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HILDISRIEDEN: Twenty Green: Frische Firma füttert Fische fit

Aquakulturen sind krankheitsanfällig, Impfung und Tierarznei Standard. Ein Luzerner Jungunternehmen schafft Abhilfe. Der entwickelte Futterzusatz hat weltweit grosses Potenzial.
Raphael Bühlmann
Adrian Koller von Twenty Green in der Produktionshalle, wo der Futterzusatz hergestellt wird. (Bild: Eveline Beerkircher (Hildisrieden, 22. Februar 2018))

Adrian Koller von Twenty Green in der Produktionshalle, wo der Futterzusatz hergestellt wird. (Bild: Eveline Beerkircher (Hildisrieden, 22. Februar 2018))

Raphael Bühlmann

Gemäss der UNO zählt die Versorgung der Weltbevölkerung mit gesunden Nahrungsmitteln zu den grössten Herausforderungen in den kommenden Jahrzehnten. Immer mehr Menschen müssen mit weniger Ressourcen ernährt werden. Durch die Ausdehnung der Siedlungsflächen, Erosion oder zunehmende Trockenheit verschwinden immer mehr Ackerböden. Experten rechnen vor, dass weltweit pro Jahr rund 10 Millionen Hektar fruchtbares Land verloren gehen.

Gleichzeitig haben auf dieser Welt bereits heute rund 815 Millionen Menschen nicht genug zu essen. Laut den Vereinten Nationen nimmt die Erdbevölkerung bis ins Jahr 2050 um weitere 2,5 Milliarden auf fast 10 Milliarden zu. Als Ergebnis dieser beiden Entwicklungen geht hervor, dass in gut dreissig Jahren jedem Erdenbürger noch halb so viel Ackerland zur Verfügung stehen wird wie heute. Bis jetzt vermag die Landwirtschaft mit dieser Entwicklung Schritt zu halten. Fortschritte in Züchtungen, Pflanzenschutzmitteln und Dünger sei Dank. Eine Schattenseite davon ist allerdings der steigende Einsatz von Tierarzneimitteln.

«Mortalität kann deutlich gesenkt werden»

Insbesondere Antibiotika führen bei Tier und Mensch vermehrt zu Resistenzen. «Im Jahr 2050 werden mehr Menschen an resistenten Keimen als an Krebs sterben.» Der Immunologe Duncan Sutherland ist überzeugt, dass es in der Tierfütterung deshalb neue Ansätze braucht. Mit seinem Team entwickelt der 38-Jährige Futtermittelzusätze, um den Verbrauch von Tierarznei zu reduzieren. Twenty Green nennt sich das wegweisende Start-up aus dem Technopark Luzern, das im vergangenen Jahr den ZKB-Pionierpreis Technopark 2017 abräumte, einen der wichtigsten und mit 100000 Franken dotierten Innovationspreise für Start-ups in der Schweiz. Das Geld investiert Twenty Green nun unter anderem am Standort Hildisrieden, wo das Unternehmen sich in einem ersten Schritt auf die Produktion eines Zusatzes für Fischfutter konzentriert.

Beim Besuch unserer Zeitung lässt sich CEO Sutherland dabei über die Schultern schauen. Die von Twenty Green patentierten Mikroben werden mit einer Pipette in einen Bioreaktor (Fermenter) gegeben, wo sie sich exponentiell vermehren. «Wir haben herausgefunden, dass ­diese Mikrobe in der richtigen Dosierung verfüttert, vor allem Fische viel resistenter macht», erklärt Sutherland weiter. Versuche verschiedener Universitäten mit Forellen, Lachsen, Tilapia oder Garnelen hätten ausserdem gezeigt, dass die Futterverwertung mit dem Zusatz von Twenty Green um bis zu 20 Prozent gesteigert werden konnte. Auch seien die in der Fischhaltung hohen Ausfälle reduziert worden. Bei Garnelen etwa liegt die Mortalität im Normalfall bei rund 55 Prozent. Mit dem Futterzusatz sank diese auf rund 15 Prozent – ein Meilenstein für die weltweit hoch entwickelte Produktion der Krebstiere. Allgemein könne durch den Einsatz des Futters bei sämtlichen Aquakulturen, also bei den in Becken gehaltenen Fischen und Krustentieren, deren Immunsystem gestärkt werden. Die Tiere überstünden so heikle Phasen besser. Bei Lachsen beispielsweise, die ausnahmslos geimpft werden müssten, sei dies vor und nach der Verabreichung der Vakzine der Fall. Dadurch könnten die Fische das teure Fischfutter besser verwerten.

Produktion in Hildisrieden wird hochgefahren

«Aquakulturen gewinnen derzeit weltweit rasant an Bedeutung. Entsprechend hoch schätzen wir das Marktpotenzial ein», zeigt sich Sutherland von der Zukunft von Twenty Green überzeugt. Aufgrund dieser positiven Aussichten gehe es nun unter anderem darum, die Produktion in Hildisrieden hochzufahren. Ein neuer Fermenter mit einem Fassungsvermögen von 1000 Litern sei dafür bestellt. Zwei Ingenieure werden Vollzeit angestellt.

Marktseitig soll es in einem ersten Schritt vor allem darum gehen, bei den Verbrauchern eine gewisse Nachfrage zu generieren und die definitive Zulassung von Agroscope zu erhalten. «Die Schweizer Anerkennung hat ein grosses Gewicht und ist entsprechend wichtig für uns», so Suther­land weiter. In einem zweiten Schritt ist die Zusammenarbeit mit Futtermühlen angedacht, die das Produkt von Twenty Green beimischen.

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