2017 liefern Finanzinstitute Daten über Vermögenswerte an den Fiskus ausländischer Kunden.

Profiteur ist der Fiskus

Das ist der Hauptgrund, warum Banken in der Schweiz weniger Geld ausländischer Privatkunden verwalten. Tausende deklarierten in den vergangenen Jahren ihre Gelder bei ihrem Fiskus. Wegen dieser Selbstanzeigen mussten Kunden Nachsteuern und Bussen bezahlen. Ein Teil der Steuersünder transferierte nach der Legalisierung ihre Vermögenswerte zurück in ihr Heimatland. Martin Schilling, Bankenexperte beim Beratungsunternehmen PwC, sagt: «Dieser Effekt dürfte sich auf rund 300 Milliarden Franken belaufen.»

Dazu kommen folgende Punkte:

Kunden sind wegen der in der Finanzkrise erlittenen Verluste vorsichtiger geworden. Sie halten heute meist rund 30 Prozent ihrer bei Banken deponierten Vermögenswerte in Cash. Vor der Finanzkrise waren es rund 10 Prozent. Das Bargeld zählt nicht zur Nationalbank-Statistik der Depotbestände.

Der Gegenwert der Depots wird in Franken umgerechnet. Der ist seit 2007 massiv stärker geworden. Daher sind Wertschriften in Euro, Dollar und anderen Währungen heute sehr viel weniger wert. Das hat sich nach der Aufgabe des Euro-Mindestkurses Mitte Januar weiter verschärft.

Auch die Wertschriftenbestände von in der Schweiz lebenden Kunden sind seit Mitte 2007 um 61 Milliarden Franken geschrumpft. Der Wert inländischer Depots übersteigt nun den der ausländischen.

Die Bewertung der Privatkunden-Depots sank nach dem Ausbruch der Finanzkrise – parallel zum Börsenabschwung. Der ist längst ausgebügelt. Doch der Wert der Wertschriftendepots in- und ausländischer Privatkunden hinkt dem Börsenaufschwung hinterher. Das drückt auf die Gebühreneinnahmen der Banken. Sie sind an die Höhe der Vermögen gekoppelt.

Die Bruttomarge bei Privatkunden liegt heute noch bei 40 bis 80 Basispunkten. Das sind 0,4 bis 0,8 Prozent der verwalteten Vermögen. Daher dürfen Banken in der Schweiz rund zwei Milliarden Franken weniger einnehmen mit der Verwaltung der Wertschriftendepots ausländischer Kunden. Schilling schätzt, dass der darauf erzielte Reingewinn der Geldhäuser um rund 1,5 Milliarden Franken tiefer liegt als vor der Finanzkrise. Gemäss Martin Schilling sind die Gebühren für Privatkunden – je nach der Höhe ihrer Depots – rund zwei Drittel bis die Hälfte höher als bei institutionellen Kunden: «Auf Anlagen von Privatkunden sind die Margen der Banken höher. Aber diese verursachen auch höhere Kosten.»

Der Zuwachs der Bestände inländischer institutioneller Kunden hebt einen Teil der Verluste im Geschäft mit ausländischen Kunden auf. Unter dem Strich schrumpfte der Reingewinn der Banken im hiesigen Vermögensverwaltungsgeschäft um rund eine Milliarde Franken, schätzt Schilling.

Kunden sind anspruchsvoller

Die Zeiten sind vorbei, als Banken mit der Verwaltung unversteuerter, ausländischer Vermögenswerte Extraprofite erwirtschaften konnten. Deshalb sei heute der Wettbewerb zwischen den Finanzplätzen viel härter, sagt Schilling: «Das Geld fliesst nicht mehr einfach so in die Schweiz. Die hiesigen Banken müssen daher das Marketing verstärken, um neue Vermögenswerte aus dem Ausland akquirieren zu können.»

Zudem müssen sie ihre Dienstleistung verbessern. Schilling sagt: «Sie können ihre Margen nur halten oder ausbauen, wenn sie dem Kunden einen Mehrwert bieten können, beispielsweise mit intensiverer Beratung eine höhere Performance erzielen.» Das kostet. Ebenso wie Investitionen in neue digitale Kanäle wie Mobile-Banking. Schilling sagt: «Heute wollen Kunden mit der Bank kommunizieren, wann sie wollen.»