Alstom
Headhunter reissen sich um Ingenieure

Alstom stehen schwere Zeiten bevor: Nachdem der Konzern einen Kahlschlag verjündet hat, sind Alstom-Ingenieure auf dem Arbeitsmarkt gefragter denn je.

Sabina Sturzenegger
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Die Ingenieure von Alstom müssen sich nicht sorgen.

Die Ingenieure von Alstom müssen sich nicht sorgen.

Über dem Himmel des französischen Industriekonzerns Alstom hängen bedrohliche Gewitterwolken, seit vor zwei Wochen der Plan für den Abbau von 750 Mitarbeitenden in der Schweiz – hauptsächlich in Baden und Birr – bekannt geworden ist. Wenig erstaunlich ist es deshalb, dass sich viele Alstom-Mitarbeitende nach einem neuen Job umsehen.

Kein Problem, einen solchen zu finden, sollten die Ingenieure haben – besonders wenn sie jung und gut ausgebildet sind sowie bereits einige Jahre Berufserfahrung mitbringen. In der Schweiz herrscht seit längerer Zeit ein Mangel an Ingenieuren, die Nachfrage nach solchen Fachkräften ist ohnehin gross.

Anrufe von Firmen

Die Alstom soll mit Jobanfragen für Ingenieure inzwischen überhäuft werden. «Mir ist bekannt, dass die Alstom-Leute im Fokus von anderen Unternehmen und Headhuntern stehen», sagt Stefan Studer, Geschäftsführer der Arbeitnehmerorganisation Angestellte Schweiz. Studer hat aus zwei Quellen erfahren, dass Headhunter auf Alstom-Ingenieure angesetzt wurden. Zudem hat ihn kürzlich ein fehlgeleiteter Anruf erreicht: Am Draht war ein Personalchef, der Fachleute aus der Kraftwerksparte suchte.

Die Chancen für andere Industrie-Konzerne, bei Alstom fündig zu werden, stehen nicht schlecht: Alstom beschäftigt schweizweit 2300 Ingenieure. Es gebe immer wieder Firmen, welche die Alstom kontaktierten, bestätigt Sprecher Daniel Schmid. Allerdings kann der Konzern über das Ausmass von allfälligen Abwerbungen keine Angaben machen.

Zudem ist noch unklar, wie viele Ingenieure ihre Stelle überhaupt verlieren. «Die Struktur bei der geplanten Entlassung ist noch offen», sagt Schmid. Die Erfahrung jedoch zeigt: In Zeiten der Unsicherheit und natürlich ganz besonders bei einer Kündigungswelle verlassen die besten Mitarbeiter ein Unternehmen – und nicht diejenigen, denen man ohnehin kündigen wollte.

Wer will die Alstom-Ingenieure?

Über die interessierten Firmen kann man nur spekulieren. ABB – selber in der Kraftwerksparte sowie auf dem Platz Baden tätig – dürfte dazugehören. «Wir haben insgesamt über 100 offene Stellen», sagt ABB-Sprecher Lukas Inderfurth dazu. Zwei Drittel davon sind Ingenieur-Stellen.

Inderfurth kann nicht bestätigen, dass ABB bei Alstom sucht. Aber: «Gerade in Baden, wo beide Firmen ihre Hauptstandorte haben, findet sicher ein Austausch über Jobmöglichkeiten unter den Ingenieuren statt.» Gespräche und Empfehlungen unter den Angestellten würden die Runde machen, zumal unter «Ingenieuren der Kraftwerkbranche in der Schweiz keine sehr grosse Auswahl besteht», wie Inderfurth ergänzt.

Auch auf Ingenieure spezialisierte Headhunter glauben, dass im Schweizer Arbeitsmarkt zurzeit viel passiert. «Suchende Firmen wittern ihre Chance und probieren, Leute abzuwerben, sobald Stellen andernorts überzählig werden», sagt René Barmettler vom Personalspezialisten Jörg Lienert. Allerdings glaubt Barmettler auch, dass es noch verfrüht ist, wegen der Entlassungs-Ankündigung bei Alstom bereits von grossen Fluktuationen und Abwerbungstaktiken auszugehen.