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HEIZÖL: Wer jetzt den Tank füllt, spart

Auf Neujahr steigt die Kohlenstoffdioxid-Abgabe auf Heizöl. Wer noch bis Ende Jahr bestellt, kann also sparen. Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um seinen Tank aufzufüllen?
Ein Mitarbeiter beim Auffüllen eines Heizöltanks. (Bild: Gaetan Bally / Keystone)

Ein Mitarbeiter beim Auffüllen eines Heizöltanks. (Bild: Gaetan Bally / Keystone)

Livio Brandenberg

Bis vor wenigen Tagen war das Wetter mild, die Temperaturen hoch. Viele Hausbesitzer hatten anderes im Sinn, als ans Heizöl zu denken. Doch nun hat die Kälte auch die Niederungen erreicht, die ersten Schneeflocken sind am Wochenende gefallen.

«Erfahrungsgemäss nehmen auf die Wintermonate hin die Heizölbestellungen nochmals zu», sagt Evelyne Nikolodi Marti, Leiterin Verkauf und Kundendienst bei der Luzerner Mineralölfirma Schätzle AG. «Schneefall lässt an Heizöl denken», so Nikolodi Marti. Und: «Es gibt Menschen, die erst dann Heizöl bestellen, wenn es draussen kalt wird oder kaltes Duschwasser kommt», sagt Nikolodi Marti.

Diesen Herbst hätten die Konsumenten aber noch einen weiteren Grund, um den Tank bis Ende Jahr bis an die Oberkante zu füllen. Denn per 1. Januar 2016 steigt die CO-Abgabe auf Heizöl und auf Gas von 60 auf 84 Franken pro Tonne CO (siehe Box). Konkret heisst dies: Heizöl verteuert sich um rund 6.90 Franken pro 100 Liter.

Viele haben den Tank gefüllt

In diesem Jahr zeigt sich beim Heizöl aber ein anderes Bild. Denn ein grosser Teil der Konsumenten habe sich dank der guten Preise bereits im Sommer und im Herbst eingedeckt, sagt Nikolodi Marti von der Schätzle AG. Der Heizölpreis fiel Ende August unter 65 Franken pro 100 Liter (siehe Grafik). Nach einem kurzen Anstieg in den folgenden Monaten ist er nun im November wieder deutlich gesunken.

Dass viele Hausbesitzer sich schon im Verlaufe des Jahr mit Heizöl versorgt haben, bestätigt auch Erika Müller, Leiterin Energie bei der Landi Pilatus AG, die das Einzugsgebiet rund um den Pilatus (unter anderem Kriens, Malters, Horw oder Wolhusen) mit Heizöl beliefert. «Ein Grossteil der Leute hat bereits die Tanks füllen lassen», sagt Müller. Sie bestätigt: «Der Sommer lief gut, da die Preise sehr tief waren.»

Der tiefe Heizölpreis war aus Müllers Sicht denn auch der Grund für den Nachfrageanstieg – und nicht die anstehende Erhöhung der Kohlenstoff­dioxid-Abgabe. «Denn wie hoch diese Erhöhung ausfallen würde, kam erst Mitte Sommer aus», sagt Müller.

Was die Heizölbestellungen Ende Jahr betrifft, schliesst Erika Müller allerdings nicht aus, dass einige Konsumenten merken, dass sie noch Bedarf haben. Doch: «Die meisten bereiten sich schon vorher auf den Winter vor», sagt sie.

Kaufwillige können nun profitieren

Auch schweizweit sei dies der Fall, sagt Francesca Romano, Leiterin Kommunikation und Statistik bei der Erdöl-Vereinigung: «Viele Tanks sind momentan noch sehr gut gefüllt, denn der letzte Winter wie auch der bisherige Herbst waren mild, da blieb der Heizölverbrauch überschaubar. Und viele Konsumenten haben von den tiefen Preisen im Spätsommer profitiert.» Aktuell liege die Tankfüllquote in der Schweiz bei 60 Prozent, so Romano. Das sei höher als in anderen Jahren, in denen der Füllgrad normalerweise bei rund 50 Prozent liege, so Francesca Romano.

Wer sich aber im Sommer oder im Herbst noch nicht mit Heizöl eingedeckt hat, der kann jetzt profitieren. Denn die Preise sind zurzeit tief. Im Vergleich zu 2014 sind sie laut Romano sogar «sehr tief». Sie sagt deshalb: «Im Moment ist der Zeitpunkt zum Kauf sicher günstig. Aber jeder Tankbesitzer muss selbst entscheiden, ob er aufgrund des Tankfüllgrads einen Kauf noch weiter hinauszögern kann oder nicht», so Romano. Auch die Öllieferanten raten, zu kaufen: «Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um zu bestellen», sagt etwa Evelyne Nikolodi Marti von der Schätzle AG. Und auch Erika Müller von der Landi Pilatus AG sagt: «Die Preise sind momentan sicher nicht schlecht. Wir raten, die Tanks zu füllen.»

Ein Ansturm ist unwahrscheinlich

Wie ist denn die Nachfrage momentan bei den Ölhändlern? «Die Nachfrage ist immer noch da», sagt Erika Müller. Viele Kunden wollten noch nachfüllen, auch wenn sie bereits im Sommer Heizöl bestellt hätten, so Müller. Bei der Schätzle AG tönt es leicht anders. Die Nachfrage dort ist «eher verhalten», wie Evelyne Nikolodi Marti sagt. Sie führt dies auf die erwähnten tiefen Preise während des Jahres zurück. «Die Kunden scheinen gut eingedeckt zu sein», sagt Nikolodi Marti.

Bleibt damit der in verschiedenen Kreisen vermutete Ansturm auf das Heizöl Ende Jahr aus? Wegen der erneuten Erhöhung der CO-Abgabe – per 1. Januar 2014 wurde die Abgabe bereits angehoben – rechneten zahlreiche Händler und Experten mit einem «Run» auf den Brennstoff. Die Erdöl-Vereinigung, die in stetem Kontakt mit den Händlern steht, erwartet aufgrund der Rückmeldungen von der Front keinen Ansturm, sagt Francesca Romano. «Dieser dürfte ausbleiben, nicht wie vor zwei Jahren, als es im Hinblick auf die damalige CO-Abgabenerhöhung einen massiven Anstieg der Nachfrage gab», sagt Romano. «Die Situation ist nun insofern anders, als damals die Heizölpreise pro 100 Liter um rund 30 Franken höher lagen, man wollte also jeden Rappen sparen», sagt die Fachfrau.

Diese Einschätzung teilt Evelyne Nikolodi Marti vom Ölhändler und -lieferanten Schätzle AG: «Wir erwarten keinen Ansturm.» Denn die Kunden seien durch die Medien und durch ihre Heizöllieferanten frühzeitig über diese Abgabenerhöhung informiert worden, so Nikolodi Marti. Das Wort Ansturm will Erika Müller von der Landi Pilatus AG nicht gebrauchen. Sie sagt aber: «Es kann sein, dass der Heizölmarkt wegen der Erhöhung der CO-Abgabe nun noch einmal anzieht.»

Preise bleiben wohl tief

Lieferengpässe erwarten beide angefragten Heizöllieferanten Ende des Jahres nicht. «Wir können aktuell auch noch kurzfristig ausliefern», sagt etwa Erika Müller von der Landi Pilatus AG. Und auch Evelyne Nikolodi Marti sagt: «Wir erwarten keine Lieferengpässe, doch wir empfehlen, die Heizölbestellung spätestens Anfang Dezember abzuschliessen.» Für die kommenden Monate rechnet Nikolodi Marti weiterhin mit eher tiefen Preisen. Francesca Romano von der Erdöl-Vereinigung ergänzt: «Allgemein kann man sagen: Der Ölmarkt ist und bleibt überversorgt, der Rohölpreis ist seit Herbst 2014 mit Schwankungen auf weniger als die Hälfte gesunken. Davon profitieren auch die Käuferinnen und Käufer von Heizöl.»

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