Herbstferien im Ausland: Reisebüros werben mit neuen Coronatests für zu Hause

Hotelplan, Tui und Kuoni bieten neu die Möglichkeit, dass Reisende bei ihrer Buchung ein Selbstentnahmekit kaufen können. So müssen sie nicht vor Ort einen Coronatest machen. Partner ist die Schweizer Firma Viselio.

Sarah Kunz
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Statt beim Arzt können Reisende mithilfe des Kits von Viselio den Coronatest selbst zu Hause durchführen.

Statt beim Arzt können Reisende mithilfe des Kits von Viselio den Coronatest selbst zu Hause durchführen.

Keystone / Rob Engelaar

Wer seine Herbstferien in Ägypten, Dubai oder auf den Malediven verbringen will, muss dort einen negativen Covid-19-Test vorweisen. Für Reisende heisst das: Planen, Packen, Fliegen, sich bei der Einreise noch am Flughafen testen lassen und dann ab in Quarantäne bis die Ergebnisse da sind. Ein erholsamer Start in den Urlaub sieht anders aus.

Diese Erfahrung wollen Reisebüros wie Hotelplan vermeiden und bieten deshalb neu die Möglichkeit, dass sich Reisende bei der Buchung auch gleich ein sogenanntes Selbstentnahmekit für einen PCR-Test sichern können. Dieser kann nachweisen, ob Virus-Pathogene im Körper vorhanden sind, also ob man infiziert ist.

Anbieter der Kits ist das Schweizer Start-Up Viselio, das primär als Visums-Dienstleister bekannt ist. Das Unternehmen liefert das Kit in einem kleinen Päckli. Darin befinden sich zwei steril verpackte Abstrichtupfer, ein Probenröhrchen, ein Auftragsformular, eine detaillierte Gebrauchsanleitung, ein Sicherheitstransport-Etui mit Vlieseinlage und ein für den Rückversand vorfrankiertes Couvert.

Für die Ergebnisse benötigt Viselio je einen Abstrich von Nase und Rachen. Die Proben werden dann vom Labor Invenimus in Kloten analysiert, mit dem Viselio seit Mai zusammenarbeitet.

So sieht das Selbstentnahmekit von Viselio aus. Es beinhaltet ein Deckblatt, Anleitung, zwei Tupfer, Proberöhrchen, Etui und Rücksendecouvert.

So sieht das Selbstentnahmekit von Viselio aus. Es beinhaltet ein Deckblatt, Anleitung, zwei Tupfer, Proberöhrchen, Etui und Rücksendecouvert.

Sarah Kunz

Für Reisende ist zudem das Datum notiert, bis wann die Abstriche spätestens im Labor eintreffen müssen. Denn der Abstrich darf – für ein von den Destinationen erlaubtes Ergebnis – nicht älter als 72 Stunden sein. Das Testresultat liegt dann, wenn die Probe erst einmal im Labor ist, innert wenigen Stunden vor. Und zwar in der Landessprache.

Da Deutsch aber gerade in Ägypten nicht hilfreich ist, wird das Testresultat von Viselio auf Englisch ausgestellt und anschliessend per E-Mail verschickt. Falls nötig auch in Form einer offiziellen Deklaration. Die Zeugnisse werden von allen Ländern, die ein negatives Testergebnis verlangen, akzeptiert.

BAG und Swissmedic raten von Proben von zu Hause ab

Was sehr futuristisch klingt, hat aber einen Haken: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und Swissmedic bestätigen zwar die Effektivität von PCR-Tests und akzeptieren solche Selbstentnahmekits auch, sie raten aber ausdrücklich davon ab.

In ihrem Merkblatt heisst es, dass Abstriche nur von ausgebildetem und erfahrenem Gesundheitspersonal durchgeführt werden sollten. Die Überlegung dahinter: Ein Patient hat nicht dieselben sicheren Handgriffe wie ein Arzt und kann den Abstrich daher nicht gleich effektiv durchführen.

«Unser Labor hat vorab Versuche gemacht, die aufzeigen, dass eine Selbstentnahme durch Laien ebenfalls effektiv ist», entgegnet Viselio-CEO Zeller darauf. Dafür hätten sowohl ein Arzt als auch der Patient selbst den Abstrich gemacht. «An beiden Stäbchen war anschliessend genügend genetisches Material vorhanden.»

Ausserdem handelt es sich laut Zeller um eine Selbstentnahme und nicht um einen Selbsttest, da die Analyse durch ein zertifiziertes Labor erfolgt. Letzterer wäre vom BAG nämlich nicht akzeptiert. Zu genaueren Angaben über die Effektivität von Selbstentnahmekits sowie über deren zukünftige Verwendung lässt sich Zeller nicht bewegen, er sei schliesslich keine medizinische Fachperson.

Das Labor stehe aber im Austausch mit Kantonsärzten und Swissmedic, die das Kit gestattet haben. Einzig so viel sagt der Viselio-Gründer: «Der Test ist für gesunde Personen gedacht und nicht dazu, kranke Personen zu eruieren.»

Auch auf die Frage, ob solche Selbstentnahmekits nicht Missbrauch fördern könnten, hat Zeller eine Antwort parat: «Jedes System kann man missbrauchen, wenn man es will», sagt Zeller. «Aber damit schiesst man sich ja auch ins eigene Bein.» Wer nämlich trotz Symptomen nicht auf die Ferien verzichten will, eine fremde Probe als die eigene einschickt und mit diesen Ergebnissen in ein anderes Land einreist, macht sich strafbar. «Und schliesslich wollen Reisende in der Regel ohnehin von sich selber wissen, ob sie infiziert sind.»

Hotelplan wirbt im Newsletter, Tui und Kuoni in der Filiale

Ausserdem ist das Set nicht gerade günstig. Es kostet 165 Franken, der Test beim Arzt 180. Hat man aber Symptome, übernimmt der Bund die Kosten. Und im Vergleich mit Ägypten ist die Methode von zu Hause aus um Einiges teurer. Wer sich an einem der Flughäfen testen lässt, bezahlt nur einen Unkostenbeitrag von 30 Euro.

Für Reisende hat die Methode laut Zeller trotzdem ihren Reiz: So brauche man für die Probe nicht extra einen Termin beim Arzt. Wenn die Tests in der Schweiz knapp werden, könne es sein, dass Patienten ohne Symptome von den Testzentren abgewiesen werden. In den Labors von Viselio habe man derzeit noch genügend Kapazität.

Hotelplan nennt einen weiteren Pluspunkt: «Wer sich vorab testen lässt, kann sorglos in die Ferien starten», sagt eine Sprecherin. «Reisende müssen nicht warten und bangen.» Anscheinend kommt das Angebot an. Gerade für Reisen nach Ägypten werde es laut der Sprecherin «gut genutzt». Genauere Angaben macht Hotelplan aber nicht.

Das Reisebüro wirbt sogar in seinem letzten Newsletter für die neuen Selbstentnahmekits. Auch über Tui und Kuoni können die Tests bei Buchungen in den Filialen dazugekauft werden, wie die beiden Reisebüros auf Anfrage bestätigen.

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