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HERGISWIL/ROTKREUZ: GfK streicht in der Zentralschweiz 77 Stellen

Kurz vor dem Umzug nach Rotkreuz schliesst das Marktforschungsinstitut GfK sein Telefonlabor in Hergiswil. Das Unternehmen will künftig mit der Konkurrenz kooperieren. 77 Angestellte verlieren nächstes Jahr ihre Stelle.
Im Bild ist der Sitz vom Marktforschungsunternehmen GfK Switzerland in Hergiswil. (Bild: Roger Grütter (Hergiswil, 20. Oktober 2017))

Im Bild ist der Sitz vom Marktforschungsunternehmen GfK Switzerland in Hergiswil. (Bild: Roger Grütter (Hergiswil, 20. Oktober 2017))

Roman Schenkel

Ab Montag wird das Marktforschungsinstitut GfK seinen Sitz auf dem Suurstoffi-Areal in Rotkreuz haben. Am Freitag wurden die letzten Sachen von Hergiswil an den neuen Standort gezügelt. 135 Angestellte werden neu im Kanton Zug arbeiten.

Der Umzug wird nun aber von einer schlechten Nachricht überschattet: Wie unsere Zeitung erfahren hat, schliesst GfK das Telefonlabor, das eigentlich in Hergiswil hätte bleiben sollen. In einem Kündigungsschreiben, das unserer Zeitung vorliegt, erklärt GfK die Schliessung mit der Zunahme von Onlineumfragen und dem Verlust eines grösseren Auftrages. «Gerade dieses Jahr gingen zirka 50'000 Telefoninterviews verloren», schreibt GfK-Chef Schweiz Ludovit Szabo im Kündigungsschreiben. Zudem würden 2018 weitere Kunden auf Onlinebefragungen umstellen wollen. Diese Veränderungen hätten zur Folge, dass das Auftragsvolumen auf eine Grösse zusammenschrumpft sei, bei welcher die Durchführung der Telefonbefragungen nicht mehr rentabel sei. Auch das Rekrutierungscenter, das Teilnehmer für Marktforschungen sucht, soll geschlossen werden.

77 Angestellte verlieren durch die Schliessungen ihre Arbeit, bestätigt GfK-Sprecher Lukas Häusermann auf Anfrage. «Wir werden in Zukunft nicht mehr selber Telefonbefragungen durchführen, deshalb haben wir die Absicht, unser Befragungscenter per Ende März 2018 zu schliessen.» Seit dem 11. Oktober laufe das 30-tägige Konsultationsverfahren, ein Sozialplan sei in Abklärung. Bei den betroffenen Angestellten handelt es sich zu einem grossen Teil um Hausfrauen und Studenten aus der Region, die im Stundenlohn arbeiten. «Die Pensen sind ganz unterschiedlich – sie reichen von wenigen Stellenprozenten bis zu 70-Prozent-Pensen», sagt Häusermann. Wie vielen Vollzeitstellen der Abbau entspreche, lasse sich nicht beziffern. Mit Ausnahme von drei Supervisoren haben die betroffenen Angestellten eine Kündigungsfrist von einem Monat.

Weniger Befragungen, mehr Beratungen

Das Aus für das Telefonlabor habe nichts mit dem Umzug nach Rotkreuz zu tun, sondern entspreche viel mehr einer neuen strategischen Ausrichtung des Unternehmens, betont Häusermann. «Wir werden in Rotkreuz kein neues Telefonlabor aufbauen, sondern diese Dienstleistung künftig einkaufen», sagt er. Die Marktforschungsbranche bekommt insbesondere bei der Erhebung der Daten die Digitalisierung stark zu spüren. «Telefonumfragen sind immer weniger gefragt, der Anteil an Online-Befragungen nimmt stark zu», erklärt Häusermann. Zudem sei die Konkurrenz im Telefonbefragungsmarkt gross. «Der Preisdruck hat stark zugenommen», sagt Häusermann.

GfK will sich in Zukunft stärker auf die Auswertung von grossen Datenmengen und auf die Beratung konzentrieren. Um nicht ganz auf Telefonerhebungen zu verzichten, will GfK ab März 2018 mit dem Luzerner Institut Link zusammenarbeiten. Die beiden Unternehmen haben eine Absichtserklärung unterzeichnet. Link-Chef Stefan Oglesby bestätigt dies. «Wir werden künftig bei Telefonumfragen mit GfK kooperieren.» Das Unternehmen mit Hauptsitz in Luzern ist neben anderen Methoden auf Telefonbefragungen spezialisiert. Link betreibt Telefonlabors in Luzern, Zürich, Lugano und Lausanne. «Unsere Telefonlabors sind derzeit gut bis sehr gut ausgelastet – auch mittelfristig», sagt Oglesby. Link sei deshalb an gut qualifizierten Telefonbefragern interessiert. «Gute Telefonbefrager mit Erfahrung und Kompetenz sind für uns zentral.» Aufgrund der Erfahrung im Telefonlabor der GFK seien diese Mitarbeiter prädestiniert für offene Stellen bei Link.

Stellenabbau auch in Deutschland

GfK Schweiz ist mit gut 230 Angestellten das grösste Marktforschungsinstitut der Schweiz und eine Tochtergesellschaft von GfK International mit Sitz in Nürnberg. Der Konzern ist in rund 100 Ländern tätig und beschäftigt 13'000 Angestellte. Das Unternehmen, das kurz vor seinem Rückzug von der Börse steht, verzeichnet seit längerem schlechte Geschäftszahlen – Umsatz und Gewinn sind zuletzt weiter zurückgegangen. Unter dem Strich machte das Unternehmen im ersten Halbjahr 2017 einen Verlust von 134,4 Millionen Euro. Mit einem radikalen Konzernumbau will der Marktforscher in die Erfolgsspur zurückfinden. Ende August gab das Unternehmen bekannt, in Deutschland rund 500 Stellen zu streichen.

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