Stefan Loacker
Helvetia-Chef warnt vor negativen Auswirkungen der Geldpolitik

Laut Stefan Loacker, Chef der Versicherungsgesellschaft Helvetia, hat die aktuelle Geldpolitik der Nationalbank negative Nebenwirkungen.

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Helvetia-Chef Stefan Loacker. (Archiv)

Helvetia-Chef Stefan Loacker. (Archiv)

«Die Nationalbank vertreibt uns heimische Anleger aus dem Schweizer Kapitalmarkt», hält er in einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag» fest. Man müsse zum Beispiel auf amerikanische Obligationen ausweichen. «Aufgrund der Negativ- und Nullzinspolitik in der Schweiz können wir das Geld unserer Kunden nicht mehr in Schweizer Obligationen anlegen. Da geht es allein bei uns um Milliardenbeträge, die der Schweizer Wirtschaft fehlen.»

Diese Konstellation verschärfe die Notwendigkeit für Reformen im Rentensystem. Heute arbeitstätigen Menschen entgehe ein Teil ihrer Rente aufgrund der tiefen Zinsen und der zu hohen Umwandlungssätze. «Jahr für Jahr müssen wir einen Teil der Erträge den Jungen wegnehmen und direkt den neu Pensionierten geben, denn diese beziehen zu hohe Renten», sagt Loacker. Diese Quersubvention habe die Zinsgutschriften im Vergangenen Jahr um zwei Prozentpunkte reduziert. «Wenn Sie 20 Jahre lang 2 Prozentpunkte weniger Zins erhalten, haben Sie am Ende eine 30 Prozent tiefere Rente!»

Kein Ausbau der Allfinanz

Loacker äussert sich im Interview zu den Gerüchten über ein stärkeres Zusammenwachsen von Helvetia mit der Raiffeisen-Gruppe, die von einer Aussage von Helvetia-Präsident Pierin Vincenz ausgelöst worden waren. «Herr Vincenz hat das Thema genau einmal gestreift», sagt Loacker. «Das war an einem Podium zum Thema Digitalisierung, wo er darauf hinwies, dass diese die Allfinanz womöglich unter eine neue Perspektive stelle. Genau das hat er gesagt. Alles Weitere wurde ihm angedichtet.»

Weitergehende «Fantasien» hätten keine Grundlage, sagt er. «Dazu gab es bisher keinen Strategiedialog.» Er bestreitet dass es einen Interessenkonflikt gebe, weil Helvetia sowohl mit Raiffeisen als auch mit der Bank Vontobel zusammen arbeite. Die zwei Firmen sind beide an Helvetia beteiligt, zuletzt aber auf Distanz zu einander gegangen. «Die Kooperationen sind klar abgesteckt, da gibt es keinen Interessenkonflikt», sagt der Helvetia-Chef. «Das muss auch keine Dreiecksbeziehung sein. Für uns sind das zwei stabile bilaterale Beziehungen.»

Loacker kündigt für das laufende Jahr ein starkes Hypothekarwachstum an. In normalen Jahren schliesse man Hypothekarkredite im Umfang von 150 bis 250 Millionen Franken ab. «2015 wird es sicher zwei- bis dreimal so viel werden.»

Keine Verlängerung mit Federer

Mit dem früheren Nationale-Suisse-Aushängeschild Roger Federer wede man weiterhin zusammen arbeiten, sagt Loacker. Dies, nachdem die Nationale Suisse vor kurzem in der Helvetia aufgegangen ist. In den Werbekampagnen werde Federer aber nicht gross auftauchen. «Die sichtbaren Werbekampagnen werden vom Skisport dominiert sein», sagt Loacker. Zu einer Verlängerung über die bestehende Vertragszeit hinaus ist es offenbar nicht gekommen. «Wir haben bisher keine Verlängerung ausgehandelt», sagt Loacker.