HELIFLÜGE: Zürich–Davos für 9900 Franken

Für Schweizer ­Helikopterfirmen ist das Weltwirtschaftsforum eine der wichtigsten Einnahmequellen. Zu den Kunden gehören vor allem Wirtschaftsführer.

Hans-Peter Hoeren
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Auf dem Heliport in Davos herrscht während des Weltwirtschaftsforums Hochbetrieb. Das Bild zeigt einen Helikopter des Typs Agusta 109 der Firma Lions Air im Jahr 2010. (Bild: PD)

Auf dem Heliport in Davos herrscht während des Weltwirtschaftsforums Hochbetrieb. Das Bild zeigt einen Helikopter des Typs Agusta 109 der Firma Lions Air im Jahr 2010. (Bild: PD)

Die Helikopter sind seit gestern wieder im Dauereinsatz zwischen dem Flughafen Zürich und dem Heliport in Davos. 2500 Führungspersonen aus Politik und Wirtschaft werden zum 42. Weltwirtschaftsforum (WEF) erwartet. Eröffnet wird die Grossveranstaltung heute Abend mit einer Rede von Mario Monti. Der italienische Ministerpräsident wird bei entsprechender Witterung mit einem Schweizer Militärhelikopter vom Zürcher Flughafen nach Davos fliegen. Ebenso die deutsche Kanzlerin Angela Merkel oder der britische Premier David Cameron.

Doch nicht nur die Politprominenz hat es eilig, nach Davos zu kommen. Auch viele der rund 1500 Firmenchefs und Wirtschaftsvertreter lassen sich per Helikopter von Zürich nach Davos befördern. Dabei greifen sie auf die Dienste privater Schweizer Helikopterfirmen zurück. Seit Ende der 1980er-Jahre ist beispielsweise die Firma Lions Air mit ihren Helikopter-Shuttles am WEF in Davos im Einsatz. Auch gestern organisierte das Unternehmen über ein Dutzend Flüge vom Zürcher Flughafen nach Davos. Lions Air erzielt während des WEF 10 bis 15 Prozent seines Jahresumsatzes. Vorausgesetzt, die Witterung stimmt. Ist das nicht der Fall, müssen die illustren Fluggäste auf Limousinen ausweichen.

Die Preise sind nicht verhandelbar

Entsprechend aufmerksam verfolgt René Schmid aktuell die Wetterprognosen. Der 43-Jährige organisiert bei Lions Air die Helikopterflüge zum World Economic Forum. «Aufgrund der bisherigen Wettervorhersagen sind die Aussichten gut», sagt René Schmid. Rund 15 Flüge pro Tag führt das Unternehmen während des WEF bei normaler Witterung durch. 35 bis 45 Minuten dauert ein Flug: Zu den Fluggästen von Lions Air gehören in erster Linie hochkarätige Firmenchefs aus aller Welt.

Die Zahl der Anbieter in der Schweiz ist überschaubar, neben Lions Air bieten noch wenige andere Firmen Heliflüge von Zürich nach Davos an.

Verhandlungsspielraum für die Flugpreise gibt es keinen, 9900 Franken ist gemäss René Schmid der offizielle Tarif für einen Flug zum WEF. «Das sind in der Branche bei weitem keine Höchstpreise, wir verdienen uns hier keine goldene Nase. Bei einem Formel-1-Rennen beispielsweise werden deutlich höhere Tarife bezahlt», erklärt Schmid. Für einen sechsminütigen Flug von Monaco nach Nizza sei beispielsweise ein Preis von 7500 Euro durchaus üblich.

Hohe Sicherheitsauflagen

«Für die breite Bevölkerung wirken diese Flüge wie Luxus pur. Für die jeweiligen Firmenchefs ist es hingegen nur ein gängiges Mittel, um sich fortzubewegen, so wie für mich das Velo», stellt René Schmid klar.

Die Wirtschaftsführer kämen nur in die Schweiz, wenn das Konzept stimme. «Da geht es um den Anfahrtsweg und um einen überschaubaren Zeitaufwand», sagt Schmid. In Sachen Sicherheit wird dabei nichts dem Zufall überlassen. «Einige Konzerne schicken schon einige Wochen vorher Sicherheitsleute zu uns, um unseren Betrieb zu überprüfen», sagt Schmid. Auch die Hubschrauber und die Lizenzen der Piloten würden dabei einer strengen Prüfung unterzogen. «Sonst gibt es kein grünes Licht für den Flug. Da wir viele Stammgäste haben, wird es aber von Jahr zu Jahr einfacher», sagt Schmid.

«Die meisten sind sehr relaxt»

Zu Beginn der WEF-Flüge Ende der 80er-Jahre waren oft noch einmotorige Helikopter im Einsatz. «Mittlerweile verlangen die Gäste zweimotorige Helikopter mit zwei Piloten» sagt Schmid. Allgemein seien die Sicherheitsvorkehrungen in den vergangenen Jahren stark verschärft worden. «Das Sicherheitsniveau der Helikopterflüge nach Davos entspricht mittlerweile einem weltweiten Topniveau», sagt Schmid. Trotz weltweiter Wirtschaftskrisen sei die Nachfrage nach den Flügen mehr oder weniger konstant geblieben.

Die Branche der Privatjetbetreiber gilt als sehr diskrete Branche. Namen seiner illustren Fluggäste oder gar Anekdoten sind deshalb für René Schmid tabu. «Was mir am meisten imponiert, ist, dass die meisten dieser Kunden relativ relaxt sind. Die Stimmung und die Umgangsformen sind sehr angenehm, das sind Leute wie du und ich», sagt Schmid. Das WEF sei ein Wirtschaftstreffen, bei dem den Teilnehmern auch Zeit für ungezwungene, informelle Kommunikation und die Freude an der Natur bleibe. «Viele der Teilnehmer geniessen es, dass es dabei nicht nur um Performance geht», ist Schmid überzeugt.

Lions-Air-Gruppe

PORTRÄT. hoe. Die Firma Lions Air wurde 1987 vom ehemaligen Swissair-Piloten Jürg Fleischmann gegründet und umfasst heute als Lions Air Group AG mehrere Tochterfirmen. Das Unternehmen ist auf Taxiflüge für Geschäfts- und Privatreisende spezialisiert, führt aber auch Ambulanztransporte durch. Die Gruppe erwirtschaftete 2012 einen Umsatz von gegen 25 Millionen Franken und beschäftigt rund 70 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr wurden 10 Mitarbeiter für die im Jahr 2011 gegründete AAA Alpine Air Ambulance AG neu eingestellt, gleichzeitig investierte das Unternehmen neu in drei Helikopter. Die Flotte der Lions Air Group AG umfasst 8 Helikopter und 5 Business-Jets plus weitere von Partnern.text