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HELVETIC: Höhenflug eines einstigen Sorgenkindes

Vor zehn Jahren stand die Schweizer Airline vor dem Aus. Dann stieg der Ausserschwyzer Financier Martin Ebner mit seiner Frau ein. Seither befindet sie sich im Steilflug. Sie brachten nicht nur dringend benötigtes Geld.
Dominik Buholzer
Rosmarie und Martin Ebner beim Verlassen des Fliegers. (Bild: Rémy Steiner Photography)

Rosmarie und Martin Ebner beim Verlassen des Fliegers. (Bild: Rémy Steiner Photography)

Dominik Buholzer

Flug 2L8014 nach Palma de Mallorca. Die Stimmung an Bord des Helvetic-Fliegers ist feierlich. Martin Ebner (71) schüttelt unablässig Hände, wechselt immer wieder mal ein paar Worte mit dem Kabinenpersonal. Es herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre.

Vor zehn Jahren ist der Ausserschwyzer Financier Martin Ebner zusammen mit seiner Frau Rosmarie bei Helvetic Airways eingestiegen. Das Unternehmen war damals gerade einmal drei Jahre alt und völlig am Boden. Helvetic hatte sich nach dem Grounding der Swissair angeschickt, die Schweizer Luftfahrtbranche zu erobern. Die Pläne der damaligen Führungscrew waren kühn, das Geld schnell weg. 50 Millionen wurden in den Anfangsjahren verbrannt.

Absage an den Preiskampf

Ebner setzte auf Swissness, eine strenge Kostendisziplin und den Verzicht auf Fremdkapital, mehr Qualität und eine klare Nischenstrategie. Angeflogen werden nur jene Destinationen, die bei den direkten Konkurrenten nicht hoch im Kurs sind und wo der Preiskampf noch nicht so ruinös ist. Sobald sich das Blatt wendet, steigt Helvetic aus. So war Brindisi, wie es intern bei Helvetic hiess, jahrelang eine Goldgrube. Doch dann entdeckten Fluggesellschaften wie Air Berlin oder Swiss die italienische Hafenstadt. Der Flugverkehr nahm zu, die Preise ab, und Helvetic Airways zog sich vor zwei Jahren schliesslich ganz von dieser Destination zurück.

Personalbestand vervierfacht

Helvetic Airways ist zwar längst kein reiner Nischenplayer mehr, doch seit mehreren Jahren auf Erfolgskurs, unter anderem im VIP-Bereich. Gerade beim Transport von Fussballmannschaften machte sich Helvetic europaweit einen Namen. «In ersten zwei Jahren war der Weg steil. Die nächsten acht Jahre waren dann sehr angenehm als Investor», sagt Martin Ebner und macht, wie er selber zugibt, auf Understatement: «Uns geht es heute wirklich gut.» Offizielle Zahlen dazu gibt es nur sehr wenige. Diesbezüglich fährt Helvetic Airways eine sehr defensive Strategie. Fakt ist aber: Helvetic besitzt heute dreimal mehr Maschinen als vor zehn Jahren (13), und der Personalbestand hat sich vervierfacht (450). Und für dieses Jahr sind 26 000 Flüge geplant.

Martin Ebner, als Sie vor zehn Jahren bei Helvetic einstiegen: Was machte Sie so sicher, dass die Rechnung aufgehen würde?

Martin Ebner: So sicher war ich mir nicht. Ich bin geschäftlich viel geflogen und habe gesehen, was man besser machen kann.

Und dies genügte?

Ebner: Es waren die Mitarbeiter, die mich überzeugten. Ich trat vor sie hin und fragte sie, ob sie eine Chance zur Rettung sähen. Neun von zehn haben damals die Hand gehoben. Das gibt einem ein gutes Gefühl.

Die ersten beiden Jahre waren laut Ihrer eigenen Aussage hart. Gab es nie Momente, wo Sie am liebsten alles hingeschmissen hätten?

Ebner: Nein. Aber ich war enttäuscht, in welch schlechtem Zustand sich die Airline wirklich befand. Ich war in dieser Hinsicht zu Beginn ein wenig naiv, hätte noch mehr Abklärungen treffen sollen. Als ich als Investor bekannt war, flogen nämlich plötzlich die Rechnungen nur so ins Haus, weil sie vorher niemand bezahlt hatte.

Was haben Sie dann getan?

Ebner: Ich suchte zuerst das Gespräch mit allen wichtigen Partnern. Am Ende haben alle auf einen Teil ihrer Forderungen verzichtet und uns so einen besseren Start ermöglicht, als wir ihn verdient hatten. Dafür hatten wir ein umso besseres Verhältnis zueinander. Das half uns später sehr.

Heute ist Helvetic auf Erfolgskurs. Haben Sie keine Angst, dass sich das Blatt wieder einmal wenden könnte?

Ebner: Nein, wir wachsen sehr solide. Acht unserer Maschinen stehen fix im Einsatz für die Swiss, eine weitere für die Lufthansa. Das gibt uns eine gute Basis. Und dann haben wir den Vorteil, dass wir über sehr schlanke Strukturen verfügen. Bei uns gibt es keinen solch grossen Overhead wie bei anderen Airlines. Wir produzieren dadurch viel billiger als die Konkurrenz. Bei uns kann sich niemand aus der Verantwortung stehlen. Ich wüsste nicht, weshalb die Rechnung mal nicht mehr aufgehen sollte. Im Gegenteil: Ich erwarte ein weiteres Wachstum. Es zeichnet sich bereits ab.

Acht der 13 Maschinen stehen fix im Einsatz für die Swiss. Das ist ein Klumpenrisiko. Oder anders gesagt: Nur wenn es der Swiss gut geht, geht es auch Helvetic gut.

Ebner: Man kann es auch anders sehen. Weil die Swiss einen Engpass hat, geht es uns gut (schmunzelt).

Helvetic hat in den vergangenen zwei Jahren ihre Flotte erweitert. Steht schon bald der nächste Ausbau an?

Ebner: Das ist möglich. In unserer Langfristplanung ist dies vorgesehen.

Flieger sind eine teure Angelegenheit. Nicht nur in der Anschaffung. Auch im Betrieb verursachen sie hohe Kosten. 5000 bis 6000 Franken kostet eine Maschine in der Stunde. Deshalb sei es so wichtig, dass Helvetic ihre schlanken Strukturen erhalte, sagt Ebner. Dies sei die grösste Herausforderung. Bei Helvetic sind es nicht nur die Strukturen, die die Airline von anderen unterscheidet. Auch bei der Rekrutierung von neuem Personal geht sie ungewohnte Wege. In den vergangenen Wochen fanden in mehreren Schweizer Städten (u. a. im Verkehrshaus Luzern) erstmals Castings für Kabinenpersonal statt. «Dies erlaubt es uns, die 40 noch offenen Stellen in der Kabine bis Sommer zu besetzten», sagt Tobias Pogorevc. Der gebürtige Sarner ist Finanzchef und einer von insgesamt zwei Zentralschweizern an der Spitze der Airline. Der andere ist CEO Bruno Jans; er ist in Horw aufgewachsen.

Martin Ebner, es gibt einige bei Helvetic, die behaupten, es sei wichtig fürs Überleben der Airline gewesen, dass mit Ihnen jemand von ausserhalb der Branche eingestiegen ist. Stimmt dies?

Ebner: Das ist sicher so. Ich kenne einige in der Luftfahrtbranche, die einen Tunnelblick haben, die Prozesse nicht in Frage stellen.

Worin manifestiert sich dies denn heute bei der Helvetic?

Ebner: Es gibt wohl keine andere Airline, die so sehr in die Schulung ihrer Mitarbeiter investiert wie wir. Wir sind auch bei der Arbeitszeitgestaltung in vielerlei Hinsicht anders als die anderen. Bei uns kann ein Pilot auch nur zwei bei drei Tage die Woche arbeiten. Und das Kabinenpersonal hat auf den Flügen die Möglichkeit, mehr zu verdienen, wenn es mehr verkauft.

«Schwyz vergisst, was den Kanton stark machte»

Martin Ebner hat sich schon immer gerne in die Steuerpolitik seines Wohnkantons Schwyz eingemischt. Im Jahr 2001 machte er mit seiner Forderung nach einer drastischen Steuersenkung Schlagzeilen. Der Freienbacher wollte, dass die Kantonssteuern für eine begrenzte Zeit halbiert würden. Ebner wollte damit einen Wachstumsschub auslösen, stattdessen riss er eine heftige Diskussion vom Zaun und stiess letzten Endes beim damaligen Schwyzer Finanzdirektor Franz Marty auf Granit.

Über zehn Jahre später juckt es Ebner erneut. Dieses Mal fordert er nicht eine Steuersenkung, sondern kritisiert die Pläne zur Erhöhung der Vermögenssteuer. Im Interview nimmt Ebner zudem erstmals Stellung zum Fall Sika.

Martin Ebner, Ihr Name wird in jüngster Zeit immer wieder mit Sika in Verbindung gebracht. Wollen Sie beim Bauchemiekonzern einsteigen?

Martin Ebner: Ich bin nicht bei Sika involviert, und ein Einstieg ist für mich auch kein Thema. Aber die Problematik, die hinter dem Rechtsstreit steht, interessiert mich sehr.

Weshalb?

Ebner: Was wir bei der Sika erleben, ist eine gefährliche Entwicklung. Bis anhin war ich der festen Überzeugung, dass jemand sein Eigentum verkaufen kann, wenn er dies will. Was wir jetzt bei Sika seitens des Managements sehen, kann man schon fast als Anmassung bezeichnen. Es wird interessant sein zu verfolgen, wie das Gericht entscheiden wird.

Befürchten Sie, dass der Entscheid einschneidende Folgen für die Wirtschaft haben wird?

Ebner: Das nicht, denn es gibt nur wenige Unternehmen in der Schweiz, die eine solche Aktionärsstruktur aufweisen. Mich beunruhigt aber, dass mit PR versucht wird, die öffentliche Meinung und damit letztlich auch das Gericht zu beeinflussen. Das kannten wir bislang nur von der Politik.

Nicht gefallen dürfte Ihnen auch die finanzielle Entwicklung Ihres Wohnkantons Schwyz. Es droht eine Steuererhöhung.

Ebner: Schwyz vergisst, was den Kanton stark gemacht hat. Man will eine Flat Rate Tax einführen und gleichzeitig auch noch die Vermögenssteuer verdoppeln. Offenbar will man nicht wahrhaben, dass dies dazu führen wird, dass einige Vermögende den Kanton verlassen werden.

Haben Sie denn Anzeichen dafür?

Ebner: Ich selber weiss von vier Vermögenden, die Ende Jahr nicht mehr im Kanton steuerpflichtig sein werden. Dies sind keine Einzelfälle.

Die Regierung hat aber keine andere Wahl. Sie muss handeln. Die Belastung durch den neuen Finanzausgleich des Bundes (NFA) wird immer grösser.

Ebner: Die Schwyzer Regierung hat viel zu spät auf die Konsequenzen des NFA reagiert.

Ist denn der NFA ein Fehlkonstrukt?

Ebner: Er weist auf jeden Fall grosse Fehler auf. Es ist schon unverständlich, dass man den Kanton Schwyz in den gleich Topf tat wie Zürich und dann meint, wenn es Zürich nicht gut geht, muss halt Schwyz mehr zahlen. Es braucht dringend Korrekturen.

Rosmarie und Martin Ebner beim Verlassen des Fliegers. Beim Flug über die Alpen wurde der Helvetic-Flieger von einem F/A-18 und einem Tiger der Schweizer Luftwaffe begleitet. (Bilder Rémy Steiner Photography)

Rosmarie und Martin Ebner beim Verlassen des Fliegers. Beim Flug über die Alpen wurde der Helvetic-Flieger von einem F/A-18 und einem Tiger der Schweizer Luftwaffe begleitet. (Bilder Rémy Steiner Photography)

In einem Flieger von Helvetic. (Bild: Rémy Steiner Photography)

In einem Flieger von Helvetic. (Bild: Rémy Steiner Photography)

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