HEIZEN: Pellets schaffen ein gutes Klima

Immer mehr Menschen in der Schweiz entscheiden sich für eine Pellet-Heizung. Damit ist man nicht nur von internationalen Krisen unabhängig. Pellets sind auch gut für das Klima.

Bernard Marks Bernard Marks
Drucken
Teilen
Das Heizen mit Holzpellets bietet denselben Komfort wie eine Ölheizung. (Bild: Keystone / Gaetan Bally)

Das Heizen mit Holzpellets bietet denselben Komfort wie eine Ölheizung. (Bild: Keystone / Gaetan Bally)

Etwas ratlos präsentierte der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am vergangenen Sonntag den 5. Weltklimabericht. Der Weltklimarat (IPCC) rief darin zum schnellen Handeln im Kampf gegen den Klimawandel auf. Die Gefahren des Klimawandels seien drastischer als angenommen. Manche Auswirkungen könnten aber gestoppt werden, wie zum Beispiel der Temperaturanstieg auf der Erde.

Bundesrätin Doris Leuthard sieht die Schweizer Klimaschutzziele durch den Weltklimabericht bestätigt. Sie kündigte in dieser Woche an, mit «ambitiösen Zielen» in die internationalen Verhandlungen für ein verbindliches Klimaabkommen einzusteigen. Bis zum Jahr 2020 will die Schweiz 20 Prozent ihrer Treibhausgas-Emissionen ­reduzieren.

Einen wichtigen Beitrag zum Erreichen dieser Ziele könnte neben Solaranlagen oder Wärmepumpen die Holzenergie spielen. Sie gilt als CO2-neutral, weil Bäume bei ihrem Wachstum gleich viel CO2 binden, wie bei ihrer Verbrennung oder Verrottung wieder frei wird. Zudem ist Holzenergie erneuerbar und damit nach der Wasserkraft eine der wichtigsten Formen der nachhaltigen Energiegewinnung in der Schweiz. Der Anteil am gesamten Energieverbrauch ist in der Schweiz mit 5,9 Prozent aber noch vergleichsweise niedrig. Mehr als ein Drittel davon ist Altholz, welches in Kehrichtverbrennungsanlagen verbrannt wird.

Kein Baum wird für Pellets gefällt

Im Nachbarland Österreich liegt der Holzanteil an der Energiegewinnung schon bei 15 Prozent. Ein grosser Teil davon sind bereits Pellet-Heizungen in Privathaushalten. Holzpellets gelten als ökologisch. Denn im Gegensatz zu Rohstoffen wie Öl, Gas oder Uran (Atomenergie) steht der Rohstoff Holz auch den kommenden Generationen zur Verfügung. Pellets gelten als klimaschonend, weil sie wie Holz CO2-neutral verbrennen. Zur Herstellung von Pellets wird kein Baum zusätzlich gefällt, denn für die Produktion werden die Reste aus der Holzverarbeitung verwendet.

Pellets liegen im Trend. Der weltweite Verbrauch könnte gemäss Studien bis 2025 auf 54 Millionen Tonnen steigen. Den grössten Bedarf hätte Europa mit 38 Millionen Tonnen, gefolgt von Japan und Südkorea mit zusammen 9 Millionen Tonnen und Nordamerika mit 5 Millionen Tonnen. In der Schweiz wurden gemäss dem Verband propellets.ch im vergangenen Jahr 200 000 Tonnen Pellets verbrannt. Das entspricht der Jahresproduktion von zwei Pelletierwerken in Deutschland oder Österreich.

Der erste Unternehmer, der hierzulande auf die Produktion von Pellets setzte, ist Josef Bürli (60) aus Alberswil im Kanton Luzern. Im Jahr 1995 begann er damit, Pellets herzustellen. Heute verkauft der Familienbetrieb rund 15 000 Tonnen des heimischen Naturprodukts. «Das Potenzial für Pellets ist in der Schweiz nach wie vor gross», ist Bürli überzeugt. Auch sein Sohn Peter Bürli (34) sieht Chancen im Markt. Im April dieses Jahres hat er aus diesem Grund das Unternehmen übernommen. Für den jungen Unternehmer ein wichtiger Vorteil an Pellets: «Beim Kauf von Holzpellets bleibt die Wertschöpfung im Land. Dies stärkt die heimische Wirtschaft und schafft neue Arbeitsplätze», sagt Peter Bürli. Hierzulande steigt die Nachfrage nach Holzpellets stetig an. «Der Markt wächst jährlich um zirka 10 bis 15 Prozent», bestätigt Daniel Tschopp, Geschäftsleiter der Tschopp Holzindustrie AG in Buttisholz. Mit 60 000 Tonnen ist die Firma heute der grösste Pellethersteller in der Schweiz. «Man kann mit Holzpellets vollautomatisch heizen und hat denselben Komfort wie mit Öl», erklärt Tschopp. Pellets sind einfach zu handhaben. Die Zustellung erfolgt per LKW. Die Pellets gelangen je nach Art der Pellet-Heizung aus dem Pelletlager automatisch über eine Schnecke oder ein Vakuumsaugsystem in die Brennkammer (siehe Grafik). Der Jahresvorrat eines modernen Einfamilienhauses kann auf zirka 4 m² gelagert werden.

Rund 20 Prozent günstiger

Der Komfort ist ein wesentlicher Grund dafür, warum die Anzahl an Holzpellet-Heizungen in den letzten 20 Jahren von 0 auf heute 23 000 Anlagen zugenommen hat. Ein weiteres Argument für Pellets ist der Preis. «Heizen mit Pellets ist rund 20 Prozent günstiger als mit Öl», sagt Tschopp weiter. Das bestätigt auch Pius Schwarzentruber von der Ökofen-Schweiz GmbH in Menznau. «Mit Holzpellets ist man von internationalen Krisen unabhängig.» Im Juli 2014 kosteten Pellets gemäss einer unabhängigen Preiserhebung von pelletpreis.ch pro Kilowattstunde 8.07 Rappen. Heizöl lag bei 10.26 Rappen pro Kilowattstunde bei einem Einkauf von 3001 bis 6000 Liter und Gas bei 10.4 Rappen.

Die Installation einer Pellet-Heizung kostet laut Agrola zwischen 25 000 und 35 000 Franken. Die Investitionen amortisieren sich durch den günstigen Brennstoff Holzpellet innert zirka 10 Jahren. Die Kantone bezahlen zum Teil Förderbeträge für die Neu- oder Ersatzinstallation von Pellet-Heizungen. Für Anlagen ab 40 bis 70 Kilowatt zahlt zum Beispiel der Kanton Luzern einen Zuschuss von 8500 Franken. Mehr Informationen hierzu auf www.energie.lu.ch.

«Doch wenn jeder Haushalt in der Schweiz mit Pellets heizen würde, hätten wir ein Ressourcen-Problem, wir müssten Pellets importieren», sagt Daniela Bomatter, Geschäftsführerin von Energie Schweiz. Pellets seien nur dann nachhaltig, wenn sie in der Schweiz im Umfang der nachwachsenden Ressourcen genutzt würden, so Bomatter.