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HAVANNA: Kubas Zigarrenfirmen hoffen auf den noch immer verbotenen US-Markt

Zigarren und Rum gehören zu den beliebtesten Mitbringseln von Kuba-Touristen. Die Geschäfte laufen gut, obwohl der grösste Absatzmarkt USA vor der Haustür tabu ist. Die Kubaner hoffen nun auf ein Ende des US-Handelsembargos.
Denis Düttmann (dpa)
Soll sich 1962 kurz vor den Sanktionen mit 1000 kubanischen Zigarren eingedeckt haben: US-Präsident John F. Kennedy. (Bild: Bettmann Archive)

Soll sich 1962 kurz vor den Sanktionen mit 1000 kubanischen Zigarren eingedeckt haben: US-Präsident John F. Kennedy. (Bild: Bettmann Archive)

Denis Düttmann (DPA)

Würziger Tabakduft liegt in der Halle, an den Wänden rattern ­altersschwache Ventilatoren, chancenlos gegen die schwüle Luft. Mit flinken Händen suchen die «Torcedores» der Zigarrenfabrik La Corona in Kubas Hauptstadt Havanna die Blätter für Einlage und Umblatt heraus. Routiniert zupfen, schneiden und rollen sie die Zigarrendreher – nach wenigen Minuten liegt eine perfekte Cohiba auf dem Arbeitstisch.

«Zigarrenrollen erfordert sehr viel Erfahrung und Geschick», sagt die Direktorin für Technologie und Entwicklung, Adriana Gómez. «Jede einzelne Zigarre wird einer strengen Qualitätskontrolle unterzogen. Was unseren Standards nicht genügt, wird aussortiert», betont Gómez. Die Automatisierung hat bei der Produktion noch einen geringen Stellenwert. Hochwertige Zigarren werden nach wie vor von Hand gerollt, dafür bezahlen Liebhaber in Europa und Asien dann auch teilweise über 50 Franken pro Stück.

Symbol der kubanischen Identität

Zigarren gehören zu den bekanntesten Exportgütern Kubas – etwa der Marken Cohiba, Montecristo, Partagás und Romeo y Julieta. «Tabak ist ein Symbol der kubanischen Identität», meint der Direktor der Zigarrenfabrik La Corona, Juan Rico ­López.

2016 verkaufte Kuba Zigarren im Wert von 445 Millionen Dollar. Allein der Absatz des Monopolisten Habanos stieg um 5 Prozent, gemessen am Vorjahr. Das Gemeinschaftsunternehmen des Staatskonzerns Cubatabaco und des spanischen Tabakunternehmens Altadis vertreibt seine Zigarren inzwischen in rund 150 Ländern und kon­trolliert über 70 Prozent des weltweiten Zigarrenmarkts.

Der US-Markt vor der Haustür bleibt den Kubanern aber wegen des Handelsembargos der Vereinigten Staaten gegen die Insel verschlossen. Kurz bevor die Sanktion 1962 in Kraft trat, soll sich der damalige US-Präsident John F. Kennedy mit über 1000 kubanischen Zigarren eingedeckt haben.

Potenzial: 50 Millionen Zigarren pro Jahr

«Wenn die Blockade fallen würde, könnten wir pro Jahr bis zu 50 Millionen Zigarren alleine in den Vereinigten Staaten verkaufen», schätzt Entwicklungsdirektorin López. Immerhin dürfen amerikanische Touristen bis zu 100 Zigarren mit nach Hause nehmen.

Die kubanischen Zigarrenhersteller wollen nun jedoch neue Käuferschichten erschliessen. «Der typische Kunde ist ein älterer, wohlhabender Mann. Wir wollen Zigarren auch für jüngere Leute und Frauen attraktiv machen», sagt López. Dafür werden nun kürzere, dickere Zigarren entwickelt, die sich schneller rauchen lassen. Viele Raucher geniessen ihre Zigarre zudem mit einem Glas Rum. Der Schnaps aus Zuckerrohr ist der zweite Exportschlager Kubas. 3,5 Millionen Kisten Rum à neun Liter etwa exportiert das staatliche Unternehmen Cuba Ron jedes Jahr.

Wichtigster Absatzmarkt im Ausland ist Deutschland, gefolgt von Frankreich und Italien. «Wenn wir in die USA exportieren dürften, könnten wir zwei Millionen Kisten pro Jahr mehr verkaufen», sagt Firmenchef Juan González Escalona. Er rechnet aber mit einem Fall der Handelsbeschränkung: Die Markennamen hat das Unternehmen in den USA schon vorsorglich schützen lassen.

Bacardi-Familie enteignet

Auf dem grössten Rum-Markt der Welt wird das Geschäft von Bacardi dominiert. Die Unternehmerfamilie war nach der sozialistischen Revolution auf Kuba in den Fünfzigerjahren enteignet worden und hatte die Produktion auf die Bahamas verlegt. Cuba Ron brennt in fünf Destillerien auf der Insel den Rum der Bacardi-Marken Havana Club, Santiago de Cuba und Perla del Norte. Acht Rum-Meister überwachen die Qualität und entwickeln neue Sorten.

Kubanischer Rum wird ausschliesslich aus kubanischem Zuckerrohr und mit kubanischem Wasser gebrannt. Ausgebaut wird das Destillat in Fässern, in denen zuvor Whisky gelagert wurde. «Die Qualität des Ausgangsprodukts ist entscheidend. Die Reifung kann den Rum nur verfeinern, aber nicht retten», sagt Cuba-Ron-Chef Escalona. «Wir setzen auf eine möglichst natürliche Herstellung. Wir kennen die modernen Techniken, vertrauen aber vor allem auf die Tradition», sagt González Escalona.

Spitzenprodukt so teuer wie ein Occasionsauto

Den Grossteil der Produktion von Cuba Ron trinken die Kubaner noch immer selbst. Im Ausland steht Rum für Fiesta und karibisches Lebensgefühl. Bartender in deutschen Cocktailbars mixen den einfachen Havana Club für gut zehn Euro in die Drinks. Das Spitzenprodukt von Cuba Ron aber kostet so viel wie ein Occasionsauto: Mehr als 3000 Franken werden für einen halben Liter Santiago de Cuba 500 fällig.

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