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HEDGE-FUNDS: Die Rückkehr der Heuschrecken

Viele amerikanische Hedge-Funds jagen in Europa nach Rendite. Dabei gehen sie bisweilen höchst unzimperlich vor.
Daniel Zulauf
Das Vorgehen von Hedge-Funds-Managern erinnert zuweilen an gefrässige Heuschrecken. (Bild: Themenbild: Kunstinstallation «Die Plage» von Sipho Mabona)

Das Vorgehen von Hedge-Funds-Managern erinnert zuweilen an gefrässige Heuschrecken. (Bild: Themenbild: Kunstinstallation «Die Plage» von Sipho Mabona)

Daniel Zulauf

«Der Druck wird steigen», prophezeit Franz Odermatt, Hedge-Funds-Analyst bei der Investmentberatungsfirma Crossbow Partners in Baar. Amerikanische Investmentgesellschaften sorgen mit aggressiven und schlagzeilenträchtigen Interventionen in börsenkotierten europäischen Firmen für Aufruhr. Und das ist erst der Anfang. Den Managern, die einen Restrukturierungsbedarf in ihren Unternehmen aus Trägheit oder auch aus sozialen Gründen bislang auf die lange Bank geschoben haben, droht die Zeit davonzulaufen, sagt Odermatt.

Die ultratiefen Zinsen in allen Industrieländern lassen die Investoren immer verbissener nach Gelegenheiten für einen Extragewinn suchen. In New York und London, den beiden Welthauptstädten der Hedge-Funds-Industrie, sind die Aktienmärkte auf dem alten Kontinent als Zielort wieder hoch im Kurs. Verglichen mit Firmenbewertungen an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq sehen selbst bekannte europäische Unternehmen bisweilen günstig aus. So behauptet der neue Nestlé-Aktionär Daniel Loeb mit seinem Third-Point-Funds, dass der vom Markt schon heute mit 260 Milliarden Franken bewertete Lebensmittelmulti mit ein paar Eingriffen in die Unternehmensstrategie noch viel Spielraum nach oben besitze.

Ankündigungen rufen Manager auf den Plan

Auch die neuen US-Aktionäre von Clariant vertreten die Position, beim Baselbieter Spezialchemiehersteller lasse sich ohne die angekündigte Fusion mit Huntsman weit mehr Aktionärswert oder Shareholder-Value schaffen. Oft sind es die Firmen selber, die mit der Ankündigung von Fusionen und Übernahmen die Hedge-Funds-Manager auf den Plan rufen. Sieht das Management in einer bestimmten Firmentransaktion einen finanziellen Mehrwert, dann weiss es offensichtlich mehr als der Markt. Das ist die Logik jener Hedge-Funds, die noch kurz vor Torschluss in solche Transaktionen hineingrätschen, um kraft einer eilends aufgebauten Minderheitsposition einen höheren Preis herauszuholen.

Die Möglichkeiten zur Umsetzung solcher Obstruktionsstrategien sind in Europa weit besser als in Amerika. Eben erst haben Hedge-Funds mit vereinten Kräften die Übernahme des deutschen Arzneimittelherstellers Stada vereitelt. Vermutlich werden sie einen höheren Preis erzwingen können. Auch in der Schweiz geniessen Minderheitsaktionäre mehr Schutz und mehr Rechte, als sie es in den USA tun.

Die grössten Erfolgschancen haben Hedge-Funds in solchen Situationen, wenn sie viele Trittbrettfahrer in Bewegung setzen. «So steigt der Druck auf das Management der Zielgesellschaft», erklärt Odermatt. So ist auch zu erklären, weshalb Daniel Loeb oder die neuen Clariant-Aktionäre mit Pressemitteilungen und mit der Hilfe von spezialisierten PR-Agenturen den Weg in die Medien suchen.

Diskreditierung ist ein typisches Strickmuster

Ein typisches Strickmuster aktivistischer Hedge-Funds ist die Methode der Diskreditierung. Um widerspenstige Manager gefügig zu machen, schrecken die härtesten Hedge-Funds-Manager weder vor persönlichen Angriffen noch vor rechtlichen Drohungen zurück. Die Biografien der grössten Hedge-Funds-Legenden wie Carl Icahn, Bill Ackman oder der Brite Chris Hohn, denen der Ruf des Raubrittertums vorauseilt, sprechen Bände. Die Investoren pflegen bisweilen ganz gezielt das Image der Ruchlosigkeit, denn wie in den Ritterzeiten gilt auch heute noch an den Finanzmärkten: Eine furchterregende Rüstung kann mehr Wirkung erzielen als ein Stich mit der Lanze.

Der neue Aktismus mancher Hedge-Funds-Manager hat freilich auch ganz praktische Gründe, erklärt Peter Meier, Professor am Zentrum für Alternative Investments und Risk Management der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur. Bis vor einiger Zeit hätten Bewertungsunterschiede als Folge von Ineffizienzen auf den Finanzmärkten beispielsweise zwischen Aktien von Nestlé und Unilver Möglichkeiten für lukrative Arbitrage­geschäfte geschaffen. Solche Gelegenheiten gibt es heutzutage nur noch selten. «Um überdurchschnittliche Renditen erwirtschaften zu können, müssen Hedge-Funds-Manager auch das Spiel mit der Erwartungsarbitrage beherrschen», sagt Meier. Was Loeb am Beispiel Nestlé vormacht, spielte der Zürcher Hedge-Funds-Manager Ruedi Bohli zuletzt bei der Fundsgesellschaft GAM und davor beim Cateringunternehmen Gategroup durch.

Garantiert ist der Erfolg auch für Hedge-Funds-Manager nicht. Ackman wettete in den letzten zwei Jahren mit mehr als 4 Milliarden Dollar auf den kanadischen Pharmakonzern Valeant, indem er am Ende selber Hand anlegte. Ein Bilanzskandal und andere Vorgänge führten im Frühjahr zum Kurseinbruch und zur grössten und teuersten Blamage in Ackmans Investorenkarriere.

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